Publibike ist eines der Sorgenkinder der Schweizerischen Post. Seit dem Start 2013 hat der Konzern mit dem Veloverleih nur Verluste eingefahren. Ein Minus von fast 11 Millionen Franken hat das Unternehmen seit dem Start verursacht, wie die Eidgenössische Finanzkontrolle kürzlich offenlegte.

Im Nachgang an die Postauto-Affäre hat die Post Publibike auf den Prüfstand gestellt, zusammen mit anderen Einheiten von Postauto. Nun hat die Konzernführung um Präsident Urs Schwaller über die Zukunft des Fahrradverleihs entschieden. Die Post will sich auf die Suche nach Partnerschaften machen.

Weiter soll das Tochterunternehmen von Postauto professioneller betrieben und dessen Rahmenbedingungen optimiert werden, wie es in der Medienmitteilung heisst. «Mittelfristig» will die Post ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen.

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Diebe knackten Hunderte Schlösser

Die noch junge Unternehmensgeschichte von Publibike ist turbulent: Bereits zwei Jahre nach dem Start musste Postauto das Geschäft sanieren. Letzten Sommer kam eine peinliche Fehlkonstruktion der Kleinvelos ans Tageslicht: Die Schlösser liessen sich einfach knacken – und Diebe machten rege von der Möglichkeit Gebrauch.

 

Ursula Wyss, Gemeinderaetin Stadt Bern, links, und Bruno Rohner, Geschaeftsfuehrer PubliBike, eroeffnen das Veloverleihsystem "Velo Bern", am Donnerstag, 28. Juni 2018 in Bern. Die aktuell 70 Stationen werden laufend bis 2020 auf rund 200 Stationen mit rund 2400 Velos ausgebaut. Die Haelfte der Flotte sind E-Bikes. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die Berner Gemeinderätin Ursula Wyss und Ex-Publibike-Chef Bruno Rohner: Seit seinem Abgang ist die Leitung nicht definitiv geregelt.

Quelle: Keystone

Publibike musste sämtliche Velos einziehen und ein sicheres Schloss einbauen. Die Panne kostete auch dem Chef Bruno Rohner Ende 2018 den Job. Seine Nachfolge ist immer noch nicht geregelt – vorübergehend hat Rohners Stellvertreter Tobias Ebinger die Leitung übernommen.

Städte zahlen nichts

Publibike verdient das Geld  mit den Einnahmen aus dem Verleih, dem Sponsoring und dem Verkauf der Werbeflächen auf den Velos. Die Städte mit den grössten Netzen, Zürich und Bern, zahlen keinen Beitrag ans Netz – sie stellen dem Unternehmen nur unentgeltlich den Platz für die Stationen auf öffentlichem Grund zur Verfügung.

Zürich und Bern haben sich für einen Ausfall von Publibike abgesichert. Entsprechende Aussagen machte der Zürcher Stadtrat Richard Wolff in der «NZZ». Auch Bern hat vor dem Start 2018 Garantien verlangt: «Publibike hat sich – ohne Kündigungsmöglichkeit – vertraglich verpflichtet, das System zu den vereinbarten Konditionen aufzubauen und fünf Jahre zu betreiben», schreibt der Verantwortliche Karl Vogel auf Anfrage der «Handelszeitung».

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Die Post betreibt Publibike heute in acht Städten, darunter Zürich, Bern, Lausanne und Freiburg. Insgesamt rollen mehr als 4000 Velos und E-Bikes durch die Strassen. Bis 2020 will Publibike die Flotte auf 5500 Velos erweitern.

(mbü)