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Rohstoffe
Liefert Glencore das Kobalt für Apples Smartphones?

Glencore Kupfermine in Kankoyo, Zambia
Eine Kupfermine von Glencore in Kankoyo, ZambiaQuelle: Keystone

Apple möchte Kobalt direkt von Rohstoffhändlern beziehen. Das wirft die Frage auf, wer den Tech-Giganten beliefert. Die Schweizer Glencore?

Von David Torcasso
am 07.02.2018

Der Tech-Riese Apple möchte Kobalt zum ersten Mal direkt von den Rohstoffhändlern beziehen. Damit soll sichergestellt werden, dass Apple den Bedarf des Metalls für die Herstellung von iPhones und iPads für die Zukunft garantieren kann. Das berichtete «Bloomberg» mit Verweis auf Personen, die in das Anliegen involviert sind.

Der iPhone-Hersteller ist derzeit einer der grössten Endverbraucher von Kobalt. Da liegt der Gedanke an den Schweizer Rohstoffhändler Glencore nahe. Schliesslich ist das Unternehmen mit Sitz in Baar der grösste Kobalt-Lieferant der Welt. Alleine im vergangenen Jahr hat Glencore über 42'000 Tonnen Kobalt gefördert. Davon wurden 27'400 Tonnen aus eigenen Minen abgebaut, der Rest von Partnern erzeugt. Die gesamte weltweite Produktion an Kobalt belief sich 2017 auf mehr als 100'000 Tonnen. Glencore ist also für nahezu die Hälfte der weltweiten Kobalt-Lieferungen verantwortlich. 

Glencore ist im Gespräch mit Tech-Unternehmen

In dem «Bloomberg»-Bericht wird eine anonyme Quelle zitiert mit der Aussage, dass Apple nach Möglichkeiten suche, mehrere tausend Tonnen Kobalt direkt von Rohstoffhändlern zu beschaffen. Industriequellen behaupten, dass Apple mit Glencore, dem grössten Kobalt-Produzenten, darüber gesprochen habe. Im Gespräch mit Reportern soll Glencore-CEO Ivan Glasenberg bestätigt haben, dass der Konzern mit Apple, aber auch mit Automobilherstellern wie Tesla und Volkswagen Gespräche führe. Diese benötigen Kobalt für Elektroautos. 

Auf Anfrage von «Handelszeitung» bei Glencore in Baar gibt es von offizieller Seite keine Bestätigung. Glencore sagt nur: «Wir stehen mit vielen grossen Unternehmen in Kontakt, die Kobalt benötigen». Zahlreiche Elektronikhersteller würden sich vermehrt dafür interessieren, woher die Produkte für ihre Komponenten kommen und wie sie produziert werden, heisst es vom Unternehmen.

Kobalt wird immer wichtiger

Glencore setzt dabei auf Kobalt. Der Rohstoffkonzern hat 2017 einen Reingewinn von 5,2 Milliarden Dollar eingefahren, nach 936 Millionen Dollar im Vorjahr. «Das Resultat im Jahr 2017 ist das stärkste in der Geschichte des Unternehmens», sagte CEO Ivan Glasenberg vor einigen Tagen über den Geschäftsgang. Zu seinen Plänen zählt, die Produktionsanlagen für Kobalt auszubauen, wie aus dem Geschäftsbericht 2017 hervorgeht.

Rund ein Viertel des weltweit abgebauten Kobalts wird für Lithium-Ionen-Akkus in Smartphones verwendet, wie Apple sie einsetzt. Der Gigant hat es bisher den Batterienherstellern überlassen, das Metall zu beziehen. Doch die Konkurrenz aus der Automobilbranche wächst, die pro Elektroauto bis zu acht Kilogramm Kobalt verbaut. In einem Smartphone liegt der Anteil bei lediglich acht Gramm. Kein Wunder, ist der Preis von Kobalt im vergangenen Jahr um über 100 Prozent gestiegen. Bis 2030 sollen jährlich bis zu 325'000 Tonnen Kobalt abgebaut werden, so die Prognosen.

Ausbau in Kongo

Mehr als 60 Prozent davon werden im Kongo abgetragen. Kobalt ist ein Nebenprodukt von Kupfer. Glencore gewinnt es vor allem an den Standorten Katanga und Mutanda. Dabei ist Glencore das einzige westliche Unternehmen, welches im Kongo Kobalt abbaut. Im Land steht der Rohstoffhändler vor «logistischen Herausforderungen», etwa bei der Infrastruktur, wie es vom Konzern heisst. Damit ist vor allem auch die Anfahrt zu den Häfen für die Verschiffung des Metalls gemeint.

Eine weitere Herausforderung für die Industrie in der Region ist der verantwortungsvolle Abbau von Kobalt. In Kongo wird ein Grossteil des Metalls im Kleinbergbau gewonnen, der an vielen Stellen kritisiert wird. Immer wieder werden Misstände angeprangert, etwa von Amnesty International in einem Bericht vom vergangenen November. Dort schreibt die Menschenrechtsorganisation, dass Elektronikkonzerne wie Apple, aber auch deutsche Autokonzerne wie BMW ihrer Sorgfaltspflicht beim Bezug von Kobalt zu wenig nachkommen. «Amnesty International und African Resources Watch haben vor gut zwei Jahren nachgewiesen, dass schon Kinder ab sieben Jahren ihr Leben und ihre Gesundheit im Kleinbergbau von Kobalt im Kongo riskieren», sagt Mathias John, Experte für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International Deutschland.

Keine Unterstützung von Kleinbergbau

Glencore zeigt sich im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht bemüht, die Transparenz in der Wertschöpfungskette zu garantieren. Der Konzern schreibt im Bericht: «Wir unterstützen weder Kleinbergbau noch verarbeiten oder kaufen wir Grundstoffe in Kongo, die durch Kleinbergbau gewonnen werden.»

Man sei sich der Verantwortung im Zusammenhang mit den Wirtschaftsbedingungen bewusst, die zu Kinderarbeit führen würden und arbeite eng mit den Lieferanten und diversen Anspruchsgruppen zusammen, «um diesen Herausforderungen zu begegnen.» Ein Teil des Kobalts, das Glencore liefert, wird ausserhalb der eigenen Minen bezogen. Auch dort betont Glencore einen «treuhänderischen Ansatz» bei der Lieferkette

Verantwortung wahrnehmen

Apple trägt bei der Thematik dieselbe Verantwortung. Wie auch Amnesty International in dem Bericht schreibt: «Bei der Akku-Herstellung haben die Konzerne eine Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette von der Mine über die Verhüttung bis zur Produktionsstätte zu erfüllen». Die Anforderungen an die Hersteller werden höher in Zeiten, in denen Konsumenten zunehmend Transparenz von Herstellern erwarten. Eine direkte Zusammenarbeit etwa mit Glencore und somit eine kürzere Lieferkette könnte hier Verbesserungen bringen, wenn Apple diese Chance wahrnimmt.

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