Knapp 19 Prozent im Minus: Das war die verheerende Bilanz an der Börse am Donnerstag. Die Aktie der Credit Suisse erlebte den grössten Tagesverlust der Firmengeschichte, nachdem CEO Ulrich Körner eine Kapitalerhöhung und die neue Strategie verkündet hatte. Es war Tag null bei der Grossbank.

Der Freitag, Tag eins nach dem Strategie-Update und dem Börsenmassaker, ist aber grün. Das Papier steigt. Credit-Suisse-Grossaktionär Harris Associates unterstützt den radikalen Umbau der Grossbank. Mit den Saudis hat die Credit Suisse zudem neue Kräfte im Aktionariat. Aber unterm Strich bleibt der Markt skeptisch. Der aggressive Ansatz beim Personalabbau, die Radikalkur bei der Investmentbank, vor allem aber die Kapitalerhöhung stossen den Anlegerinnen und Anlegern sauer auf.

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Die Situation ist existenziell. Selbst die Finanzmarktaufsicht Finma ist genötigt, ganz genau hinzuschauen. Eigenen Angaben zufolge ist die Behörde seit einigen Wochen und Monaten in sehr engem Kontakt mit der Credit Suisse. Die CS hat sie aktiv über den am Donnerstag veröffentlichten Sanierungsplan informiert.

Finma überprüft Liquidität

«Es ist klar, dass die Finma während der Umsetzungsphase der neuen Strategie weiterhin überwachen wird, dass alle aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfüllt werden», sagt ein Sprecher zur Nachrichtenagentur Reuters. Es müsse einen glaubwürdigen Plan geben, wie die Liquiditätspuffer innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder aufgefüllt werden könnten, nachdem die jüngsten Ergebnisse etwas Sicherheit weggefressen haben.

Mit den am Donnerstag vorgestellten Massnahmen wolle die CS ein «neues Kapitel» aufschlagen und zu einer «felsenfesten Bank wie die Schweizer Berge» werden, versprach Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann am Donnerstag in London an der Investorenkonferenz. «Die Kosten sind zu hoch und zu unflexibel», räumte CEO Ulrich Körner ein.

Die Saudis verdrängen Katar als grössten CS-Aktionär

Die arabische Fraktion wird stärker bei der Credit Suisse. Denn der angekündigte Umbau kostet Geld. Dafür soll nicht nur eine Kapitalerhöhung 4 Milliarden einbringen, auch Grossinvestoren schiessen Kapital ein. Zu ihnen zählt die Saudi National Bank. Sie investiert 1,5 Milliarden Franken und könnte damit auf einen Anteil von 10 Prozent kommen.

Die grösste saudische Bank bietet alle möglichen Bankdienstleistungen in Saudi-Arabien an. Sie ist an der saudischen Börse Tadawul kotiert und gemäss Marktkapitalisierung die Nummer drei hinter Aramco und der Al Rajhi Bank. Der Staat hält die Mehrheit. 37 Prozent sind im Besitz des saudischen Staatsfonds PIF.

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«Die Investmentbank hat für lange Zeit keinen Wert generiert», hält Körner weiter fest. «Wir sind absolut entschlossen, die Schlüsselherausforderungen anzugehen.» Die Bank sei zu breit aufgestellt und zu fragmentiert.

Die Sanierer

Die CS-Strategie ist das Ergebnis einer wochenlangen Arbeit. Drei Beratungsfirmen halfen bei der Ausarbeitung: Centerview fürs Investment Banking, Oliver Wyman fürs Kostenmanagement, Deloitte fürs Risikomanagement. Jetzt geht es um die Umsetzung. Vier Personen rund um CEO Ulrich Körner haben dabei eine Schlüsselrolle. Gemeinsam bringen sie 144 Jahre an Branchenerfahrung mit, die Hälfte aus dem Investment Banking, wo sich die Credit Suisse regelmässig Pleiten und Pannen leistete und wo der Handlungsbedarf besonders gross ist. 

Zum Kernteam gehören Francesca McDonagh, Chief Operating Officer. Thomas Gottstein hatte die Britin angelacht, aber als sie im September in Zürich anheuerte, hatte er die Bank bereits verlassen. Da ist ausserdem Dixit Joshi, der Finanzchef. Der gebürtige Südafrikaner mit Wurzeln in Indien ist seit Frühherbst an Bord, als Zahlmeister ist er überall involviert.

Die Dritte im Bund, die zweite Frau: Joanne Hannaford, Chief Technology & Operations Officer (CTOO). Auch sie wurde noch von Gottstein zur Schweizer Grossbank geholt, von Goldman Sachs kam sie, der ersten Adresse an der Wall Street. Und dann ist da David Wildermuth, der Risikochef. Der Amerikaner war wie Hannaford Mitglied der exklusiven Partnerschaft bei Goldman Sachs. Erst Anfang Jahr wechselte er nach Zürich.

Credit-Suisse-Aktien gehören in ein Lotterieportfolio

Mit der richtigen Strategie kann die CS-Aktie ein guter Kauf für Privatanleger sein. Aber sonst ist von den Titeln eher abzuraten. Für den durchschnittlichen, langfristig orientierten Privatanleger ist von einem Kauf der Aktie abzuraten. Zu zahlreich sind die Baustellen der Credit Suisse.

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