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Heugümper-Monopol: Nur Coop fliegt auf Insekten

Heugümper: Alternative Proteinquelle. Essento

Ab Mai sind erstmals Insekten als Nahrungsmittel für den Menschen erlaubt. Von den grossen Detailhändlern ist nur Coop bereit für Produkte auf Insektenbasis. Die Discounter erklären den Verzicht.

Von Marc Iseli
am 19.04.2017

Nur der Detailhändler Coop ist für Insekten im Regal gerüstet, wie eine Umfrage der «Handelszeitung» zeigt. «Coop wird im Verlaufe des Monats Mai die ersten Produkte, welche auf Insekten basieren, in ihren Supermärkten anbieten», sagt Mediensprecher Ramon Gander. «Darunter sicher ein Burger und Hackbällchen».

Hintergrund der Insektenoffensive sind die neuen Bestimmungen im Lebensmittelrecht. Diese gelten ab Mai 2017. Sie erlauben erstmals den Verkauf von Insekten als Nahrungsmittel. Coop rollt die Insektenspezialitäten zunächst in gut hundert verschiedenen Supermärkten aus. Diese seien vor allem in städtischen Gebieten, sagt Gander. Das Startup Essento würde die Produkte liefern.

Discounter erklären Verzicht

Coop ist der Konkurrenz damit eine Fühlerlänge voraus. Aldi, Lidl und Volg haben noch keine Pläne für Produkte auf Insektenbasis. «Aktuell ist der Verkauf von Insekten als Nahrungsmittel nicht vorgesehen», so Aldi-Sprecher Philippe Vetterli. Der Discounter konzentriere sich bei seinem Angebot auf das Wesentliche. «Wir verfolgen dieses Thema gespannt, haben aber aktuell keine Pläne in diese Richtung», sagt auch Lidl-Sprecherin Corina Milz.

Noch klarer erklärt Volg den Verzicht auf Mehlwürmer, Grillen und Heugümper. «Wir verfolgen keine Pläne, Insekten in unser Sortiment aufzunehmen, da diese Artikel nicht dem täglichen Bedarf entsprechen», so Volg-Sprecherin Tamara Scheibli.

Migros zieht nach

Einzig die Migros hat sich aufgemacht, um das Maden-Monopol von Coop zu brechen. Das Tochterunternehmen Micarna hat im Januar eine Stelle ausgeschrieben. Sie suchte einen «Produktmanager Insekten». Hauptaufgaben: «Aufbau des Geschäftsfeldes ‹Insekten›, inklusive Erarbeitung eines Businessplanes» und «Koordination aller Aktivitäten zur Markteinführung von Produkten auf Basis von Insekten als alternativer Proteinquelle».

Die Stelle ist mittlerweile vergeben, wie Micarna-Sprecherin Deborah Rutz sagt. Die Position wurde durch eine externe Person besetzt, Arbeitsort sei der Unternehmenshauptsitz im fribourgischen Courtepin. Mit weiteren Details hält sich Micarna noch zurück. Sowohl der neue Produktmanager als auch das Unternehmen würden die kommenden Wochen dazu nutzen, «um in Ruhe die neuen Aufgaben kennenzulernen», so Rutz.

Insekten bei Weihnachtsfeier

Ganz neu ist das Terrain für die Migros aber nicht. Im letzten Jahr investierte der Detailhändler eine Viertelmillion Franken in die Förderung von innovativen Food-Startups. Darunter befanden sich auch zwei Firmen, die Insekten als alternative Proteinquelle forcieren möchten.

Ausserdem soll es bei der letzten Migros-Weihnachtsfeier ein Insektenbuffet gegeben haben, wie die Zeitschrift «Akzent» im Februar berichtet hat. Die Heuschrecken dazu stammten offenbar aus einer österreichischen Zucht im grenznahen Dornbirn.

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