Die grassierende Covid-Pandemie führt bei Schweizer Unternehmen nach wie vor zu grosser Unsicherheit. Deshalb wollen sie in den kommenden sechs bis zwölf Monaten weniger Zukäufe tätigen. So das Fazit des neuesten M&A-Outlooks Schweiz von Oaklins. 

Jürg Stucker ist Partner von Oaklins Switzerland.

Alle drei Faktoren (siehe Grafik), die Akquisitionen und Firmenzusammenschlüsse begünstigen, erhielten deutlich tiefere Zustimmungswerte bei der neusten Erhebung: Schweizer Unternehmen sind ernüchtert bezüglich der zu erwartenden Konjunkturentwicklung und sie verschieben den strategischen Fokus weg von M&A. Zudem beurteilen sie das Finanzierungsumfeld als wenig attraktiv.

Oaklins M&A-Index: Zuversicht dramatisch eingebrochen

prognostizierte Entwicklung der M&A-Aktivität

Der Index zeigt die prognostizierte Entwicklung der M&A-Aktivität in den kommenden 6 bis 12 Monaten mit Beteiligung von Schweizer Unternehmen (Umfrageergebnisse in Punkten).

Quelle: Oaklins

Unternehmen rechnen mit Konjunkturabschwung

98 Prozent der mehr als hundert befragten M&A-Experten und Entscheidungsträger von börsenkotierten Schweizer Firmen und KMU rechnen mit einer deutlichen Konjunkturabkühlung, viele sogar mit einer Rezession.

Dessen ungeachtet sehen sie für den Wirtschaftsstandort nicht schwarz und erwarten, dass die Schweiz gestärkt aus der aktuellen Krise kommen wird. Denn diese führt zum notwendigen Druck, innovative Lösungen umzusetzen. Das kann der Schweiz als Produktionsstandort künftig zu mehr Gewicht verhelfen.

Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen im Vordergrund

Um sich für die Zukunft fit zu trimmen, treiben Unternehmen nun besonders Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen voran und streben weniger Zukäufe und Zusammenschlüsse an. Dennoch stellt rund ein Drittel keine unmittelbaren Folgen von COVID-19 auf die Akquisitionstätigkeiten fest.

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Besonders in gesättigten Märkten sind Zukäufe und Zusammenschlüsse oft die einzige Möglichkeit, um den Marktanteil auszubauen. Allerdings schauen sich Schweizer Unternehmen nun weniger oft in Übersee nach Übernahmezielen um. Unter anderem wegen unterbrochener globaler Lieferketten haben die USA und China als Investitionsstandorte an Attraktivität verloren.

Gewinner dieser Entwicklung sind die Schweiz, Deutschland und das restliche Europa: 28 Prozent der Befragten schauen sich im Inland nach Akquisitionszielen um, je 24 Prozent richten den Fokus auf deutsche und europäische Unternehmen. Damit setzt sich die Rückorientierung auf regionale Wirtschaftsräume fort.

Trotz erschwerter Finanzierung bessere Chancen für Käufer

Als Folge der Pandemie hat sich das Finanzierungsumfeld deutlich verschlechtert. Nur noch 35 Prozent der Befragten beurteilen die Verfügbarkeit von Fremdkapital als eher hoch oder hoch. Anfang Jahr waren es noch 87 Prozent. Auch die Verfügbarkeit von flüssigen Mitteln schätzen die Umfrageteilnehmer markant schlechter ein. Die Chancen für Käufer dürften im aktuellen Umfeld aber dennoch gestiegen sein. 71 Prozent erwarten tiefere Multiples, was Zukäufe auch bei niedrigeren Beständen von verfügbaren Mitteln erschwinglicher machen dürfte.

Der Umfrageteilnehmer Peter Schildknecht, CEO der CPH Chemie + Papier Holding, hat zudem noch weitere Treiber für Akquisitionen identifiziert, die aus der Corona-Krise entstanden sind: «Sei es, dass dadurch die Preisvorstellungen der Verkäufer nach unten korrigiert werden müssen oder als Folge dieser Marktverwerfungen ein Unternehmen plötzlich auf den Markt kommt, bei dem zuvor noch keine Verkaufsabsicht bestanden hatte.»

Mittelfristig ist davon auszugehen, dass die Transaktionsanzahl und das -volumen zunehmen werden, denn die Umfrageteilnehmer erwarten, dass derzeit verschobene Transaktionen auf den Markt gelangen. Zudem dürften Private-Equity-Anlagen weiter an Bedeutung gewinnen, da sie auch in der jüngeren Vergangenheit überdurchschnittliche Renditen abwarfen.