Die Deutsche Bank baut zwar massiv ab – aber im Geschäft mit vermögenden Privatkunden in Europa will sie trotzdem angreifen. Wachstum erhofft sich das Institut bei Unternehmern und reichen Familien in Deutschland, Italien, Großbritannien und Spanien sowie in Osteuropa.

Dies sagte Deutsche-Bank-Manager Claudio de Sanctis in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Gelingen soll das über die Einstellung neuer Kundenberater - und in einigen Jahren möglicherweise auch über Zukäufe.

De Sanctis stiess im Dezember vergangenen Jahres zur Deutschen Bank und leitet das Geschäft mit reichen Privatkunden in Europa. Zudem ist er Chef der Deutsche Bank Schweiz.

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Bleiben wichtige Wettbewerber

Die Ankündigung der Deutsche-Bank-Spitze, die Investmentbank deutlich zu verkleinern, dürfte sich nach Einschätzung des Managers nicht merklich auf das Wealth Management auswirken. «Ich erwarte, dass wir eine Investmentbank haben werden, die sehr wettbewerbsfähig bleibt für alles, was unsere Vermögensverwaltungs-Kunden in Europa brauchen», sagte de Sanctis. 

So sei der US-Aktienhandel, den die Deutsche Bank aufgeben will, typischerweise nicht sehr bedeutend für das Geschäft mit reichen Privatkunden in Europa. Diese seien vielmehr an festverzinslichen Anlagen und Fremdwährungs-Investitionen interessiert. «In diesen Bereichen werden wir wichtige Wettbewerber bleiben.»

Am Wochenende hatte die Deutsche Bank den grössten Stellenabbau ihrer Geschichte angekündigt: Weltweit fallen 18'000 Jobs weg. Die Investmentbank wird radikal zurückgebaut und im Handel verschlankt, künftig stehen klassische Dienstleistungen für Unternehmenskunden im Fokus.

Unter den Grössten in Europa

Das Geschäft mit reichen Privatkunden hat die Deutsche Bank neben dem Zahlungsverkehr als Wachstumsfeld definiert. «Es ist vielleicht nicht so bekannt, aber wir sind bereits unter den größten Vermögensverwaltern in Europa», sagte de Sanctis. Das in der Region verwaltete Vermögen legt die Deutsche Bank nicht offen. Nach Einschätzung der Berater von Boston Consulting hat das Finanzvermögen der Westeuropäer insgesamt ein Volumen von 44 Billionen Dollar - der zweitgrösste Markt nach Nordamerika mit 90 Billionen Dollar.

Die Deutsche Bank in der Schweiz

Die Deutsche Bank beschäftigt in der Schweiz knapp 500 Mitarbeiter, sie führt Filialen in Zürich und Genf und ist damit primär im Wealth und Asset Management tätig. Hinzu kommen rund 200 Angestellte bei der Fondsmanagement-Tochter DWS. Die Bilanzsumme der Deutschen Bank (Suisse) lag letztes Jahr bei 7,7 Milliarden Franken.

Zuletzt hatte das Institut eher damit zu kämpfen, dass verunsicherte Kunden angesichts der anhaltenden Negativschlagzeilen Gelder abgezogen hatten. Im laufenden Jahr sei jedoch die Trendwende geschafft, sagte de Sanctis. Sein Haus habe wieder neue Gelder von der Kundschaft einsammeln können.

Erst mal organisch wachsen

Dies gelang unter anderem mit neuen Kundenberatern, welche die Deutsche Bank von der Konkurrenz abwarb. Zukäufe strebt de Sanctis erst in einigen Jahren an. «Mein Zugang ist, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren beweisen, dass wir organisch wachsen können. Wenn wir diese Glaubwürdigkeit haben, dann werden wir möglicherweise Zukäufe erwägen.»

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In der Schweiz will das Institut international vernetzte Familien als Kunden gewinnen, die ihren Wohnsitz hier haben. Zudem verwaltet die Deutsche Bank hier Gelder von reichen Kunden aus Schwellenländern, die für ihr Vermögen einen sicheren Hafen suchen – zumal dem Nahen Osten, Lateinamerika, der Türkei und Israel. Auch hier erhofft sich de Sanctis anziehende Geschäfte. 

Neben Deutschland, Italien, Grossbritannien und Spanien erhofft sich die Deutsche Bank auch Neukunden aus EU-Ländern in Osteuropa wie Polen, Tschechien, Ungarn oder Rumänien. «Wir sind als Unternehmensbank in diesen Ländern sehr präsent.» In der Vermögensverwaltung habe die Deutsche Bank ihr Potential aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Gebucht werden die Gelder aus Osteuropa bei der Deutschen Bank in Luxemburg.

(Reuters | rap)