Finanziell hat Ernst Tanner längst aus­gesorgt: Rund 250 Millionen Franken wert ist sein Paket von Aktien und Optionen von Lindt & Sprüngli, jenem Schokoladenkonzern, den er seit 1993 im Dop​pelmandat als CEO und VR-Präsident leitet.

Investition in eine historische Immobilie

Nun hat der 69-Jährige einen Teil seines Geldes in eine historische Immobilie investiert: Kürzlich hat Tanner die Villa Windegg im Zürcher Seefeld erworben, für einen zweistelligen Millionenbetrag, aber, wie er sagt, für unter 30 Millionen Franken. «Ein hoher Preis, aber er ist es wert», so Tanner, «und es war eine einmalige Gelegenheit.»

Denn das Gebäude hat eine lange Geschichte: 1869 wurde die Villa an der Bahnhofstrasse gebaut. 1911 musste sie dort dem heutigen Modehaus Grieder weichen, wurde Stein für Stein abgetragen und an der Bellerivestrasse wieder aufgebaut.

Familieneigenen Arbeitsstätte

Seinen Privatwohnsitz in Erlenbach will Tanner für die Villa am Seeufer aber nicht aufgeben. Vielmehr soll das dreistöckige Gebäude mit Umschwung in ­Zukunft als eine Art Family Office dienen – nicht im Sinn einer Vermögens­verwaltung («Für meine Lindt-Aktien brauche ich kein Family Office», so ­Tanner), sondern einer familieneigenen Arbeitsstätte.

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Profitieren soll in erster Linie Sohn Derek Tanner. Der 33-Jährige arbeitet – seit 2009 – ebenfalls bei Lindt und leitet derzeit den japanischen Markt sowie die weltweiten Lindt-Shops. Die machen bereits mehr als zehn Prozent des Konzernumsatzes aus. «Derek macht das sehr gut. Er soll das noch drei bis fünf Jahre machen», sagt Vater Ernst. «Anschlies­send wird er sich selbständig machen oder eine Firma aufkaufen.»

Bisherige Mieter müssen dann gehen

Sie wird in der historischen Villa ihre Offices haben. Spätestens dann wird den Mietern, unter anderem einer Unternehmensberatung, einer Anwaltskanzlei sowie dem ehemaligen Elektrowatt-Chef Oskar K. Ronner, gekündigt werden. «Bisher habe ich von Familie Tanner aber noch nichts gehört», sagt Ronner.

Derek Tanner war es auch, der den Deal eingefädelt hat: Er hatte Beziehungen zu den Vorbesitzern, einer Erbengemeinschaft aus Genf. Auch Ernst Tanners Ehefrau Renate ist in das Projekt eingebunden: Die studierte Innenarchitektin wird die Renovationsarbeiten leiten. «Sie hat die historischen Pläne schon hervorgeholt», so Ernst Tanner.