Er hat für Novartis Milliardenprodukte wie Cosentyx, ein Medikament gegen Schuppenflechte, erfolgreich auf den Markt gebracht. Nun bringt Paul Hudson, ehemals Pharma-Chef von Novartis, die Investoren von Sanofi zum Träumen: Mehr als 10 Prozent hat der Aktienkurs des französischen Pharmakonzerns zugelegt, seit der Brite vor einem Jahr hier das Steuer übernahm.

Ein Topmanager aus Basel springt ab, um anderswo Konzernchef zu werden: Das hat schon fast System. Drei der grössten Pharma- und Biotech-Unternehmen der Welt werden von Managern geführt, die sich ihre Sporen bei Roche oder Novartis abverdient haben oder die zumindest hier den letzten Schliff bekamen. Dazu kommen Kaderleute aus der zweiten und dritten Etage, die an die Spitze von kleineren Unternehmen wegberufen wurden.

Roche und Novartis geben den Takt vor

Die beiden Basler Konzerne sind gefragt, wenn es darum geht, einen Unternehmenschef zu finden. Das kommt daher, dass ­Roche und Novartis in den vergangenen Jahren in der Pharmaindustrie immer wieder den Takt vorgaben.

Da macht es Sinn, jemanden als Konzernchef anzuheuern, der schon da war, wo man hinwill. Zum Beispiel im Bereich Krebs: Roche machte schon Milliardenumsätze mit Krebsmedikamenten, als die Konkurrenz noch damit beschäftigt war, ihre Onko­logie-Pipeline auf Vordermann zu bringen.

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Novartis hat sich unter Konzernchef Vas Narasimhan zu einem der dynamischsten Unternehmen der Industrie überhaupt entwickelt. Aus dem Breitbandanbieter von Daniel Vasella ist ein Konzern geworden, der sich auf wenige, vielversprechende Therapiegebiete konzentriert.

Novartis hat bei neuen Technologien wie den Zell- und Gentherapien vorgelegt – und ­Narasimhans Kulturwandel gehört zu den am genauesten beobachteten Manage­ment­experimenten der vergangenen Jahre. Zudem figurieren beide Basler Konzerne regelmässig ganz oben, wenn es um Innovation und um die Feuerkraft geht, die für Forschung und Entwicklung zur Verfügung steht.

Roche als Sprungbrett

Besonders ergiebig als Reservoir für die Besetzung von Topjobs ist Roche. Die ­Position des Pharma-Chefs von Roche eignet sich ganz offenbar bestens als Sprungbrett für höchste Weihen. Beide Vorgänger des aktuellen Pharma-Chefs Bill Anderson führen heute Unternehmen, die ganz vorne mitspielen.

Vorgänger Daniel O’Day sprang vor zwei Jahren nach nicht weniger als 31 Jahren bei Roche ab, um Chef des kalifornischen Biotech-Unter­nehmens Gilead zu werden. Bei Roche hatte er zuletzt ein brummendes Pharmageschäft mit 44 Milliarden Franken Umsatz unter sich.

Die mit HIV-Medikamenten gross gewordene Gilead spielt zwar nicht ganz in der Liga von Roche. Dafür ist der Mittfünfziger nun CEO eines 22-Milliarden-Dollar-Unternehmens, das auf einer vollen Kriegskasse sitzt und mit dem er sich nun sein eigenes Onkologiegeschäft zimmern kann.

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AstraZeneca führt in Immunonkologie

Auch für Pascal Soriot erwies sich ­Roche als Sprungbrett. Der Franzose war Chef von Genentech, dem Powerhouse von Roche in den USA, und Pharma-Chef in Basel, bevor er 2012 Konzernchef von Astra Zeneca wurde. Seither hat er einiges auf den Weg gebracht.

Der britisch-schwedische Pharmakonzern zählt heute zu den führenden Unternehmen, die im Bereich Krebs forschen. Selbst in der Immunonkologie, einer neuen Technologie, in der bis jetzt erst eine Handvoll Unternehmen erfolgreich sind, ist Astra Zeneca mit dabei.

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Doch auch Novartis bietet sich offenbar als Jagdgrund an, wenn es darum geht, einen CEO mit Turnaround-Qualitäten zu finden. Der ehemalige Pharma-Chef Paul Hudson hat in seinem ersten Jahr in Paris Tempo gemacht.

Er hat 3,4 Milliarden Dollar in ein auf Autoimmunerkrankungen spezialisiertes Unternehmen investiert und er hat Therapiegebiete wie Diabetes und Herzkreislauf fallen gelassen. Stattdessen setzen nun auch die Franzosen auf vielversprechende Krankheiten wie Krebs, Hämophilie, Multiple Sklerose und seltene Krankheiten.

Und schliesslich gibt es auch bei ihr ­einen starken Bezug zu Basel: Emma Walmsley, erste und bis vor kurzem einzige Frau an der Spitze eines grossen Pharmaunternehmens. Die Britin war Chefin eines Joint Ventures für nicht verschreibungspflichtige Medikamente zwischen GSK und Novartis, bevor sie 2017 Chefin von GSK wurde.

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Von Big Pharma nach Biotech 

Seither ist Dame Emma Walmsley, wie sie sich seit kurzem nennen darf, daran, das Krebsgeschäft wieder aufzubauen, das ihr Vorgänger 2014 in einem umfangreichen Austausch von Assets an Novartis abgetreten hatte.

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  • Der Pharmakonzern Roche hat mit der Lancierung eines SARS-CoV-2-Antigentests begonnen. Mehr hier.

Doch es muss nicht immer Big Pharma sein. Auch an der Spitze von kleineren Unternehmen finden sich ehemalige Top­manager aus Basel. Zu ihnen zählt Hervé Hoppenot.

Der ehemalige Onkologie-­Chef von Novartis steht seit 2014 an der Spitze von Incyte, einem Biotech-Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat Delaware. Incyte machte 2019 einen Umsatz von 2,1 Milliarden Dollar.

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Wichtigstes Produkt von Incyte ist Jakavi, ein Krebsme­dikament, das ausserhalb der USA von Novartis vertrieben wird und das nun da­rauf getestet wird, ob es auch gegen Covid-19 eine Wirkung zeigt.

Oft machen die Ehemaligen ihrem Ex-­Arbeitgeber Konkurrenz. Doch auch das gibt es: Ehemalige, die mit ihnen zusammenspannen.

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