Was sind die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse?

Das Klima hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900) um 1,1 Grad erwärmt. Das ist die globale Mitteltemperatur, die Weltregionen sind unterschiedlich betroffen. In Deutschland sind es bereits 1,6 Grad. Das hat drastische Folgen: Der Meeresspiegel steige so schnell wie seit 3000 Jahren nicht mehr, der Gletscherrückgang sei so stark wie seit etwa 2000 Jahren nicht mehr, berichtete der Weltklimarat IPCC im August. Die Konzentration des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) in der Atmosphäre ist demnach die höchste seit etwa zwei Millionen Jahren und sie ist auch im Coronajahr 2020 weiter gestiegen, wie die Weltwetterorganisation (WMO) sagt. Die Menschen müssen sich auf mehr Extremwetter mit Überschwemmungen und Hitze einstellen.

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Was soll getan werden - und wie sieht die Realität aus?

2015 schlossen mehr als 190 Staaten in Paris ein Klimaabkommen. Sie einigten sich auf das Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen und möglichst 1,5 Grad zu erreichen. Dazu sollten alle Länder Aktionspläne auflegen. Auf dem richtigen Pfad sind aber nur wenige. Für das 2-Grad-Ziel muss die Welt laut IPCC spätestens zwischen 2050 und 2070 Klimaneutralität erreichen. Dann darf nur noch so viel Treibhausgas ausgestossen werden, wie Senken aufnehmen. Allerdings handeln die Regierungen nicht danach. "Wir sind immer noch auf dem Weg zu einer Klima-Katastrophe", sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Die neuesten Klima-Versprechen der Länder würden nur zu einer zusätzlichen Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 7,5 Prozent im Jahr 2030 führen. Für das 1,5-Grad-Ziel seien aber 55 Prozent nötig. Selbst, wenn alle angekündigten Schritte für sauberere Energie umgesetzt würden, wird der CO2-Ausstoss laut der Internationalen Energiebehörde IEA bis 2050 nur um 40 Prozent sinken.

Was will die EU tun?

Die EU hat das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, die Bundesregierung will dies schon in weniger als 25 Jahren schaffen, bis 2045. Im Dezember 2020 bekräftigten die EU-Regierungen das verbindliche EU-Ziel, die Treibhausgasemissionen in der Union schon bis 2030 netto um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Die EU-Kommission hat Vorschläge mit ihrem Programm "Fit for 55" gemacht. Es geht etwa um einmal strengere Kohlendioxid-Grenzwerte für Autos sowie ein separates Emissionshandelssystem für den Strassenverkehr und Gebäudesektor. Das dürfte höhere Spritpreise und Kosten für das Heizen mit Kohle, Erdgas oder Öl verursachen.

Was wollen die grössten Treibhausgasverursacher tun?

China und die USA sind in absoluten Zahlen die grössten Treibhaugasverursacher, vor Indien. China hatte 2019 nach Zahlen des Global Carbon Projects einen Anteil von fast 28 Prozent an der globalen Gesamtmenge im Jahr, die USA knapp 14 Prozent. Pro Kopf stossen unter den grösseren Industrieländern Australier, US-Amerikaner und Kanadier die meisten Treibhausgase aus, rund 16 Tonnen im Jahr. China liegt mit 7,1 Tonnen noch hinter Deutschland mit 8,4 Tonnen. Diese Zahlen stammen aus dem Datenprojekt OurWorldInData der Oxford-Universität und beziehen sich auf 2019.

In China wächst der Ausstoss noch und soll nach dem Willen der Regierung erst ab 2030 fallen. Die Regierung strebt Klimaneutralität bis 2060 an. Die USA waren unter Ex-Präsident Donald Trump in Sachen Klimaschutz vier Jahre abgetaucht. US-Präsident Biden will den Treibhausgasausstoss bis 2030 auf die Hälfte von 2005 reduzieren.

Wer hat seit 1750 die meisten Treibhausgase ausgestossen?

In Schwellenländern wie Indien steigen die Emissionen weiter stark. Sie argumentieren, dass sie auch die Chance zur Industrialisierung brauchen. Für den Grossteil der Treibhausgase in der Atmosphäre seien die Industrieländer verantwortlich. Das stimmt. Auf die USA entfällt seit 1750 rund ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen, rund 410 Milliarden Tonnen (bis 2019), wie OurWorldInData zeigt. Chinas Anteil liegt bei rund 220, Russlands bei 114, Deutschlands bei rund 92, Indiens bei 52 Milliarden Tonnen.

Wer leidet am meisten unter dem Klimawandel?

Regionen, die am wenigsten Treibhausgase ausgestossen haben, spüren den Klimawandel am deutlichsten: Inselstaaten im Pazifik erleben den Meeresspiegelanstieg, Grönland den Eisschwund, und in Afrika sind die Folgen mit mehr und heftigen Extremwetterlagen wie Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Erdrutschen laut Weltwetterorganisation (WMO) stärker zu spüren als im globalen Durchschnitt.

Warum macht die Corona-Pandemie alles noch schlimmer?

Im ersten Corona-Jahr 2020 sind die Treibhausgasemissionen durch die pandemiebedingte Einschränkung des Wirtschaftslebens und den massiven Rückgang des Flugverkehrs zwar leicht zurückgegangen. Weil Sozialmassnahmen und die Wiederankurbelung der Wirtschaft viel Geld kosten, pochen manche Länder aber jetzt darauf, dass wirtschaftliche Erholung Vorrang vor dem Klimaschutz haben muss. Manche Regierungen unterstützen ärmere Länder deshalb weniger beim Klimaschutz. 2021 kürzte Grossbritannien die Entwicklungshilfe von 0,7 auf 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In Deutschland lag sie nach Angaben der Wirtschaftsorganisation OECD 2020 bei 0,73 Prozent des BIP.

Warum soll die Konferenz in Glasgow mehr bringen als die in Paris?

Hier sei ein Name genannt: Greta Thunberg. Die Schwedin begann 2018 mit damals 15 Jahren einen "Schulstreik für das Klima". Sie elektrisierte Millionen junge Menschen in aller Welt, die seitdem als Bewegung "Fridays for Future" Klimastreiks und andere Aktionen auf die Beine stellen. Durch diese und andere Bewegungen wächst der Druck auf Regierungen. Ebenso rücken sich häufende Naturkatastrophen das Thema Klimaschutz wie nie zuvor in den Fokus.

Was soll in Glasgow erreicht werden?

Insgesamt sollen Länder ehrgeizigere Aktionspläne zur Reduzierung der Treibhausgase vorlegen, den Kohleausstieg beschleunigen und Wälder als CO2-Senken besser schützen. Reiche Länder sollen ihr Versprechen von 2009 einlösen, jedes Jahr 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz in ärmeren Ländern bereitzustellen.

(awp/tdr)