Mit seinem sogenannten «Company Builder» namens «Forward 31» möchte Porsche neue Geschäftsfelder erschliessen. Beim Aufbau von Startups geht es dem Sportwagen-Hersteller aber nicht nur um die Auto-Technologie oder Mobilität, sondern auch um Felder abseits des Kerngeschäfts.

Wie zum Beispiel Wohnen in der Zukunft. Denn jetzt unterstützt Porsche das Schweizer Startup «The Embassies». Dieses entwickelt eine digitale Plattform, die sich rund um künftige Wohnen in höherem Alter dreht. Schwerpunkte sind dabei bewohnbare Räume, die «flexibel und nach den Bedürfnissen der Bewohner gestaltet werden können und damit einen hohen Standard im Alter» bringen sollen, wie das Unternehmen auf der Website schreibt. Und zwar in den spannendsten Städten der Welt, wie auf dem Firmenvideo zu sehen ist. 

Ziel sei der Aufbau von rund 30 «Embassies» in Grossstädten mit einer hohen Lebensqualität, darunter San Francisco, New York, London, Zürich, Kopenhagen oder Berlin. Der erste Standort soll voraussichtlich 2022 in Europa eröffnen. Das bedeutet, dass die Idee von «The Embassies» zurzeit noch nicht konkret umgesetzt ist. 

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Babyboomer, aber nicht Oldies

«Mit dem Engagement von Porsche können wir unser Konzept nun auf die Strasse bringen», sagt Mitgründer Jan Garde. Der Deutsche war zuvor bei der Werbeagentur Jung von Matt tätig, dann bei der Deutschen Telekom in der Innovation. Mit dem Thema «Wohnen im Alter» beschäftigt sich Garde seit einigen Jahren, vor zwei Jahren hat er sich mit «The Embassies» selbständig gemacht. 

Dabei möchte er Menschen im Alter die Angst vor dem Altersheim nehmen: «Wir möchten eine Welt schaffen, in denen Menschen im Alter selbstbestimmt leben können», sagt er. Dabei orientiere man sich an den Babyboomern, die sich selbst nicht als alt sehen und bis ins fortgeschrittene Alter eine gutes Leben führen möchten. 

Jan Garde

Mitgründer Jan Garde: «Wir möchten eine Welt schaffen, in denen Menschen im Alter selbstbestimmt leben können»

Quelle: ZVG

Garde und seine Mitgründer seien zurzeit in Verhandlungen mit Investoren und Immobilienbesitzer in diversen Metropolen. Dabei agiere man ähnlich wie ein Hotel. Es gehe nicht darum, die Immobilie zu kaufen, sondern zu betreiben – als «Operating-Company» mit einer Spezialisierung auf Wohnen im Alter.

Das Konzept, dass Drittanbieter eine Immobilie mit einer Idee bespielen, ist zurzeit ein Trend in den Städten. So etwa beim ehemaligen Swissôtel in Oerlikon, welches zurzeit unter dem Namen Nôtel vermietet wird

Neue Nutzungen von Flächen

«Aufgrund der Pandemie sind Immobilien-Eigentümer und Investoren auf der Suche nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für Bestandsimmobilien», sagt Garde. «Unser Geschäftsmodell ist eine interessante Alternative.» Die Innenstädte müssten sich neu erfinden, die Vermietung von Büroflächen werde in Frage gestellt.

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Dort bestehe für «The Embassie» eine Chance. Der Unterschied zu herkömmlichen Wohnmöglichkeiten im Alter sei der «Community-Gedanke», betont Garde. «Wir bringen die Menschen zusammen, schaffen für sie Möglichkeiten, sich auszutauschen in der Nachbarschaft», sagt der Gründer.

«Die Innenstädte müssten sich neu erfinden.»

Im Mittelpunkt von «The Embassies» stehen Aktivitäten. Den Bewohnern stehen Gastronomie- und Freizeitangebote zur Verfügung. Zudem biete eine Mitgliedschaft Zugang zu Veranstaltungen sowie Fitness- und Spa-Programmen. Der Clou des globalen Netzwerks: Mitglieder haben die Chance, die verschiedenen Standorte zu bereisen und dadurch neue Orte zu entdecken. 

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Als Ausgangspunkt für solche Aktivitäten dient eine digitale Plattform, um Dienstleistungen, Aktivitäten und  Auslandsaufenthalte zu wählen. Kurzum: Ein Art Co-Living-Space für die Generation der «Silver Ager». Diese Art des Wohnen soll ab rund 3000 Euro möglich sein, steige aber an je nach Stadt und Lage an. 

Embassies Plattform

Mit einer digitalen Plattform sollen alle Dienstleistungen und Aktivitäten gesteuert werden.   

Quelle: ZVG

Weshalb sich das Team mit dem Startup in Zürich selbständig gemacht hat, ist für Garde klar: «Zürich ist die lebenswerteste Stadt fürs Alter auf der Welt», sagt er.

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Man operiere auch aus Amsterdam und Hamburg heraus, aber Zürich sei als Standort ideal. «In unseren zwei Hauptmärkten Nordamerika und Asien ist die Marke Schweiz sehr stark», begründet Garde

«Wir greifen einen Megatrend auf, dass sich auch Menschen im Ruhestand einen gehobenen Lebensstil wünschen»

Die Zusammenarbeit mit Forward31 sei weit mehr als nur eine Beteiligung für Garde. «Wir können von ihrem Business-Know-how profitieren und mit ihnen weltweit wachsen», so der Gründer.

Das Engagement von Porsche an dem Zürcher Startup macht für den Autohersteller Sinn: «Wir greifen einen Megatrend auf, dass sich auch Menschen im Ruhestand einen gehobenen Lebensstil wünschen», sagt Christian Knörle, Chef des Company-Builders der Porsche Digital. Dabei nennt er auch Tätigkeiten wie Reisen. Dass diese Zielgruppe zu Porsche passt, ist wohl kein Geheimnis.

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Porsche und Startups

Der Company Builder Forward31 ist ein Instrument von Porsche zur Unterstützung von Startups. Dazu gibt es auch Porsche Ventures, welches sich an Startups beteiligt. 

Mit der Accelerator-Initiative APX, einem Joint Venture zwischen Porsche und dem Medienunternehmen Axel Springer, unterstützt der Autohersteller hingegen Unternehmen, die noch in einer frühen Startphase sind. 

Dazu beteiligt sich Porsche an der offenen Innovationsplattform «Startup Autobahn».

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