Der Autobauer Volkswagen (VW) setzt auf Luxuskarossen. In seine Nobelmarke Bugatti wollen die Wolfsburger künftig verstärkt investieren. Laut Bloomberg testet VW mindestens drei verschiedene Konzepte für einen neuen Bugatti. Derzeitiges Aushängeschild der Edelmarke ist der Veyron, der auch am diesjährigen Autosalon in Paris zu sehen ist. Der Veyron ist auf eine Anzahl von 450 Stück limitiert und nur etwas für Steinreiche. Das Standardmodell ist ab knapp 1,5 Millionen Euro erhältlich. In der Autobranche gilt der Veyron mit 1200 Pferdestärken als der schnellste Wagen.

Dass VW mehr Geld in seine Luxuslinie investieren will, kommt überraschend. Erst im Juli hatte VW-Boss Martin Winterkorn angekündigt, bei den Automarken im niederpreisigen Segment Kosten sparen zu wollen. Die Ankündigung verursachte Proteste in den Autowerken in Wolfsburg.

Überraschende Investition

Hinzu kommt, dass die Entwicklung des Veyron extrem teuer ist. Laut dem Analysten Max Warburton von Sanfor Bernstein verliert VW 4,6 Millionen Euro pro Wagen. Für den Experten ist nicht ganz klar, warum VW so viel Zeit und Geld in die Nobelmarke investiert. Das schnellste Auto der Branche zu haben, sei zwar gut für die Reputation von VW, sagt Warburton. «Doch dieser Image-Booster ist verloren, wenn es eine Marke betrifft, von der 95 Prozent der Leute gar nicht wissen, dass sie zu VW gehört.»

Tatsächlich sind die Nobelkarossen ein wirtschaftlichen Treiber bei VW. Im ersten Halbjahr 2014 lag der operative Gewinn bei gut 6,2 Millionen Euro. Zwei Drittel davon steuerten Autos der Marke Porsche oder Audi bei. Hier liegt laut Bloomberg auch der Grund, warum VW die Marke Bugatti forcieren will: Die sehr teuren Luxusautos von VW sollen den potenziellen Kunden, die sich für einen Porsche oder einen Audi interessieren, zeigen, dass sich der Konzern mit Edelkarossen auskennt.

Bugatti hat in der Branche keine Konkurrenz

Letztlich soll also Bugatti vor allem Kunden in einem unteren Segment anlocken. Leisten können sich so ein Auto sowieso nur die Wenigsten. Wegen der hohen Preise konkurriert Bugatti nicht mit anderen Automarken, sondern mit Yachten oder Luxus-Appartments. So gebe es bereits einen grossen Unterschied zwischen den Autobauern Bentley und Bugatti, sagt Wolgang Dürrheimer, Geschäftsleiter von Bentley und Präsident von Bugatti. «Der Bentley-Kunde besitzt im Schnitt acht Autos. Der durchschnittliche Bugatti-Kunde hat rund 84 Autos, 3 Jets und eine Yacht.»

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(dbe)