Nach den amerikanischen Tech-Unternehmen drängen nun die Chinesen an die Börse. Besonders spannend wäre dabei ein IPO von Didi Chuxing. Didi wie? In Europa und den USA ist das «chinesische Uber» nicht sehr bekannt, den Namen können sich nur wenige merken. Dabei ist Didi in China ein absolutes Schwergewicht und gehört zu den grössten Unternehmen der Welt. Die Bewertung bei einem Börsengang könnte zwischen 70 und 80 Milliarden Dollar betragen. Das ist mehr als der amerikanische Konkurrent Uber, der derzeit rund 48 Milliarden Dollar wert ist.  

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Schon vor zwei Jahren hatte Didi angekündigt, 2018 einen Börsengang anzuvisieren. Laut «Wall Street Journal» werden zurzeit Gespräche in Peking geführt, wo das Unternehmen ansässig ist. Es sei aber unklar, ob der Börsengang noch dieses Jahr komme oder nicht. Ginge Didi diesen Schritt, würde das Unternehmen vor Uber einen Börsengang wagen. Uber selbst geht laut dem CEO Dara Khosrowshahi nicht vor 2019 an die Börse.

Didi und Uber konkurrieren in verschiedenen Staaten

Didi und Uber – die beiden Fahrdienstvermittler konkurrieren inzwischen auf verschiedenen Märkten. Didi hat neben China nun etwa auch Südamerika auf dem Plan. Es hat bereits Anteile an einem Taxiunternehmen in Brasilien erworben. In China selbst kam Uber nicht gegen den chinesischen Konkurrenten an. Didi übernahm 2016 das China-Geschäft von Uber. Bei der Transaktion erhielt Uber 20 Prozent an Didi, das wiederum selbst mit über 1 Milliarde Dollar an Uber beteiligt ist.

Didi könnte das Kapital aus einem IPO gut gebrauchen, weil die Konkurrenz wächst. Der Gigant Tencent hat im vergangenen Jahr eine Mitfahrgelegenheit-Plattform lanciert. Mit neuen finanziellen Möglichkeiten könnte Didi auch seine AI und selbstfahrenden Autos mehr ausbauen. 

Jean Liu Qing, Präsidentin von Didi Chuxing

Die 39-jährige Präsidentin Jean Liu Qing von Fahrdienstvermittler Didi Chuxing, einem der grössten Unternehmen der Welt.

Quelle: Getty Images

Didi wurde wie die US-Fahrdienstvermittler Lyft und Grab im Jahre 2012 gegründet, drei Jahre später als Uber. Und zwar von einem ehemaligen Mitarbeiter von Alibaba – Cheng Wei. Er ärgerte sich, weil er immer seine Flüge verpasste, weil kein Taxi zur Verfügung stand. Nach der Gründung schloss sich das damalige Startup Didi Dache mit einem Konkurrenten zusammen und hiess dann Didi Kuaidi. 2015 änderte das Unternehmen seinen Namen wieder. 

Inzwischen gehört Didi zu den grössten Einhörnern der Welt. Die japanische Softbank investierte, ebenso der Staatsfonds aus Abu Dhabi. Allein die letzte Finanzierungsrunde soll Didi mehr als 4 Milliarden Dollar eingebracht haben. Der chinesische Fahrdienstvermittler gibt an, über 450 Millionen Nutzer zu haben und jeden Tag 25 Millionen Fahrten zu absolvieren. Diese Zahlen übertrumpfen die von Uber. Auch in Sachen Innovation stehen die Chinesen den Konkurrenten wie Uber oder Lyft in nichts nach: Didi experimentiert mit selbstfahrenden Autos, lanciert Shuttle-Services und bietet auch mietbare Velos. Das Unternehmen beschäftigt rund zehntausend Personen, 40 Prozent davon sind Frauen. 

Jean Liu Qing – jung, smart und erfolgreich

An der Spitze des Unternehmens steht ebenfalls eine Frau: Jean Liu Qing. Die 39-Jährige gehört damit zu den einflussreichsten Businessfrauen der Welt und hat diverse Auszeichnungen und Ehrungen in amerikanischen Zeitschriften wie Forbes oder Times Magazin erhalten. Bevor sie 2014 zu Didi stiess, war sie zwölf Jahre für Goldman Sachs Asia tätig. Nachdem Wechsel von Didi hat sie für das Unternehmen diverse Finanzierungsrunden eingefädelt. Die aus Peking stammende Qing ist die Tochter des Gründer von Computerhersteller Lenovo und hat in Harvard studiert. Sie hat im vergangenen Jahr auch am Weltwirtschaftsforum in Davos gesprochen. 

Jetzt möchte sie Didi Chuxing an die Börse bringen – und steht mit diesem Plan nicht alleine da. In China sind für dieses Jahr einige Mega-IPOs angekündigt. Nach Spotify möchte nun  auch Tencent Music an die New Yorker Börse. Die Musiksparte von Tencent wird auf rund 25 Milliarden Dollar geschätzt. Dazu kommen weitere Ankündigungen von chinesischen Finanzdienstleistern. Ein Schwergewicht könnte dabei auch Ant Financial werden, das zu Alipay und damit zum grössten Bezahldienst von China, in den Händen von Alibaba, gehört.