Nach wochenlangen Schliessungen wegen der Corona-Pandemie haben Läden und Shoppingcenter ihre Tore wieder geöffnet. Auch die Kauflaune der Schweizerinnen und Schweizer zieht wieder etwas an. Doch zugleich verändert sich das Konsumverhalten langfristig: Der stationäre Handel darbt nicht erst seit Corona.

Laut einer Umfrage des Swiss Council of Shopping Places (SCC) rechnen 60 Prozent der Handelsexperten damit, dass die Umsätze der Detailhändler in den nächsten zwei bis drei Jahren massiv schrumpfen werden. Und dass viele Läden schliessen müssen. Insbesondere mittelgrosse Shoppingcenter in der Agglomeration dürften ums Überleben kämpfen. Doch auch Geschäfte in den Innenstädten werden es schwer haben.

Im letzten Jahr erwirtschaftete der Detailhandel einen Umsatz von rund 91 Milliarden Franken. Der Online-Umsatz stieg auf rund 10 Milliarden – im Non-Food-Bereich liegt sein Anteil mittlerweile gar bei 17 Prozent. 

Und so erblicken die SCC-Experten auch bei Mode- und Schuhgeschäften, bei Läden für Unterhaltungselektronik sowie bei Papeterien die düstersten Perspektiven. Denn der Online-Handel in diesen Bereichen legt seit Jahren zu. Über 90 Prozent der für den Report befragten Experten rechnen mit weiterhin steigenden Umsätzen im Online-Handel. Im stationären Handel hingegen werden die Verkäufe in den nächsten Jahren weiter sinken, so die Mehrheit. 

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Vom Konsum- zum Freizeittempel

Die Einbussen, welche die Shoppingcenter im letzten Jahr erleiden mussten, erscheinen mit geschätzten 1 Prozent sehr gering. Allerdings hält der Abwärtstrend schon länger an: In den letzten zehn Jahren verloren die 20 umsatzstärksten Shoppingcenter rund 450 Millionen Franken Umsatz. Das Marktforschungsinstitut GfK schätzte bereits 2018, dass in den kommenden fünf Jahren ein Viertel aller Geschäfte in Shoppingcentern schliessen. 

Dass ganze Shoppingcenter schliessen, ist jedoch schwer vorstellbar. Wie sehen diese Konsumtempel also in Zukunft aus? Die Branchenexperten sehen einen Trend: Statt nur Läden wird es dort künftig ein breiteres Angebot geben: Fitness, Wellness, Freizeit. 

«Das Shoppingcenter als Konsumtempel oder die verstaubten Läden als Warenlager haben ausgedient», heisst es im Swiss Council Marktreport 2020 von SCC. Shoppingcenter würden zu «sozialen Treffpunkten und Freizeit- und Erlebnisdestinationen.»

Während des Lockdowns waren in der ganzen Schweiz 35'000 Läden geschlossen. Den Umsatzverlust schätzt SCC auf 200 Millionen Franken pro Tag. Die Credit Suisse wiederum hat errechnet, dass der Detailhandel ohne Lebensmittelhändler in diesem Jahr mit 20 Prozent weniger Umsatz rechnen muss. Der Online-Handel hingegen dürfte ein Plus von 30 Prozent einfahren.

Eine Gesamtprognose für dieses Jahr wagt das SCC nicht. Anders das Marktforschungsinstitut GfK, das – erstaunlicherweise – keinen starken Umsatzeinbruch im Detailhandel gegenüber 2019 erwartet. 

(mlo)