Das Coronavirus könnte den Lifthersteller Schindler hunderte Millionen Franken an Umsatz kosten. «Es ist noch zu früh, um alle Auswirkungen auf unsere Finanzergebnisse zu quantifizieren, da sie vom Zeitpunkt abhängen, an dem China wieder zur Normalität zurückkehrt», sagte Konzernchef Thomas Oetterli am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz.

Im Ergebnis für das erste Quartal und das Halbjahres dürften jedoch deutliche Bremsspuren sichtbar werden. «Im Gesamtjahr sind Umsatz-Einbussen von mehreren hundert Millionen möglich, was sich direkt auf das absolute Betriebsergebnis und die Rentabilität auswirkt», warnte er.

China ist der weltweit grösste Markt für Aufzüge und Rolltreppen. Mehr als jeder zweite neue Aufzug weltweit wird in dem Land installiert. Analysten zufolge entfallen 13 Prozent des Schindler-Konzernumsatzes auf diesen Markt.

Schindler ist (noch) die Nummer zwei der Welt

Angesichts der im laufenden Jahr erwarteten Ausgliederung der Aufzugsparten von Thyssenkrupp und des zum US-Mischkonzern UTC gehörenden Weltmarkführers Otis stehe zudem eine Umwälzung im gesamten Markt an, erklärte ZKB-Analyst Martin Hüsler. «Je nach gewählter Option könnten sich die Marktkräfte im globalen Aufzugsgeschäft deutlich verändern.»

Gegenwärtig ist die UTC-Tochter Otis die Nummer eins, gefolgt von Schindler, der finnischen Kone und Thyssenkrupp Elevator. Der deutsche Konzern halte sich sowohl einen Verkauf als auch einen Börsengang offen, sagte Finanzchef Johannes Dietsch am Donnerstag.

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2019: Mehr Umsatz trotz schwierigem Umfeld

Die Zahlen für 2019 fielen durchzogen aus: Das Marktumfeld sei geprägt gewesen von zunehmender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit, von Protektionismus, Währungsschwankungen und steigenden Personalkosten, schreibt Schindler. Dennoch habe sich die Firma den veränderten Rahmenbedingungen angepasst und sei im Berichtsjahr weiter gewachsen.

Der Auftragseingang nahm um 3,9 Prozent auf 12,1 Milliarden Franken zu und der Umsatz stieg um 3,6 Prozent auf 11,3 Milliarden Franken. In Lokalwährung betrug das Umsatzwachstum 5,6 Prozent und lag damit am oberen Ende des Ausblicks, der ein Plus von 4 bis 6 Prozent vorsah.

Gestiegene Material- und Lohnkosten

Beim Betriebsergebnis (EBIT) musste der Innerschweizer Konzern jedoch einen Rückgang um 0,9 Prozent auf 1,26 Milliarden Franken hinnehmen, was einer tieferen EBIT-Marge von 11,2 nach 11,7 Prozent im Vorjahr entspricht. Der Reingewinn schwächte sich um 7,8 Prozent auf 929 Millionen ab. Im Vorjahr hatte ein einmaliger Steuereffekt in Höhe von 60 Millionen das Ergebnis positiv beeinflusst. EBIT und Gewinn blieben damit 2019 leicht unter den Erwartungen.

Als Gründe für die Ergebnisentwicklung nennt Schindler gestiegene Material- und Lohnkosten, Restrukturierungskosten sowie Ausgaben für strategische Projekte. Dies sei durch operative Fortschritte und Preisanpassungen nicht vollständig kompensiert worden.

Verwaltungsrat: Orit Gadiesh kommt für Anthony Nightingale

Der Generalversammlung wird eine unveränderte ordentliche Dividende von 4 Franken je Namenaktie und Partizipationsschein vorgeschlagen. Hier hatten einige Analysten mit einer Anhebung gerechnet.

Zusätzlich kommt es zu einer Veränderung im Verwaltungsrat: Orit Gadiesh soll Anthony Nightingale ersetzen, der sich aufgrund des Alterslimits nicht mehr zur Wiederwahl stellt.

Anleger wenden sich von Schindler ab

Für das laufende Jahr 2020 peilt das Schindler-Management beim Umsatz eine Entwicklung von unverändert bis +5 Prozent in Lokalwährungen an. Das Unternehmen will schneller wachsen als der Gesamtmarkt.

Die Aktionäre zeigten sich von den Zahlen und dem Ausblick wenig beeindruckt. Schindler verlor am Freitag an der Börse bis 14:30 Uhr über 2,7 Prozent.

Thyssen-Liftsparte: Schindler droht Konkurrent Kone mit Klagewelle

Schindler befürchtet, dass durch einen Zusammenschluss von Kone und Thyssenkrupp ein zu starker Gegner entstünde und droht mit Klagen. Mehr hier.

(awp/reuters/gku)

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