Bei manchen Ereignissen denkt man: Nicht schon wieder! Hier jedoch fragt man sich erstaunt: Immer noch? Wer die Dokumente der Finanzmarktaufsicht und des US-Finanzdepartements zum Fall der zwangsliquidierten Mbaer Merchant Bank von Michael «Mike» Bär liest, sieht sich ins 20. Jahrhundert zurückversetzt, als sich Schweizer Banken mit Geldwäsche und Schwarzgeldbanking international einen zweifelhaften Ruf als willige Helfer von Kriminellen erarbeiteten: Korruptionsgelder aus Venezuela, sanktionierte Oligarchen aus Russland, die Revolutionsgarden aus dem Iran. Wenn auf Dossiers eine «Red Flag» prangte, schienen sie früher oder später bei den Zürcher Bankern auf dem Tisch zu landen. Und diese eröffneten mit Freude die Konten.
Gerade weil das so unglaublich tönt, muss man darauf hinweisen, dass bislang nur die Anschuldigungen der Behörden bekannt sind. Die Bank betont über einen Sprecher, die Anschuldigungen seien «weitgehend tendenziös» und «über weite Strecken unrichtig». Das Statement gleicht – für geübte Lesende – jedoch einem Schuldbekenntnis. Wenn etwas über weite Strecken falsch ist, steckt auch Wahres drin. Versuche, Falschanschuldigungen konkret zu benennen oder zu bestreiten, unternimmt die Bank gar nicht erst. Den Rekurs gegen die Schliessungsverfügung hat sie zurückgezogen. Die Ertappten geben auf.
Man könnte den Fall Mbaer als Verzweiflungstat einer Bank im Endstadium abtun, die sich unter wirtschaftlichem Druck dazu genötigt sah, an Geschäften festzuhalten, von denen sie sich gescheiter trennen sollte. Doch der Fall hier sieht anders aus. Wenn stimmt, was die Behörden berichten, hat diese erst 2018 gegründete Bank sich von Anfang an auf Kunden spezialisiert, die bei anderen Banken nicht mehr unterkamen. Mehr Übermut geht nicht.
Hätte die Finma diesem Treiben schon früher ein Ende setzen sollen? Gerne ist man versucht, auf die vermeintlich zahnlose Aufsicht zu zielen. Und ja, die Finma hat sich in der Vergangenheit immer wieder als zahm erwiesen, wenn es um grosse Namen oder Firmen ging. Vielleicht hätte sie auch hier schon früher den Stecker ziehen können. Fakt ist aber auch: Sie hat es getan.
Kritik an der Aufsicht lenkt letztlich nur davon ab, was offensichtlich ist. Dass es auch heute noch Schweizer Banker gibt, die meinen, mit Grauzonenbanking und Geldwäscherei eine Zusatzmarge verdienen zu können. Nicht nur schadet dieses Gebaren dem Ansehen der Schweiz, es schadet auch allen Banken, die nach dem Fall des Steuerhinterzieher-Bankgeheimnisses über die Bücher gegangen sind und neue, saubere Geschäftsmodelle aufgesetzt haben.
Banken haben eine Legitimation, sie sind für das Funktionieren einer Volkswirtschaft unerlässlich. Aber nicht so.

