Goldman Sachs will gut zusätzliche 30 Vermögensverwalter in der Schweiz engagieren. Die amerikanische Investmentbank plant, in Europa intensiver um Vermögensverwaltungs-Kunden zu buhlen – und dies stark aus der Basis Genf heraus.

Die Zahl der Front-Angestellten, die sich um schwerreiche Kunden in Europa kümmern sollen, werde in den nächsten Jahren insgesamt um 100 auf 250 Personen steigen: Dies sagte Stefan Bollinger gegenüber «Bloomberg». Der gebürtige Winterthurer ist Co-Leiter des Wealth-Management-Geschäfts von Goldman Sachs in Europa.

Grundsätzlich waren die Pläne zuvor schon kein Geheimnis: «Wir sehen Opportunitäten, unser Vermögensverwaltungsgeschäft in Europa erheblich auszubauen», hatte Stephen Scherr, der Finanzchef von Goldman Sachs, bereits im Sommer auf Bloomberg TV gesagt: Man habe in diesem grossen und vielfältigen Markt derzeit lediglich einen tiefen, einstelligen Anteil. 

Der Private-Equity-Wealth-Kreislauf

Nun aber wird das Ausmass konkretisiert. In Europa wolle sich Goldman Sachs nun insbesondere auf die Schweiz, Deutschland und Grossbritannien konzentrieren, so Bollinger, wobei Kunden mit einem investierbaren Vermögen ab 30 Millionen Dollar von Interesse sind. 

Wie Stefan Bollinger gegenüber «Bloomberg» ausführte, entwickeln sich derzeit grosse Chancen, weil die Private-Equity-Firmen intensiv nach neuen Engagements suchen. Was wiederum für Bargeldschwemmen bei Unternehmern sorgt – und diese Gelder müssen im schwierigen Zins- und Marktumfeld von heute angelegt werden. Was wiederum intensiver Finanzberatung bedarf.

Das Wealth-Management-Geschäft in der Schweiz selber verantwortet seit Kurzem Dominique Wohnlich. Er war zuvor Zürich-Chef bei Lombard Odier gewesen.

Kleinkunden, Hypotheken, Wealth Management: Goldman Sachs stellt sich breiter auf

Goldman Sachs, das heisst bislang Investmentbanking: Fusionen, Übernahmen, IPO; Handelsfinanzierungen und institutionelles Anlage- und Privatmarktgeschäft. Zunehmend drängt die Wallstreet-Bank aber über digitale Kanäle ins Geschäft mit Retail- und Kleinkunden.

So mit der Online-Plattform Marcus – benannt nach dem Firmengründer –, die seit 2016 in den USA relativ hoch verzinste Sparkonten und Kleinkredite anbietet. Das digitale Angebot gibt es mittlerweile auch in Grossbritannien, wo innert acht Monaten über 250'000 Kunden rund 8 Milliarden Pfund an Sparguthaben einlegten.

Weitere Länder sollen folgen, darunter Deutschland, wo der Start kürzlich verschoben wurde. Seit 2015 bietet Goldman Sachs in den Niederlanden Retail-Hypotheken an. Damit tritt die US-Bank in Konkurrenz zu den lokalen Mitbewerbern. Die Hypothekendarlehen würden an zahlungskräftige Kunden vergeben, betont die Bank.

Dementsprechend zahlen nach vier Jahren über 99,9 Prozent der gut 3'000 Kreditnehmer ihre Raten pünktlich. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man künftig in anderen europäischen Ländern vergleichbare Programme auflege, so eine Goldman-Sachs-Sprecherin. Die Schweiz war auch schon im Gespräch.

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(rap | mil | «Bloomberg»)