Zugegeben: Wenn eine FDP-Spitzenfrau Zollbarrieren errichten und dort Steuern abgreifen will, wo bis anhin der Tax-Free-Modus gilt, dann mutet das, gelinde gesagt, grenzwertig an. Was Karin Keller-Sutter aufgleisen will, erscheint wie das Gegenteil der reinen freisinnigen Lehre. Absurd ist es trotzdem nicht.

Was heute absurd ist: Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten können sich auf Einkäufe im grenznahen Ausland die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen. Auf der Heimfahrt aber schlüpfen sie mit ihren Shopping-Gut unter einer hohen bisherigen Schweizer Mehrwertsteuer-Wertfreigrenze von 300 Franken durch. Es mutet verquer an, dass man Steuern aufgrund der Ausfuhr zurückfordern kann, ohne bei der Einfuhr einen entsprechenden Obolus zu entrichten Das wäre so reines Tax-Free-Shopping

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Einsparen dort, Steuer-Limbo hier – mit einer solchen doppelten Bevorzugung wird heute ein zur starker Einkaufstourismus-Anreiz geschaffen, der quer in der Landschaft steht. Ein Anreiz, der hiesige Detailhändler, die mit einem deutlichen höheren Lohngefüge als die Konkurrenz hinter der Grenze arbeiten, benachteiligt.

In dieser Hinsicht macht es Sinn, die bisherige Latte der Wertfreigrenze von 300 auf 150 Franken tiefer zu hängen. Wer im Ausland massiv profitiert, zahlt dafür etwas beim Heimkehren. Das verleiht dem grenznahen Power-Shopping ein Preisschild.

Unternehmerische Arbitrage der Konsumenten wird nicht abgewürgt

Absurd wäre es dann, wenn der Bund eine strukturschwächelnde Branche erhalten oder gar Zombie-Firmen schützen würde. Doch darum geht es hier nicht. Worum es geht: Dort eine gewisse Steuergerechtigkeit schaffen, wo es sie heute nicht gibt.

Jeder Mensch ist immer auch ein Unternehmer seiner selbst. So wie grosse Firmen manchmal Kostenblöcke ins günstigere Ausland verlagern und in anderen Fällen auf einheimische Lieferanten setzen, steht es Konsumentinnen und Konsumenten auch künftig frei, ihr Handeln eigenverantwortlich zu bestimmen. Nur auf den Preis achten? Oder beim Thema Einkauf auch faire Inland-Löhne und -Standards, Anreise-Kosten, Staus und Gedränge einpreisen? Selbst wenn die Wertfreigrenze von 300 auf 150 Franken sinken sollte, bleibt grenznahes Shopping eine Möglichkeit.

Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer weiss: Welche Option man auch immer wählt – alles hat seinen Preis. Mit einer allfälligen neuen Regelung würde sich bei Grosseinkäufen der Preis der Ausland-Shopping-Tour etwas erhöhen.Käme damit der Einkaufstourismus zum Erliegen? Kaum. Wird damit die unternehmerische Arbitrage, der persönliche freie Handel, abgewürgt? Nein. Herrscht damit ein bisschen mehr steuerliche Vernunft, werden so Spiesse geschaffen, die zwar nicht gleich lang, aber auf der Schweizer Seite etwas weniger kurz sind als bisher? Ja.