Ist es überraschend, dass die UBS die von der Credit Suisse einst mit viel Brimborium lancierte Digitalbank CSX einstellt? Nein. Aber richtig ist es deswegen auch nicht. Dass die UBS als übernehmende Bank ihre eigenen, als «Key 4» vermarkteten Digitalangebote beibehält, ist nachvollziehbar. UBS-Chef Sergio Ermotti setzt inhaltliche Duftmarken und zeigt, wo er die Prioritäten sieht.

CSX war für die Credit Suisse ein grosser Schritt. Selten hatte eine Bank ein – für sie sehr mutiges – neues Produkt mit so viel Getöse in den Markt gedrückt wie die CS. Das kostenlose Digitalangebot war nicht nur eine Reaktion auf Neobanken wie Revolut oder Neon, es war auch eine Offensive hin zu einem neuen Publikum. Die zuvor eher teure CS machte den Preisbrecher und versprach ein neues Banking.

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Zwar erfand auch sie das Geschäft nicht neu; dafür war CSX dann doch zu konventionell. Aber sie zeigte, dass sich auch traditionelle Banken bewegen müssen, wenn sie neben den jungen Wilden der Branche nicht komplett alt aussehen wollen.

Die Zukunft des Retailgeschäfts ist digital

Die UBS hingegen liess sich nicht beeindrucken. Unvergessen bleibt die Aussage eines hochrangigen UBS-Managers an einem Hintergrundgespräch, wonach ein Gratisangebot wie jenes von Revolut kein Geschäft darstellen könne. «Wie soll ich diese Investitionen meinen Aktionären und Aktionärinnen erklären?», lautete damals die rhetorische Frage in die Journalistenrunde. Die UBS verdiente Geld wie Heu mit der Vermögensverwaltung für Superreiche. Alles andere schien sie nicht zu interessieren.

Einzige Konzession des UBS-Marketings an den Digital-Hype: Mit Key4 wurde ein eigener Brand kreiert, der fortan vermeintlich fortschrittliche Produkte kennzeichnen sollte.

Dass Ermotti sich nicht fürs digitale Massengeschäft interessiert, ist bekannt. Und so überrascht es wenig, dass die Einstellung von CSX eine der ersten konkreten Ankündigungen der neuen UBS ist. Falsch ist es trotzdem.

Erstens ist die Zukunft im Retailbanking digital. Sich konsequent auf den Mobile-Kanal auszurichten, ist hier das einzig Richtige. Und zweitens bräuchte die eigene Marke Key 4 zumindest einen deutlichen Relaunch, damit der Kundschaft klar ist, wofür diese eigentlich steht. Sonst wäre jetzt vielleicht der Moment, zusammen mit CSX auch gleich Key 4 zu entsorgen.

Michael Heim Handelszeitung
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