Zurück ins Büro? Homeoffice? Geteilte Arbeitsplätze? Wenn das Coronavirus bleibende Spuren hinterlässt, dann wohl in der Art, wie wir arbeiten. Viele Angestellte und Unternehmen mussten sich in den vergangenen 15 Monaten erstmals mit Homeoffice auseinandersetzen – und sie merkten, dass das eigentlich ganz gut funktionierte. Und so überrascht es nicht, dass viele ihren Angestellten auch künftig erlauben wollen, von zu Hause aus zu arbeiten.

Und das ist gut so. Denn nur Büro um der Anwesenheit Willen macht keinen Sinn. Das Gute ist, dass man darüber kaum mehr streiten muss. Die Angestellten sollen ihre Arbeit machen, und nicht möglichst viel Zeit im Büro absitzen. Präsentismus bringt niemandem etwas, und ist bloss Zeichen für eine schlechte Führungskultur.

Nun gibt es offenbar Unternehmen, die ihren Angestellten eine bestimmte Anzahl Homeoffice-Tage pro Jahr erlauben wollen (in einer früheren Version wurde hier fälschlicher Weise die Online-Bank Revolut verwiesen). Quasi als Blanko-Erlaubnis fürs zu Hause bleiben. Doch was gut tönt, ist vielleicht eher eine dumme Idee.

Keine «Freizeit light»

Denn wenn sich in den letzten Monaten etwas gezeigt hat, ist es, dass Homeoffice normale Arbeit ist – und eben nicht «Freizeit light». Ich kann den Wandel aus einer persönlichen Perspektive bestätigen. Schon während mehrerer Jahre arbeitete ich – ansonsten Pendler –  einen Tag pro Woche von zu Hause aus. «So schön, du arbeitest wieder im Homeoffice», hörte ich damals oft. Die Ironie im Wort «arbeiten» war meist unüberhörbar, denn für viele Bürolisten war das gedanklich die Vorstufe zum Blaumachen. Mit Corona kamen diese Sprüche aber schnell zum Erliegen.

Wer den Mitarbeitern eine bestimmte Anzahl Tage für die Heimarbeit «schenkt», symbolisiert damit, dass es sich dabei um eine Art Bonus handelt.

Mit einem Kontingent an Homeoffice-Tagen bewegen wir uns wieder in dieser Gschänkli-Mentalität. Wer den Mitarbeitern eine bestimmte Anzahl Tage für die Heimarbeit «schenkt», symbolisiert damit, dass es sich dabei um eine Art Bonus handelt. Um ein Entgegenkommen des Arbeitgebers. Doch das soll Homeoffice nicht sein.

Entscheidend sind die Bedingungen für Homeoffice

Nicht die Zahl der Tage für die Arbeit von zu Hause aus sollte geregelt werden, sondern die Bedingungen für Homeoffice. Oder für die Präsenz im Büro. An welchen Tagen ist Anwesenheit erwünscht oder zwingend, weil wichtige Sitzungen stattfinden? Welche Arbeiten müssen im Büro stattfinden? Wie stellt der Chef sicher, dass bei einer Sitzung die physisch anwesenden gleich gut teilnehmen können wie Heimarbeiter, die sich per Videokonferenz einschalten? Und wie die Einhaltung der Arbeitszeit? Darüber sollten sich die Chefs jetzt ihre Köpfe zerbrechen.

Wer Angst davon hat, dass die Angestellten nicht mehr produktiv sind, wenn sie zu oft von zu Hause aus arbeiten, sollte die Vorgesetzten dieser Leute auswechseln. Nicht Quoten festschreiben.