Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Verkehr (BAV) empfiehlt den SBB und anderen Transportunternehmen für Kunden mit kleinem Budget eine neue 3. Klasse einzuführen. Damit sollen sich die Schweizer Bahnen im Kampf gegen Uber, Fernbusse und Elektromobile besser behaupten können, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Den Autoren der Studie schwebt demnach eine Art Easyjet auf der Schiene vor. Die Passagiere sollen in einer 3. Klasse enger gestuhlt auf fünf Plätzen pro Reihe sitzen.

Bis 1956 dreiklassig unterwegs

Die Bahn drohe beim Preis und Ressourcenverbrauch gegenüber den neuen Konkurrenten an Vorsprung zu verlieren, heisst es. Bei den Bahnen findet die Idee laut der Zeitung wenig Anklang. Eine neue 3. Klasse bringe kaum Sparpotenzial, mache dafür den öffentlichen Verkehr noch komplizierter, sagte Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr. Um die Züge auch für Kunden mit kleinem Budget attraktiv zu halten, setzt die Branche auf Sparbillette in Randzeiten. Zudem kündigte sie an, die Preise auch für 2020 nicht weiter zu erhöhen. Gänzlich neu wären drei Klassen nicht. Bis 1956 waren Züge der SBB dreiklassig unterwegs. Neben der sogenannten Holzklasse und der Klasse für den Mittelstand gab es noch Luxusabteile.

Bundesamt für Verkehr untersucht Vergünstigungen

Während SBB & Co ein günstigeres Angebote lancieren sollen, fahren immer mehr öffentliche Angestellte mit Bahn und Bus. So gewähren Unternehmen des öffentlichen Verkehrs ihren Angestellten jährlich kostenlose oder vergünstigte Generalabonnemente (GA) im Marktwert von jährlich 380 Millionen Franken. Jedes sechste GA wird mit Rabatten zwischen 30 und 82 Prozent abgegeben, wie die «SonntagsZeitung» unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente zu den Lohn-Nebenleistungen berichtet. 

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Der Verkauf der rabattierten GA bringe jährlich rund 120 Millionen Franken ein. Der Verkaufspreis eines GA beträgt 6300 Franken für die 1. Klasse und 3860 Franken für die 2. Klasse. In den Genuss solcher Rabatte kamen im vergangenen Jahr demnach 101'243 Personen, neben den Angestellten auch Familienangehörige und Rentner. Von den Rabatten profitierten nicht nur Angestellte des öffentlichen Personenverkehrs sondern auch Pensionskassenangestellte oder Beschäftigte im Cargo-Bereich. Wie jetzt bekannt wurde, hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) dazu im Dezember eine Untersuchung eingeleitet. Es prüft, mögliche Einnahmeausfällen im regionalen Personenverkehr durch das Rabattsystem. Bund und Kanton subventionieren diesen mit jährlich je einer Milliarde Franken.