Schwarzes Essen liegt im Trend. Das hat nun auch die Migros erkannt. Seit dem 7. Juni bietet der Detailhändler ungewöhnliche Schinkensandwichs an. Das Besondere: Ihre Brötchen sind kohlrabenschwarz. Was bei Bekannten und Kollegen auf den ersten Blick Reaktionen wie «igitt» und «wäääähhhh» provoziert, lieben Japaner schon lange. Auch in Italien gibt es gelegentlich schwarze – mit Tintenfisch gefärbte – Pizza. Der Rest der Welt brauchte etwas länger, um sich für das exotisch aussehende Essen zu erwärmen.

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Letzten Herbst hatte Burger King in den USA den «Halloween Whopper» mit schwarzen Hamburgerbrötchen noch als saisonale Spezialität verkauft, gut ein halbes Jahr später sind die Produkte nun auch in der Schweiz angekommen. Die Café-Kette Spettacolo bringt den Trend ebenfalls seit diesem Monat in Form eines Gipfelis an den Kunden. Da das Produkt zudem vegan ist, verbinden sich in diesem Fall sogar zwei aktuelle Lebensmitteltrends.

Geschmacklich wenig spektakulär

Bei der Migros beschränkt sich die Auswahl vorerst auf eine Sandwich-Variante mit schwarzem Brot. Der erste Biss braucht etwas Mut, dann aber zeigt sich, was auch Migros-Mediensprecherin Simone Schuler betont: Das Brötchen schmeckt wie Brötchen. Ein Unterschied lässt sich nur bei der Optik ausmachen. Wie viele Kunden dem schwarzen Sandwich verfallen, kann die Migros nach nur zwei Verkaufswochen nicht sagen. Die Verantwortlichen beobachten das neue Produkt aber genauestens.

Für die schwarze Färbung des Brötchens ist die Zutat E153 verantwortlich. Dahinter verbirgt sich Pflanzenkohle oder auch Kohlenschwarz. Der natürliche Lebensmittelfarbstoff besteht aus mindestens 95 Prozent reinen Kohlenstoff und wird auch für die Malerei benutzt. In der Lebensmittelbranche wird E153 etwa für das Einfärben von Käserinde verwendet. Der Farbstoff ist gesundheitlich unbedenklich.

Ein Nischenprodukt für die Mühle

Experimentierfreudige können das schwarze Mehl und folglich schwarzes Gebäck auch selbst herstellen. Beim Mischen von Weissmehl mit der Pflanzenkohle gilt es allerdings zwei Punkte zu beachten. So rät die Meyerhans Mühlen in Weinfelden, die das Mehl herstellt und vertreibt, zu vorsichtiger Dosierung – rund drei Gramm auf ein Kilo. Beim Mischen ist Vorsicht geboten, damit man nicht die ganze Küche einschwärzt.

Ursprünglich hatte die Mühle das Spezialmehl für die Nacht der offenen Bäckereien kreiert. Wegen der guten Nachfrage wurde die Mischung dann aber ins Sortiment aufgenommen. Wie Richard Keiser, Leiter Verkauf und Logistik, erklärt, würden zwar diverse Kleinbäckereien, Restaurants und Industriebetriebe ihr schwarzes Mehl beziehen, dennoch bleibe es weiterhin ein Nischenprodukt mit marginalem Anteil am Gesamtumsatz. Das könnte sich aber schnell ändern.

Migros-Sandwich aus Geroldswiler Mehl

Die Migros stellt ihre Brötchen nicht in ihrer eigenen Bäckerei Jowa her, sondern lässt die Ware vom Zulieferer Panetta backen und auch gleich belegen. Das Familienunternehmen in Geroldswil verwendet für ihren Teig das Mehl der Meyerhans Mühlen, so dass damit ein als Gag geplantes Produkt den Weg zum grössten Detailhändler der Schweiz gefunden hat.