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Syrien-Affäre
Ex-Lafarge-Managerin steht unter Anklage

Nordsyrien: Die Fabrik hatte Lafarge 2010 vor Ausbruch des Kriegs in Betrieb genommen.

Die frühere Personalchefin des Zementkonzerns wird wegen Gefährdung von Menschenleben angeklagt. Es geht um Angestellte einer Fabrik in Syrien.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 16.04.2018

Der Krieg in Syrien dauert bereits sieben Jahre an, doch seit einigen Tagen ist er wieder in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Den mutmasslichen Giftgasangriff des Assad-Regimes auf die syrische Stadt Duma Anfang April haben die USA, Grossbritannien und Frankreich in der Nacht auf Samstag mit einem Luftangriff auf mehrere Ziele in Syrien vergolten. 

Mit Lafarge Holcim wird ein Schweizer Unternehmen in Verbindung mit dem Bürgerkrieg gebracht. Die französischen Behörden ermitteln bereits seit einiger Zeit gegen die französische Vorgängerfirma des Zementkonzerns, die inmitten des syrischen Konflikts eine Fabrik betrieb und Geld an Terrorgruppen zahlte.

Nun wurde die ehemalige Personalchefin von Lafarge in Frankreich wegen «Gefährdung von Menschenleben» im Rahmen der Geschäftstätigkeit des Konzerns im kriegszerrütteten Syrien angeklagt, wie die Nachrichtenagentur «AFP» berichtet.

Gefährdung von Menschenleben

Sonia Artinian leitete zwischen 2013 und 2015 die Human Resources der Unternehmensgruppe, und zwar war sie Vorstandsmitglied. Jetzt wurde sie wegen «vorsätzlicher Gefährdung von Menschenleben» angeklagt. Das Pariser Gericht hält sie wohl mitverantwortlich für die Entscheidung, die syrischen Lafarge-Angestellten nicht aus der Fabrik abgezogen und damit deren Sicherheit gefährdet zu haben. In der Anklage wegen Terrorismusfinanzierung gegen sechs weitere frühere und amtierende Lafarge-Manager bekommt sie Zeugenstatus.

Lafarge hatte 2010, also vor Ausbruch des Konflikts, ein Zementwerk im Norden von Syrien in Betrieb genommen. Im Sommer 2012 wurden leitende Angestellte wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen aus dem Land abgezogen. Die syrischen Beschäftigten hingegen blieben vor Ort, um das Werk weiter zu betreiben. Als die Islamisten der Terrororganisation IS zunehmend gefährlich wurden, fürchteten die Angestellten um ihr Leben.

Skandal mit schwerwiegenden Folgen

Während andere internationale Firmen vor den Kämpfen in Syrien geflohen waren, entschied Lafarge – ein französisches Unternehmen, das 2015 mit der Schweizer Firma Holcim fusionierte – im Land zu bleiben. Mit schwerwiegenden Folgen: Die Entscheidung zog das Unternehmen in eine Reihe von Skandalen und Schuldzuweisungen hinein. 

2016 war bekannt geworden, dass Lafarge sich in Syrien mit terroristischen Gruppen arrangiert hatte. Ein Jahr später bestätigte dies der Konzern. Im selben Jahr trat Lafarge-Holcim-CEO Eric Olsen wegen der Verstrickung in den syrischen Bürgerkrieg zurück.

Unter anderem untersuchen die Richter in Frankreich die Vorwürfe, Lafarge habe zwischen 2012 und 2014 mehrere Millionen an bewaffnete Kämpfer, darunter Dschihadisten des IS gezahlt, um die Fabrik am Laufen zu halten. 

Gemäss Recherchen von «AFP» wurde ein syrischer Mitarbeiter des Zementkonzerns 2013 vom IS gefangen gehalten und getötet, ein anderer wurde ebenfalls entführt und ist heute weiterhin verschwunden. Das alles passierte in der Amtszeit von Artinian

Zur Person Sonia Artinian

Die französische Managerin begann ihre berufliche Laufbahn bei der Managementberatung Capgemini Consulting. Ab 2008 arbeitete sie bei Lafarge: 2011 wurde sie CEO von Lafarge Rumänien und 2013 in die Konzernleitung zuständig für Human Resources berufen. 2016 wechselte in die Konzernleitung des französischen Reifenherstellers Michelin.

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