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Bundesratwahl
Karin Keller-Sutter: Deshalb verliess sie die NZZ

Karin Keller-Sutter, Staenderatspraesidentin, an der Appenzeller Landsgemeinde, vom Sonntag, 29. April 2018, in Appenzell. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)
Karin Keller-Sutter wird als Kronfavoritin für eine Nachfolge von Johann Schneider-Ammann gehandelt. Ihre Kandidatur steht noch aus. Sie sitzt im VR von Baloise und der Swiss Retail Federation.Quelle: KEYSTONE/PATRICK HUERLIMANN

Die Politikerin aus St. Gallen verliess den Verwaltungsrat des Zürcher Medienhauses nach nur vier Jahren. Hintergründe eines Abgangs.

Von Stefan Barmettler
am 04.10.2018

Am 16. April 2016 war Schluss. Für ihr Mittun im NZZ-Verwaltungsrat gab es an der Generalversammlung noch einen letzten Applaus und einen bunten Blumenstrauss, dann war sie ihr prestigeträchtiges Mandat los. Überraschend war der Exit schon, denn Karin Keller-Sutter, Ständerätin aus St. Gallen, kehrte der NZZ nach bloss vier Jahren den Rücken. Bis heute liegen die Hintergründe der Trennung im Dunkeln.

Dabei muss der Abgang für sie eine Erlösung gewesen sein. Denn ihre Präsenz im Zürcher Medienhaus wurde zunehmend zur Zerreissprobe, wie es aus mehreren Quellen verlautet.

Es hatte alles in Minne begonnen. «Mit Karin Keller-Sutter ergänzt eine der profiliertesten Politikerinnen der Schweiz das Gremium», verkündete die Pressestelle 2012 nicht ohne Stolz. Wieder war im Strategiegremium des freisinnigen Leibblatts eine freisinnige Galionsfigur vertreten, 48 Jahre jung und erst noch eine Frau.

Wie Recherchen zeigen, prallten schon bald die Ambitionen der Ständerätin und die betriebswirtschaftlichen Zwänge eines Medienhauses aufeinander. Da war einmal die Causa Markus Somm, die den NZZ-Verwaltungsrat ins Rotieren brachte. Etienne Jornod hatte den Chefredaktor der «Basler Zeitung» als neuen NZZ-Chefredaktor im Visier, doch dieser stiess intern – in Teilen des Verwaltungsrats und der NZZ-Redaktion – auf Widerstand. Keller-Sutter sei damals hinter den Plänen Jornods gestanden und habe die Kandidatur Somms verteidigt – nicht zur Freude seiner internen Gegner.

Verteidigerin der Ostschweiz

Richtig ungemütlich wurde es für sie, als die NZZ ab Herbst 2014 eine härtere Gangart anschlug. Um die sinkenden Umsätze im klassischen Printgeschäft aufzufangen, setzte die Geschäftsleitung auf Zentralisierung; dazu gehörte der verstärkte Durchgriff bei den NZZ-Regionalzeitungen «St. Galler Tagblatt» und «Luzerner Zeitung» zwecks Hebung von Synergien. Diesem Anspruch fiel der Geschäftsleiter in St. Gallen zum Opfer, später machte sich auch der Chefredaktor vom Acker. In St. Gallen wuchs derweil der Argwohn, die Ostschweiz werde zum blutleeren NZZ-Derivat degradiert. Im Kantonsrat warnte die SVP vor dem drohenden «medialen Einheitsbrei». Selbst der St. Galler Regierungsrat schlug sich auf die Seite der Regionalisten. Er kritisierte «den zentralistischen Ansatz der Besitzer» und verlangte nichts weniger als eine Sicherstellung des «regionalen Service public».

So geriet Verwaltungsrätin Keller-Sutter in ihren Stammlanden immer stärker unter Druck. Das konnte nicht gut gehen. Im November 2015 informierte sie VR-Präsident Jornod, sie würde für keine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen, was dieser noch heute bedauert. Jornod: «Als Ostschweizer Politikerin sah sie zunehmend einen Konflikt darin, die Interessen ihrer Region politisch zu vertreten und unsere Regionalmedienstrategie mitzutragen, die aus betriebswirtschaftlichen Gründen eine stärkere Konsolidierung zwischen den Regionen vorsah.»

Auch Jornod zog seine Schlüsse aus der Mesalliance. Er lagerte die Politik in einen neu gegründeten publizistischen Beirat aus. Darin ist die FDP seither mit der ehemaligen Fraktionspräsidentin Gabi Huber vertreten. Macht hat das Gremium keine.

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