Wochenlang rangen sie um Hilfe mit dem Schweizer Staat – die Airline-Vertreter. Nun ist klar, dass der Bund den Corona-geplagten Fluggesellschaften Swiss und Edelweiss Air zur Hilfe eilt, es gibt Bankkredite primär von UBS und Credit Suisse – den Hausbanken der Swiss. Der Bund bürgt. Die Kredite werden durch Aktien der Swiss und Edelweiss, die von der Lufthansa gehalten werden, abgesichert.

Und Easyjet? «Easyjet Switzerland sollte den Liquiditätsbedarf durch seinen Mutterkonzern decken können», so der Bundesrat. «Die Voraussetzungen für ein subsidiäres Engagement des Bundes sind zum heutigen Zeitpunkt nicht gegeben.» Es gebe die Möglichkeit, einen Covid-Überbrückungskredit zu beantragen.

Fest steht: Es ist ein guter Deal für Swiss und Edelweiss. Sie können sich nicht beklagen. Helvetic Airways, wollte bisher keine Hilfe vom Staat, die Airline lebt aber primär von der Swiss, so gesehen profitiert sie nun auch.

Dass die beiden Fluggesellschaften Hilfe bekommen, ist nicht selbstverständlich. Andere Airlines wollen oder brauchen das nicht. Der britisch-spanische Konzern IAG, zu dem British Airways und Iberia gehören, lehnt Staatshilfe ab. Und Billigflieger Ryanair sagt: Wir schaffen das mit eigener Finanzkraft. 

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Nun gibt es 1,5 Milliarden Franken für Swiss und Edelweiss. Zum Vergleich: Die gesamte Lufthansa-Gruppe, die Eigentümerin der beiden Airlines, wird noch mit rund 4 Milliarden Euro am Markt bewertet. Sie braucht wohl bis zu 9 Milliarden Euro. Ohne staatliche Hilfe kann Lufthansa, immerhin umsatzstärkste Airline-Gruppe in Europa, nicht überleben.

Hören Sie im Podcast «HZ Insights»: «Wie schlimm wird die Corona-Rezession?»

Das Swissair-Trauma wirkt nach

Selbstverständlich ist die Hilfe auch deshalb nicht, weil es in der Schweizer Bevölkerung viel Kritik gibt. Motto: Soll doch die deutsche Lufthansa sich um das Problem alleine kümmern. Oder: Die Swiss müsse wieder in Schweizer Hände. Das Swissair-Trauma wirkt bis heute.

Diese Argumente scheinen den Bundesrat wenig zu interessieren. Er argumentiert: Die Aviatik sei volkswirtschaftlich gesehen eine «kritische Infrastruktur». Der Bund ist damit auf Linie der Aviatikbranche und ihrer Argumente: Nur als Verbund in der Lufthansa-Gruppe seien Swiss und Edelweiss stark und überlebensfähig. Swiss und Edelweiss seien profitable Gesellschaften gewesen, die plötzlich und unverschuldet durch das Coronavirus an den Rand der Insolvenz geraten sind.

Ausserdem stünden bis zu 190’000 Jobs in der gesamten Schweizer Luftfahrt auf der Kippe. Das Tor des Landes zur Welt sei bald nicht mehr offen, wenn es keine guten und zahlreichen Flugverbindungen mehr gebe. Der Wohlstand des Landes sei in Gefahr.

Keine Dividende

Diese Argumente haben ihre Berechtigung. Doch was auch stimmt: Der Bundesrat kommt den Fluggesellschaften sehr weit entgegen. Gut, es gibt Auflagen: Keine Abflüsse an die Muttergesellschaften ins Ausland und zukünftig erwirtschaftete Mittel sind prioritär zur Rückzahlung der Liquiditätshilfen zu verwenden, so der Bundesrat. Auch keine Dividenden oder konzerninterne Rückführungen oder Transfers, bis die Darlehen vollständig getilgt sind.

Das ist alles verschmerzbar für Swiss und Edelweiss. Und neue, harte Regeln etwa in Sachen Klimaschutz? Fehlanzeige.

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Wirklich harte Auflagen hätten anders ausgesehen: Staatliche Vertreter in den Verwaltungsrat etwa oder sogar eine staatliche Beteiligung. Davon will der Bundesrat nichts wissen. Das ist auch gut so. Selten war ein Staat der bessere Unternehmer.

Auch andere Ideen, wie etwa eine Insolvenz der Lufthansa in Eigenverwaltung, werden diskutiert. Solche Vorgehen, die dem Chapter-11-Verfahren in den USA ähneln, haben US-Airlines durchgemacht. In Deutschland sind solche Ideen noch nicht ganz vom Tisch, auch ist der Wunsch vieler deutscher Politiker gross, ein bis zwei Aufsichtsräte zur Lufthansa zu entsenden, wenn es schon Staatshilfe gibt.

Keine Politiker mit am Tisch

Lufthansa-Chef Carsten Spohr graut es davor, Politiker mit am Tisch sitzen zu haben, die ihm sagen, wie und wohin er seine Flieger schicken soll.

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Merkwürdig bleibt, dass der Bundesrat nun mit einer Lösung vorprescht, obwohl es für den Mutterkonzern Lufthansa immer noch keine Entscheidung gibt.

Wie gesagt: Ein Punktsieg für Swiss und Edelweiss.

Swiss: Masken tragen und Nachbarsitze nicht mehr frei

Alle Swiss-Fluggäste werden gebeten, ab Montag, dem 4. Mai 2020 eine Mund-Nasen-Bedeckung für ihre Flugreise mitzubringen und an Bord ihrer Flüge zu tragen. Weiter rät die Fluggesellschaft, diese während der gesamten Reise, das heisst auch vor oder nach dem Flug am Flughafen zu tragen, wenn Social Distancing nicht ausreichend gewährleistet werden kann.

Als Schutz empfohlen wird eine einfache Einwegmaske (Chirurgenmaske), aber auch alle anderen Arten von Bedeckungen wie beispielsweise wiederverwendbare Stoffmasken sind möglich. Die Empfehlung gilt zunächst bis zum 31. August 2020.

Die derzeitige Regelung, den Nachbarsitz in der Economy Class freizuhalten, entfällt, da durch das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung ein ausreichender Gesundheitsschutz besteht. Ausserde seien in den Flugzeugen Luftfilter, die eine Luftqualität wie in einem Operationssaal gewährleisten und die Luft vertikal zirkulieren lassen anstatt in der Kabine zu verteilen, so die Swiss.

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