Es tut sich was im Retail Banking. Jahrelang wehrten sich die Schweizer Banken gegen die vom Ausland vorgemachte Innovation à la Revolut. Mit Obstruktion versuchten sie gleichzeitig, Eindringlinge abzuwehren – man erinnere sich an den epischen Apple-Boykott, der sogar die Wettbewerbskommission auf den Plan rief. Doch mittlerweile scheinen sie erkannt zu haben, dass ihre Kunden nicht mehr zufrieden waren. Nun fallen Gebühren und erweitern sich Anwendungen.

Beispiel UBS: Die Grossbank, die lange zu den standhaftesten Verweigerern gehörte, öffnet sich plötzlich den Internet-Giganten Apple, Samsung und Google. Praktisch als letzte, nota bene. Ein neues Kartenangebot, das heute angekündigt wurde, verspricht zudem deutlich bessere Wechselkurse beim Einkauf in Fremdwährungen. Da hat einer die Zeichen der Zeit erkannt.

Doch auf den zweiten Blick zeigt das Beispiel UBS exemplarisch, woran viele Banken noch immer kranken. In der Hoffnung, die hohen Umsätze mit dem Devisengeschäft halten zu können, senkt die UBS nicht einfach die Gebühren für alle Kunden. Wer im Ausland günstiger zahlen will, muss aktiv eine neue Karte beantragen. Ob das all jene langjährigen UBS-Kunden freut, die sich weniger gut auskennen – und vielleicht gerade deshalb bei einer Bank sind, die sonst immer mit aktiver Beratung wirbt?

Auch die Schnittstellen zu den Bezahlsystemen von Apple & Co. öffnete die Grossbank erst, als vermutlich schon zahlreiche Kunden bei der Konkurrenz fremdgingen. Von sich aus erkannten die Banker eine Anwendung wie Apple Pay offenbar nicht als Kundennutzen. Wichtiger war ihnen, die – deutlich anders gelagerte – Bezahl-App Twint zu protegieren. Doch Kunden interessiert so etwas nicht.

«Fast follower» nennen die Banker diese Strategie meist selbst. Nichts wagen, erst nachziehen, wenn sich etwas etabliert hat. Doch im Internetzeitalter ist das, was Banker als schnell bezeichnen, oft sehr langsam.

Natürlich steht die UBS nicht allein da. Die Postfinance enttäuschte unlängst mit einem wenig innovativen «digitalen» Anlageprodukt, das noch nicht einmal einfache Robo-Elemente enthielt, sondern einfach ein Vermögensverwaltungsmandat in einem netten, neuen Mäntelchen war. Die Credit Suisse kündigte vor bald einem Jahr eine «Digitalbank» an, von der man seither nichts mehr gehört hat. Mag sein, dass diese bald lanciert wird. Doch man munkelt, die Entwicklung harze.

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Ein Top-Manager erwähnte vor Kurzem im Gespräch mit der HZ, eine von Kunden gewünschte Neuerung stehe auf dem «24-Monate-Plan.» Das sagt irgendwie alles.

Innovative Bankprodukte kommen Spanien und Russland

Die Schweizer Banken sind technologisch ins Hintertreffen geraten. Galten sie im Zahlungsverkehr einst als innovativ und beim Online-Banking als früh dabei, stammen die Innovationen heute meist aus dem Ausland oder aus anderen Branchen. Innovative Bankprodukte kommen aus Ländern wie Spanien oder Russland, die man lange nicht mit Banken assoziierte, und die wohl gerade deshalb eine Spielwiese für Neuentwicklungen darstellten.

Die hiesigen Banken dagegen sitzen auf schwerfälligen Kernbankensystemen, die sie erst vor wenigen Jahren erneuert haben und die daher erst noch abgeschrieben werden müssen, bevor man sich neues leisten will. Es ist nicht so, dass die Banker keine Ideen hätten. Aber der Mindset und die Buchhalter bremsen sie oft aus.

Das Problem der Schweizer Banken ist ihre Stärke. Noch verdienen sie – trotz allem Wehklagen – so viel, dass sie nicht gezwungen sind, neue Ideen zu entwickeln. Mehr als fünfzehn Jahre ist es her, dass der Banker Hans J. Bär in einem Buch die Banken als «fett, aber impotent» bezeichnete. Dass er damit recht hatte, zeigt sich je länger, je mehr. Die Frage ist nur, wie lange die Banken noch von diesem Fett zehren können. 

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