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Made in China?
In all diesen Ländern entsteht ein Smartphone von Huawei

Huawei Werk
Innenaufnahme des Huawei-Werks in Dongguan bei Shenzen.Quelle: Kevin Frayer | Getty Images

In Huaweis Smartphones steckt viel nicht-chinesische Technologie. Die Auswechslung aller US-Komponenten wird zur Herkulesaufgabe.

Gabriel Knupfer
Von Gabriel Knupfer
am 13.06.2019

Die Smartphones von Huawei sind – wie auch die von Apple – ein globales Produkt. Doch was eigentlich ein Vorteil wäre, wird für Huawei im Zuge des Handelsstreits zwischen den USA und China zum Problem.

Der Bann der Trump-Regierung verbietet amerikanischen Firmen in Zukunft direkte Verkäufe an den chinesischen Tech-Giganten. Auch Anbieter aus Drittländern dürfen keine Produkte mehr an Huawei verkaufen, die zu mehr als einem Viertel US-amerikanische Technologie enthalten.

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Die Sanktionen würden 1'200 US-Zulieferer betreffen, so der Konzern gegenüber der «Financial Times». Insgesamt kaufte Huawei im vergangenen Jahr Komponenten und Dienstleistungen für 11 Milliarden Dollar in den USA.

«Volles Vertrauen in unser Überleben»

In der Smartphone-Herstellung arbeitet Huawei schon seit zehn Jahren daran, unabhängiger von amerikanischen Herstellern zu werden, wie der Vorsitzende Liang Hua gegenüber Journalisten sagte. «Wir haben volles Vertrauen in unser Überleben.» Doch offenbar wurden die Pläne bis zum Frontalangriff der US-Regierung im Mai nicht konsequent weiterverfolgt.

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Der Clip zum Song « Huaweis Schönheit» bietet einen Mix aus Patriotismus und Werbung für die umstrittene Firma.

Wie die folgende Aufstellung zeigt, werden bis heute viele ausländische Technologien und Komponenten in den Smartphones verbaut.

1. Bildschirm

Die Displays stammen von Zulieferern aus Südkorea und China. Bis vor einigen Monaten war LG aus Südkorea der wichtigste Bildschirm-Zulieferer für Huawei. Inzwischen werden die meisten Displays laut Insidern vom südkoreanischen Konkurrenten Samsung und von BOE aus China hergestellt. Alle drei Hersteller sind von den Sanktionen nicht betroffen.

BOE produziert im Moment wegen der hohen Ausschussquote noch etwas teurer als Samsung. Die Herstellung eines 6.39-Zoll-AMOLED-Bildschirms kostet die Chinesen laut Schätzungen rund 80 Dollar – im Vergleich zu 60 Dollar bei Samsung, so der Fachblog «GSMArena». Doch es besteht kein Zweifel daran, dass China bei den Displays bald vollständige Autarkie erreichen wird.

2. Batterie

Auch bei den Batterien muss sich Huawei keine Sorgen machen: Die Akkus stammen schon heute aus China und auch Konkurrenten wie Apple beziehen Batterien von chinesischen Herstellern.

3. Chip

Erst durch den Chip wird das Smartphone vom Telefon zum Computer. Und ausgerechnet in diesem Bereich ist Huawei hochgradig von ausländischen Zulieferern abhängig und entsprechend verwundbar. «Huawei ist erledigt, wenn sie das Chip-Design von ARM verlieren», titelte beispielsweise das Technik-Magazin «Wired». ARM ist ein zu Japans Softbank gehörendes Unternehmen in Grossbritannien und hält Patente an der grundlegenden Architektur von Mikroprozessoren, wie sie in Smartphones zum Einsatz kommen. So basiert etwa Huaweis eigener Mikroprozessor Kirin 980 auf Technologien von ARM.

Tatsächlich hat ARM angekündigt, die Zusammenarbeit mit Huaweis Chip-Abteilung HiSilicon einzustellen. Das bedeutet, dass Huawei von zukünftigen Updates des Chipdesigns ausgeschlossen wäre und der Mikroprozessor in den Smartphones quasi in der «in der Zeit eingefroren» würde, schreibt «Wired».

Einen Lichtblick bietet Huaweis grösster Chipzulieferer TSMC aus Taiwan. Die Firma sieht sich von den Sanktionen nicht betroffen und will die Chinesen weiter beliefern. Doch Huawei nutzt auch Chips von Micron und Seagate aus den USA und ist mit HiSilicon bei der Entwicklung auf Software aus den USA angewiesen.

Im Bereich der Highend-Chips ist China laut Analysten noch zehn Jahre vom Stand der bei Huawei verbauten Komponenten entfernt, schreibt die «Financial Times». Die Firma hat sich deshalb mit einem grossen Vorrat an Material eingedeckt, was jedoch die Problematik der Updates nicht löst.

Huawei 5G Balong 5000 chipset
Chipsatz Balong 5000 von Huawei: Das 5G-Modem für Smartphones von HiSilicon ist noch nicht der ganz grosse Schritt in die Unabhängigkeit.
Quelle: Keystone

4. Betriebssystem

Bisher läuft auf den Huawei-Smartphones Googles Android aus den USA. Doch unter dem Druck der Sanktionen arbeitet der Konzern mit vollem Tempo an einem eigenen Betriebssystem. Frühestens im Herbst und spätestens nächsten Frühling soll es auf den Markt kommen.

Der mögliche Name ist bereits durchgesickert: «Ark». Huaweis Betriebssystem soll auf Smartphones, Computern, Fernsehern und weiteren Geräten laufen – und mit Android kompatibel sein. Laut Huawei arbeitet man seit 2012 an einem eigenen Betriebssystem. Doch bisher war noch jede Alternative zu Apples iOS und Googles Android zum Scheitern verurteilt. Selbst Microsoft und Samsung ist es nicht gelungen das Duopol zu durchbrechen.

Schon heute nutzt Huawei für seine Geräte in China nur den Open-Source-Teil von Android. Doch im Ausland dürfte der Verlust des Play Stores und anderer Google-Dienste ein schwerer Schlag sein. Die mögliche Play-Store-Alternative Aptoide ist zwar die drittgrösste App-Sammlung der Welt, aber kein vollwertiger Ersatz.

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5. Software

Auch bei der Software sind viele Fragen offen. So könnte die Vorinstallation von Diensten wie Facebook und WhatsApp aus den USA wegfallen. Solange diese Programme aber auf dem Betriebssystem von Huawei laufen, kann sie weiterhin jeder Nutzer selbst herunterladen. Das wäre aber durch den Wegfall des Play Stores mit mehr Aufwand verbunden. Das gleiche gilt für Updates.

Während viele US-Dienste in China ohnehin gesperrt sind und durch chinesische Alternativen wie beispielsweise WeChat vertreten werden, könnte ein erschwerter Zugang zu den Programmen westliche Nutzer vom Kauf eines Huawei-Smartphones abschrecken. Noch schlechter wäre in dieser Hinsicht ein völlig unabhängiges Betriebssystem. Huawei wäre darauf angewiesen, dass Entwickler weltweit hunderttausendfach Apps in einer zusätzlichen Version für die Huawei-Umgebung entwickeln. US-Firmen könnte dies durch die Sanktionen verboten sein.

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