Alkohol hat keine Farbe, aber «kein Alkohol» hat eine: Blau. Genau genommen: Hellblau. Zumindest hat sich das als inoffizielles Signal unter Brauereien etabliert. Alkoholfreies Valaisanne? Hellblaue Kronkorken. Alkoholfreies Guinness? Mit hellblauem Etikettenzusatz. Auch andere Marken wie Chopfab und Calanda halten sich an den Code. Wer Hellblau kauft, weiss meist: Dieses Bier macht nicht blau. Das deutsche Beck’s ist noch deutlicher und nennt sein 0,0-Bier gleich «Beck’s Blue».
Wer damit begonnen hat, ist unklar. Vermutlich waren es die Deutschen; das blaue Beck’s gibt es seit den 90er-Jahren. Heineken zog 2017 mit und gab seinem 0,0-Bier einen blauen statt einen grünen Anstrich. Und mit Corona ist die Alkoholfrei-Farbe inzwischen auch in Mexiko angekommen. Beim Schweizer Marktführer Feldschlösschen weiss man nicht mehr zur Entstehungsgeschichte. Eine Weisung dazu gebe es nicht, sagt eine Sprecherin.
Blau ist nicht die einzige Signalfarbe, nach der sich Bierliebhaberinnen und Hopfenfreunde richten können. Die Gestaltung von Etiketten und Dosen sagt erstaunlich viel über den Geschmack des darin enthaltenen Bieres aus. Trinken nach Farben funktioniert – zumindest wenn man nach der Verpackung geht.
Naheliegend sind Farben, die direkt etwas mit dem Bierstil zu tun haben. Dunkle Biere wie das tiefschwarze Guinness-Stout sind vielfach schwarz oder braun verpackt, bei herben Bieren erinnert häufig ein grünes Etikett an den Hopfen, der für die Aromen verantwortlich ist. Schöne Beispiele sind Feldschlösschens Hopfenperle und das deutsche Jever. Und da, wo das Malz dominiert, etwa bei milden Lagerbieren, leuchtet uns oft ein getreidiges Gelb entgegen.
Andere Farbcodes sind abstrakter, aber nicht weniger konkret: Wer auf der Suche nach Bieren mit fruchtig-frischen Hopfenaromen ist, hält sich am besten an grelle Farben im Neonspektrum. Pink, Türkis, Orange oder Lila – nicht selten in wilden Kombinationen und im Graffiti-Look – markieren meist milde, aber aromatische Hazy Pale Ales oder New England IPAs. Diese schmecken nach Zitronen, Waldbeeren oder exotischen Früchten wie Mango und Maracuja, ohne dass dabei, wie bei klassischen Indian Pale Ales, die Bitterkeit im Vordergrund steht.
Aber aufgepasst: Herrschen auf der Etikette vor allem Pink oder Rosa vor, könnte es sich auch um ein Sauerbier handeln. Eine Erklärung dafür könnten die belgischen Fruchtbiere sein. Sie basieren auf Sauerbieren, sind wegen Fruchtzusätzen wie Kirsche und Himbeere aber oft etwas bunter.
Doch keine Regel ohne Ausnahmen. Hellblau mag vielerorts für leicht oder alkoholfrei stehen, doch das berühmteste dunkelblaue Bier der Schweiz ist noch immer solide alkoholisiert: Das «Original» von Feldschlösschen ist ein klassisches Lagerbier mit 4,8 Volumenprozent Alkohol.
Typisch: Valaisanne

Hellblau der Kronkorken, hellblau die Schrift: Auch das Walliser Valaisanne setzt auf diese Signalfarbe für sein alkoholfreies Bier. Es hat eine deutliche, süssliche Malznote, die von fruchtigen Hopfenaromen kontrastiert werden, und gehört damit zu den Alkoholfreien, die sich stark von klassischen Lagerbieren unterscheiden. Ein Alkoholfreies mit Charakter.
Sans Alcool, Brasserie Valaisanne, Sitten. Lagerbier, 0,0% vol. Alk., 3,3 dl für ca. 2.80 Fr.
In dieser Kolumne schreiben Handelszeitung-Redaktor Michael Heim und Autorin Tina Fischer alternierend über Bier und Wein. Heim ist selber an einer Vereinsbrauerei beteiligt.

