Vor einigen Jahren hatte die damalige Führung der Eterna AG Uhrenfabrik ein grosses Ziel: Mithilfe eines externen Produktdesigners sollte ein Jahresumsatz von stolzen 180 Millionen Franken erreicht werden. Anfänglich lagen die Verkäufe der neu designten Uhren auch über den Erwartungen, doch die 180 Millionen blieben ein Traum. Ohne die versprochene Unterstützung durch den chinesischen Eigentümer ging es 2017 bergab, der Umsatz brach von rund 20 Millionen Franken im Jahr 2015 auf 2 Millionen Franken ein.

Mittlerweile geht es beim 162-jährigen Unternehmen aus Grenchen ums Überleben. Noch diese Woche entscheidet das Solothurner Obergericht über den Konkurs der Firma. Drei Lieferanten werfen der traditionsreichen Uhrenfirma vor, ­ihnen eine hohe Summe an Geld zu schulden.

Eterna bestreitet die Vorwürfe. «Wir erwarten ­einen für uns positiven Entscheid», sagt CEO Jérôme Biard. Man hätte dem Obergericht überzeugend aufzeigen können, dass eine Konkurseröffnung unge­recht­­fertigt war. «Unser Geschäftsbetrieb funktioniert. Wir haben ein Auftragsvolumen von 1 Million Franken.» 

Schwierige Zusammenarbeit

In der Branche sorgt Eternas drohender Konkurs indes für keine Überraschung. Seit Jahren macht die ­Firma mit unbezahlten Rechnungen von sich reden. Für Involvierte beginnt die Misere im Jahr 2011, als der chinesische Investor China Haidian, heute Citychamp Watch & Jewellery Group (CWJ), den Uhren­hersteller von der Familie Porsche übernimmt. Insider berichten von einer komplizierten Zusammenarbeit mit den ­Chinesen. So hätten diese erst einmal verstehen müssen, dass hierzulande Rechnungen nach dreissig Tagen bezahlt werden müssen, sagt ein ehemaliger ­Mitarbeiter.

Anzeige

Offenbar hat sich CWJ den Einstieg in den Schweizer Uhrenmarkt zu einfach vorgestellt. «Die Chinesen waren geschützte Märkte gewohnt, keine Konkurrenz», sagt ein Branchenkenner. Gleichzeitig hätte CWJ zu hohe Erwartungen an Eterna gehabt. «Die prognostizierten 180 Millionen Umsatz für 2017 waren Grössenwahn», sagt ein damaliger Mitarbeiter. Zudem hätte CWJ wichtige Entschei­dungen ohne Absprache mit dem Eterna-Mana­gement getroffen. Gleichzeitig sollen die Chinesen stur wie Panzer sein. Der Businessplan konnte noch so abgehoben sein, CWJ war selten einsichtig, sagt ein ehemaliger Kadermann.

 

«Die Eterna-Führung hat bei strategischen Überlegungen seine eigenen Kapazitäten überschätzt.»

Hon Kwok Lung, Eigentümer und Präsident von Citychamp Watch & Jewellery Group 

Hon Kwok Lung, Eigentümer und Präsident von CWJ, widerspricht. Vielmehr sei es das ­lokale Management selbst gewesen, das in der Vergangenheit zu optimistische Ziele formuliert habe. «Die Eterna-Führung hat bei strategischen Überlegungen seine eigenen Kapazitäten überschätzt», sagt Hon zur «Handelszeitung». Wiederholt seien Hilfszahlungen nötig gewesen, was eine engere Kontrolle nötig ­gemacht habe. Trotzdem gehe er für 2019
von einem guten Jahr für Eterna aus.

Seit dem Einstieg der Chinesen erlebte Eterna viele Chefsessel-Wechsel. Kein CEO blieb länger als zwei Jahre. Biards Vorgänger Davide Traxler gar nur drei Monate.

Doch auch externe Faktoren verschärften die Situation für Eterna. Ende 2013 ­beendete die Modemarke Porsche-Design die Zusammenarbeit. Deren Uhren produzierte Eterna seit 1998 durchaus erfolgreich. Neben Prestige ging mit dem Porsche-Design-Abgang auch ein beträchtlicher Teil des ohnehin schwindenden Umsatzes verloren.

Falsche Vertriebskanäle

Auch auf dem chinesischen Absatzmarkt tut sich der Uhrenhersteller schwer. Hons Plan, mit Eterna-Uhren den chine­sischen Markt zu erschliessen, ging nicht auf. Grund: Die Vertriebskanäle von CWJ in China sind auf Uhrengeschäfte im un­teren Preissegment ausgerichtet, nicht auf Eterna-Uhren im mittleren Preis­segment.

Anzeige

Bislang bewiesen die Chinesen Geduld. 46 Millionen Franken pumpte CWJ bisher in das Unternehmen, allein um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Doch die Uhr tickt gegen Eterna. Die Zeit der grossen Geldflüsse ist vorbei. CEO Biard wird jährlich ein Budget von 2 Millionen Franken gewährt, wie das Uhren-Fachmagazin «Watch Around» berichtet. Zudem kursieren Gerüchte, CWJ wolle seine Eterna-Betei­ligung in einen Fonds überführen. Ob es dabei um bilanztechnische Feinheiten oder um mehr geht, ist offen.

CEO Biard gibt sich trotzdem kämpferisch. 2018 werde der Umsatz verdoppelt. Allerdings: Was nach Fortschritt klingt, ist in Wahrheit quersubventioniert: Etwa achtzig Mitarbeitende der Nobelmarke Corum, einer weiteren CWJ-Tochter, arbeiten derzeit für Eterna, berichtet «Watch Around». 

Update: Der Artikel wurde mit einer akkurateren Darstellung des Umsatzverlaufes ergänzt.

Anzeige