Wer shoppt heute noch in einem Laden? Vor allem jetzt, wo die meisten Shops sowieso geschlossen sind? In der Pandemie bestellen noch mehr Kunden im Netz. Besonders Kleider, weil selbst vor dem Lockdown das Anprobieren mit Maske kaum ein Erlebnis war. 

Obwohl sich Onlinehändler wie Zalando bemühen, die optimale Grösse für den Kunden mittels Technologien zu finden, gibt es immer noch zahlreiche Retouren. Um dem entgegenzuwirken, hat Europas grösster Modehändler im vergangenen Oktober bekannt gegeben, ins Schweizer Startup Fision zu investieren.

Die Firma entwickelt Technologien für die Erstellung virtueller 3D-Modelle von Körpern und Kleidungsstücken auf ihrer Plattform meepl. Um dieses Know-how zu stärken, möchte Zalando mehr Mitarbeiter in dem Bereich in Zürich anstellen. 

Mit dem Avatar shoppen gehen

Doch nicht nur Zalando, das sich gerne als Tech-Unternehmen statt als Modehändler bezeichnet, tüftelt an neuen Technologien. Der schwedische Moderiese H&M präsentiert jetzt eine virtuelle Umkleidekabine. Dabei können Käufer in einer Filiale per 3D-Scanner einen Avatar von sich erstellen und diesen dann online einsetzen. 

Anzeige

Initiiert wurde die virtuelle Umkleidekabine von H&M beyond, dem «Innovations-Labor» des Modekonzerns, das wie auch Zalando in Berlin sitzt. Ebenfalls in Berlin ansässig ist Nexr Technologies, welches die Technologie für die virtuelle Umkleidekabine geliefert hat. Dank diesem Verfahren können Kunden, die online shoppen, ihr Kleidungsstück virtuell an einem Avatar mit den eigenen Massen anprobieren. 

Modeunternehmen nennen dies «Virtual Fitting». Mit dem von Nexr entwickelten «3D-Photogrammetry-Scanner» kann man sich in einer Filiale scannen lassen. Die Software baut einen Avatar, der auf dem Smartphone des Kunden aufpoppt und dort für das virtuelle Shopping verwendet werden kann. 

Avatar

Shoppen mit einem Avatar: Die Zukunft des Online-Modehandels?

Quelle: ZVG

Zalando möchte am Standort Zürich 150 Arbeitsplätze schaffen

Zalando übernimmt ein Zürcher Startup – ETH-Spinoff Fision – und will damit den Anfang machen für einen Tech-Hub an der Limmat.

Retouren sind die Achillesferse der Modehändler

Modehändler wie H&M oder Zalando begründen ihre Investitionen in diese Technologien jeweils damit, den Kunden ein besseres Einkaufserlebnis bieten zu können. Doch der wichtigere Grund für das Pushen solcher Technologien liegt in der Reduzierung von Retouren.

Laut Studien werden fast die Hälfte aller Artikel, die online gekauft werden, wieder zurückgeschickt. Das zeigt auch eine Erhebung der Universität Bamberg. Im Modebereich liegen die Retouren noch höher, weil die Wirkung der Kleidung beim Tragen eine grosse Rolle spielt.

Retouren sind die Achillesferse der Onlinehändler, da sie kostspielig sind. Dazu kommt der CO2-Ausstoss, den die Modehändler möglichst klein halten wollen.

Anzeige

Avatare oder Technolgien, die genau die Masse bestimmen, sollen die Retourenquote verringern und den Händlern viel Geld sparen. Deshalb wird die Entwicklung vorangetrieben. Bereits im Sommer 2021 sollen die ersten 3D-Scanner in den H&M-Filialen bereit stehen.

«Wir wollen mehr männliche Kunden gewinnen»

Die Schweiz-Chefin von Zalando, Lisa Miczaika, spricht über Boom-Märkte in Corona-Zeiten und Secondhand per Internet. Und dann hat sie noch Fragen.