Der Flughafen Zürich fährt im ersten Halbjahr einen Verlust ein. Infolge der Corona-Pandemie kam der Flugbetrieb teilweise fast gänzlich zum Erliegen. Nun zeichnet sich zwar zaghaft eine Erholung ab, eine Prognose für das zweite Halbjahr bleibt aber schwierig.

In konkreten Zahlen: Der Umsatz sank im ersten Semester um 47 Prozent auf 310 Millionen Franken. Trotz der zweitweise fast völlig eingebrochenen Umsätze gelang es dem Flughafen aber, einen operativen Gewinn (EBITDA) zu erzielen, wie der Flughafenbetreiber am Freitag mitteilte.

Dieser machte allerdings mit 104,9 Millionen Franken nur noch etwa ein Drittel des Vorjahreswerts (304 Mio) aus und unter dem Strich blieb ein Verlust von 27,5 Millionen (VJ Gewinn von 143 Mio). Analysten gingen angesichts der eingebrochenen Passagierzahlen aber noch von deutlich tieferen Zahlen aus - insbesondere auf Ergebnisebene.

Immobiliengeschäft und Kostendisziplin verhindern Schlimmeres

So haben zum einen wohl schnell getroffene Kostenmassnahmen den Schaden in Grenzen gehalten. Sehr schnell habe man Kurzarbeit eingeführt, so der Flughafen. Zudem seien neben den Einsparungen beim Personal auch die Polizei- und Sicherheitskosten tiefer ausgefallen und weitere Kostenreduktionen dazugekommen. Insgesamt sanken die Betriebskosten im ersten Semester denn auch um 28 gesenkt.

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Zum anderen war aber auch das Immobiliengeschäft in der Krise ein stabilisierender Faktor. Während die Umsätze im Fluggeschäft um 59 Prozent und im Nicht-Fluggeschäft um 34 Prozent sanken, nahmen die Erträge aus dem Liegenschaftsbewirtschaftung um gut 10 Prozent zu.

Dieser Anstieg sei hauptsächlich auf den Ende 2019 abgewickelten Kauf von insgesamt 36 Gebäuden und Grundstücken der Priora Suisse AG zurückzuführen, aber auch erste Mieteinnahmen aus dem Immobilien-Grossprojekt «The Circle» hätten dazu beigetragen.

Unsicherheit bleibt gross

Seit Juni zeichnet sich ausserdem mit den schrittweise Grenzöffnungen auch eine Erholung beim Flugverkehr ab. Und Flughafen Zürich erwartet nun, dass der Reiseverkehr zuerst innerhalb Europas wieder zunimmt. Die Erholung im interkontinentalen Flugverkehr dürfte jedoch noch mehrere Jahre beanspruchen, heisst es weiter.

Allgemein tut sich Flughafenbetreiber weiterhin schwer mit genauen Angaben zum weiteren Geschäftsverlauf: Eine zuverlässige Passagierprognose für das laufende Geschäftsjahr sei aufgrund der unklaren weiteren Entwicklung der Coronakrise mit grossen Unsicherheiten verbunden.

Immerhin wird bei einer Erholung des internationalen Reiseverkehrs im vierten Quartal für das Gesamtjahr 2020 ein Passagieraufkommen von rund 10 Millionen erwartet. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 31,5 Millionen. Allerdings gibt der Flughafen zu bedenken, dass allfällige erneute Grenzschliessungen, veränderte Quarantänebestimmungen oder anhaltende bzw. zusätzliche Reiserestriktionen zu tieferen Passagierzahlen führen könnten.

Zudem dürften die Umsatzverluste auch weiterhin nur teilweise durch Kosteneinsparungen wettgemacht werden. Der Flughafen will zwar weiterhin Personalkosten einsparen. Da ein Grossteil der Kosten allerdings direkt mit der Infrastruktur zusammenhänge - die auch während eines Minimalbetriebs zur Verfügung stehe - könne der erwartete Umsatzrückgang im laufenden Jahr nur beschränkt kompensiert werden.

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(awp/tdr)

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