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Startup
Medizin aus der Schwerelosigkeit

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Martin Aebi von Spacepharma: «In der Schwerelosigkeit fallen Resultate von medizinischen Tests völlig anders aus». Quelle: Jannis Chavakis/13Photo

Spacepharma forscht in der Schwerelosigkeit, um Medikamente zu entwickeln. Dabei profitiert es von der derzeitigen Weltall-Euphorie.

Von David Torcasso
am 09.05.2018

Die Business-Idee

Spacepharma hat sich auf Medizin-Experimente in der Mikrogravitation, also in der annähernden Schwerelosigkeit, spezialisiert. Damit können Forschungsprozesse für neue Medikamente oder Impfstoffe beschleunigt werden. «In der Schwerelosigkeit reagieren Kristalle, Proteine, Flüssigkeiten und menschliche Genome anders als auf der Erde.

Damit können neue Innovationsprozesse in der F&E ausgelöst werden», sagt Spacepharma-Mitgründer und CEO Martin Aebi. Die Zukunft sieht vielversprechend aus: Die Kommerzialisierung von Weltraumfahrten, aber auch neue Gelder der USA für Mars-Missionen spielen Spacepharma in die Hand. «Mit der Forschung im schwerelosen Raum kann man Erkenntnisse für das irdische Leben, aber auch für Anforderungen für Weltall-Missionen gewinnen», sagt Aebi. So würde sich etwa die DNS eines Menschen im All verändern – ein Gebiet, über das man nur wenig weiss.

Die Gründer

Um nach den Sternen zu greifen, ist Spacepharma gleich in drei Ländern tätig: im jurassischen Courgenay in der Schweiz, in Herzlia gleich neben Tel Aviv und in Florida. Der ETH-Ingenieur Martin Aebi hatte dort vor rund fünf Jahren den Weltraumexperten Yossi Yamin kennengelernt. Mit ihrem Background realisierten sie, dass sie mit Forschungsproben im All eine Marktlücke gefunden hatten.

Dazu hat das Startup Mini-Labors entwickelt, in denen verschiedene Flüssigkeiten und Analyse-Tools integriert werden können. Diese Labors lassen sich in kleinen Satelliten, die gerade mal so gross wie eine Schuhschachtel sind, ins All schiessen. Einmal in der Erdumlaufbahn, überwacht Spacepharma die Proben von der Satellitenanlage im Jura aus. «Uns war wichtig, ein schlüsselfertiges Gesamtsystem von Planung bis und mit Auswertung unseren Kunden anbieten zu können. Das geistige Eigentum bleibt damit im Besitz des Kunden.»

Der Markt

Forschung unter Einwirkung von Mikrogravitation wurde bis vor kurzem meist auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt. Diese sei aber viel zu teuer, sagt Aebi, und es dauere zu lange. Inzwischen bieten aber einige Nationen kommerzielle Raumflüge an. Spacepharma wollte ursprünglich seinen Satelliten auch mit einer Rakete von Space X hochschicken. Dann kam es aber zu Verzögerungen.

Dafür hat Spacepharma kürzlich einen Satelliten mit einem Mini-Labor von Indien aus in einer Rakete mit über 120 anderen kleinen Satelliten ins All geschossen. Überwacht werden der Satellit sowie die Ergebnisse von Courgenay aus. «Wir sind wohl die einzige private Firma in der Schweiz, die eine Erlaubnis für eine Satellitenanlage hat», lacht Aebi. Im Jura sei der Betrieb durch geringe Strahlungsinterferenzen einfacher als in einer Stadt. Grosse Pharmafirmen wie Roche oder Novartis sind aber für diese Art von Space-Forschung noch nicht zugänglich.

Dafür haben die Universität Zürich, das Fraunhofer-Institut oder ausländische Hochschulen Proben mithilfe von Spacepharma ins All geschossen. Auch China sei an Bord: Dieses habe Eigenschaften von Öl unter Mikrogravitation erforscht, verrät Aebi. «Der Markt ist neu, ohne Grenzen, nicht mehr Staatskontrolle – und deshalb zugänglicher», sagt Aebi. Der Preis für die Durchführung eines Experiments im All betrage zwischen 10 000 und 50 000 Franken so Aebi. Der Flug sei separat.

Die Chance

Suborbitale Flüge, neue Shuttles und wiederverwendbare Trägerraketen – mit all diesen Entwicklungen sinken die Preise für Forschung auf schwerelosen Plattformen. «Personalisierte Medizin wird wichtiger – da muss man neue Forschungsansätze suchen», sagt Aebi. Für die Medizin auf der Erde und künftig wohl auch noch mehr für dort oben.

Das meint der Experte

«Der Weltraum wird künftig Labor und Werkstatt werden. Nicht für wenige, sondern für viele. Wir beobachten zurzeit eine enorme Liberalisierung.»

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Oliver Ullrich
Oliver Ullrich Professor für Weltall-Biotechnik, Uni Zürich
Quelle: ZVG