Stolze 6,8 Milliarden Franken betrugen 2018 die Ausgaben für Medikamente, die vom Arzt, Apotheker oder im Spitalambulatorium abgegeben und von der obligatorischen Krankenkasse vergütet wurden. Damit stiegen die Ausgaben für Pillen, Tropfen und Spritzen im letzten Jahr um 3,9 Prozent. Das geht aus den neusten Zahlen der von Curafutura erstellten Datenbank COGE-ASL hervor. Mit dieser neuen Applikation will der Krankenversichererverband «die Transparenz im Medikamentenbereich erhöhen», wie Direktor Pius Zängerle erklärt.

Bei den Top 20 der Medikamente beträgt das Plus im Schnitt gar zehn Prozent. Ertragsspitzenreiter ist Xarelto. Die obligatorische Krankenversicherung vergütete 2018 knapp 130 Millionen Franken für den Blutverdünner (siehe Tabelle). Auf den anderen beiden Podestplätzen folgen das Antirheumatikum Humira und das Augenmittel Eylea mit Umsätzen von 120 Millionen respektive 112,6 Millionen Franken.

Stark wachsende Ausgaben

Die häufigsten Ursachen für die Verabreichung sind bei den Top 20 Kreislaufschwächen, Arthritis, Krebserkrankungen und HIV-Infizierungen. Das neue Hepatitis-C-Medikament hat 2018 seinen Umsatz fast verdoppelt und kommt auf Rang 8. Mit einem Umsatz von gut 44 Millionen Franken ist Dafalgan der Spitzenreiter bei den Fieber- und Schmerzmitteln.

Zählt man den Verkauf aller anderen Medikamente mit demselben Wirkstoff hinzu, wie Paracetamol oder Acetalgin, summiert sich das auf etwas mehr als 50 Millionen Franken. Nicht eingerechnet sind all die Packungen von Dafalgan und Co., die Kunden in der Apotheke ohne ärztliches Rezept kaufen – und folglich auch selber bezahlen.

Die 20 Medikamente mit den höchsten von der obligatorischen Krankenversicherung vergüteten Umsätzen 2018.
Quelle: Bilanz
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Die stark wachsenden Ausgaben im Medikamentenbereich sind einer der Treiber der steigenden Gesundheitskosten. Als kostendämpfende Massnahme will Gesundheitsminister Alain Berset nun ein sogenanntes Referenzpreissystem einführen. Das heisst: Künftig soll es eine maximale Vergütung für Medikamente mit identischem Wirkstoff geben. Dadurch sollen, so die Hoffnung des Bundesrats, statt der teuren Originalpräparate vermehrt günstigere Generika verschrieben werden.

Kostensenkungsmassnahmen auch beim Vertrieb

Die Idee ist nicht neu, Preisüberwacher Stefan Meierhans fordert seit Jahren die Einführung eines Referenzpreissystems. Ebenso wie Curafutura. «Damit könnten wir jährlich 800 Millionen Franken einsparen», sagt Zängerle. «400 Millionen direkt durch die günstigere Vergütung und nochmals gleich viel dank Begleiteffekten.» Er denkt da etwa an den Wettbewerb unter den Herstellern und an Preissenkungen bei Medikamenten mit abgelaufenem Patent.

Weitere Massnahmen im Medikamentenbereich erkennt Zängerle beim Vertrieb. Curafutura und der Apothekerverband Pharmasuisse haben deshalb einen gemeinsamen Vorschlag eingereicht. Damit könnten die Vertriebsmargen um 50 Millionen Franken gesenkt werden, erklärt Zängerle. Und gleichzeitig soll so ein massiver Fehlanreiz im heutigen System eliminiert werden, bei dem Hausärzte und Apotheker mehr verdienen, wenn sie teurere Medikamente abgeben.

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