Die SP Schweiz will die Novartis-Tochter Sandoz verstaatlichen. Die Partei hat eine Motion lanciert, die den Bund dazu auffordert, Sandoz zu kaufen. Die Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland in der medizinischen Versorgung könne so verhindert werden. Sandoz sei der letzte Antibiotika-Hersteller in Europa. Schon heute würden 90 Prozent der Generika und Antibiotika in Asien hergestellt. Europäische Pharmakonzerne könnten im Preiskampf in diesen Sparten nicht mithalten. Besorgnis erregend seien auch die immer häufiger auftretenden Engpässe bei Medikamenten. Das berichtet die «Sonntagszeitung».

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Der Vorstoss wird demnach angeführt von Nationalrat und Parteileitungsmitglied Samuel Bendahan: Er habe die Motion zusammen mit der Juso-Präsidentin Ronja Jansen ausgearbeitet. Jansen sagt zur «Sonntagszeitung», der Bund solle das Pharmaunternehmen «direkt oder indirekt, und eventuell zusammen mit Partnern» erwerben. Wichtig sei, dass die öffentliche Hand die wirtschaftliche Kontrolle habe.

Umsätze mit Generika stark rückläufig

Als Anfang Jahr die Beschaffung des Corona-Impfstoffs Probleme bereitete, gab es selbst bürgerliche Stimmen, die forderten, dass sich der Bund für die Produktion von Arzneien engagieren müsse. Zum Beispiel Ruth Humbel, Präsidentin der Gesundheitskommission, und SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi. Dass die Schweiz gleich einen Pharmakonzern kauft, können sich indessen weder Aeschi noch Humbel vorstellen. Von Seiten der Bundesverwaltung wollte niemand Stellung nehmen.

Der Verkauf von Sandoz ist anders gelagert als etwa der erfolgreiche Börsengang von Alcon vor gut zwei Jahren, wie «Handelszeitung»-Autorin Seraina diese Woche Gross analysierte. Bei der Generika-Tochter kämpft Novartis-Konzernchef Narasimhan seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen. Zwar macht Sandoz einen guten Job im Geschäft mit den Biosimilars, also den Nachahmerprodukten für Biologika, die mittlerweile ein Fünftel des Umsatzes ausmachen.

Doch der Aderlass bei den Nachahmerprodukten für einfache chemische Wirkstoffe bleibt, vor allem in den USA, wo die Preise für Generika seit Jahren stark erodieren. Mit dem Ergebnis, dass die Umsatzgewinne bei den Biosimilars durch Preisrückgänge bei den einfachen Generika teilweise gleich wieder weggefressen wurden.
 

(me mit sda)