An der IAA Nutzfahrzeuge im vergangenen Jahr zeigte Hyundai ein erstes Bild seines neuen Nutzfahrzeugs Xcient mit Brennstoffzellentechnologie. Bereits Ende 2019 sollen die ersten Fahrzeuge laut den Koreanern im Pilotmarkt Schweiz an den Start gehen.

Mit dem Fuel Cell Electric Truck kann die tägliche Güterversorgung weitgehend emissionsfrei realisiert werden – sofern einige Rahmenbedingungen stimmen. Auch der Xcient ist ein Elektro-Truck, doch er bezieht seine Energie, anders als die konventionellen E-Trucks, die von einer Batterie versorgt werden, aus einer Brennstoffzelle. Den ersten Wasserstoff-Lastwagen nahm der Grossverteiler Coop im Jahr 2016 in Betrieb. Das Fahrzeug basiert auf einem MAN TGS, der von der Firma Esoro zum Brennstoffzellen-Truck umgebaut wurde. Das «Bienli», wie das Fahrzeug genannt wird, stösst anstelle von CO2 oder anderen Schadstoffen lediglich Wasserdampf aus.

Fahrzeug ist schneller betankt

Brennstoffzellenfahrzeuge können gegenüber dem Elektro-Truck einige Vorteile ins Feld führen. Zum einen ist das Gewicht des Brennstoffzellenantriebes geringer, im Gegensatz zu den Batterien eines E-Trucks, die das Fahrzeuggewicht erhöhen. Dies wirkt sich positiv zugunsten der Nutzlast aus. Zudem lassen sich Brennstoffzellen-Trucks in deutlich kürzerer Zeit betanken und weisen im Vergleich zum Dieselfahrzeug eine gleich grosse Reichweite auf.

Soll sich die Brennstoffzellentechnik als Fahrzeugantrieb durchsetzen, braucht es allerdings eine ausreichende Infrastruktur an Wasserstoff-Tankstellen. Gemäss Rolf Huber, Chairman von H2 Energy, wird in der Schweiz intensiv daran gearbeitet, zügig ein entsprechendes Netz aufzubauen. Zwei Wasserstoff-Tankstellen gibt es bereits in der Schweiz: die öffentlich zugängliche Tankstelle in Hunzenschwil AG sowie diejenige der Empa in Dübendorf.

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Der erste fahrerlose Lastwagen kommt auf die Strasse

In Schweden verkehrt erstmals ein fahrerloser Lastwagen auf öffentlichen Strassen. Ein Konzept mit Potenzial – auch für die Schweiz. Mehr dazu hier.

Die Promotoren

Zu den Promotoren der Einführung von Brennstoffzellenlastwagen zählt der Verein H2 Mobilität Schweiz. Diesem gehören derzeit die Mineralölfirmen Tamoil, Shell Switzerland, Socar, Agrola, Avia Vereinigung, Coop Mineralöl und Migrol an. Ferner die Transportunternehmen Galliker Transport & Logistics, Camion Transport, F. Murpf, G. Leclerc und die Grossverteiler Migros und Coop sowie die Emil-Frey-Gruppe und die Firma Fenaco. Diese repräsentieren ein schweizweites Netz von über 2000 Tankstellen und eine Flotte von mehr als 4000 schweren Nutzfahrzeugen.

Zu den Zielen des Vereins zählt die Förderung eines Mobilitätssystems auf Basis von grünem Wasserstoff als Energieträger sowie der Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Wasserstoff-Tankstellen in der Schweiz. Diese Infrastrukturinvestitionen erfolgen durch die Mitgliedfirmen in eigener Verantwortung.

An der IAA 2018 unterzeichneten der koreanische Nutzfahrzeughersteller Hyundai und H2 Energy eine Absichtserklärung, welche die Lieferung von insgesamt 1000 Hyundai-Xcient-Nutzfahrzeugen in die Schweiz umfasst. Geplant ist, dass im Herbst 2019 die ersten Fahrzeuge in der Schweiz eintreffen und von Transportunternehmen und Logistikdienstleistern eingesetzt werden. Zu den voraussichtlichen Empfängern eines Hyundai-Brennstoffzellen-Trucks zählen unter anderen Migros, Coop, Galliker Transport & Logistics, Camion Transport und Traveco Transporte.

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Dekarbonisierung ist entscheidend

Erneuerbare Energiequellen

Trucks mit Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb sind nur dann sauber respektive emissionsfrei unterwegs, wenn deren Strom zum Aufladen der Batterien oder zur Herstellung des Wasserstoffes aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft, Solarenergie oder Windrädern stammt.

Dieselmotor

Der Verbrennungsmotor dürfte in absehbarer Zeit nicht verschwinden. In Hybridantrieben bleiben sie unentbehrlich. Zudem wird im Gütertransport auf langen Strecken der Dieselmotor die dominierende Antriebsquelle schwerer Lastwagen bleiben.

Reichweite von rund 400 Kilometern

Diese Fahrzeuge können Wasserstoff in Drucktanks bis zu 350 Bar speichern. Innert etwa 7 bis 10 Minuten lassen sich die Fahrzeuge mit Wasserstoff betanken und sollen eine Reichweite von rund 400 Kilometern erreichen. Allerdings muss auch bei den Brennstoffzellenfahrzeugen darauf hingewiesen werden, dass zur Herstellung des Wasserstoffes elektrische Energie benötigt wird.

Kommt diese Energie nicht aus erneuerbaren Quellen, sondern beispielsweise aus Kohlekraftwerken, schrumpft der Vorteil von Brennstoffzellenfahrzeugen bezüglich Emissionen von CO2 oder Feinstaub gegenüber Dieselfahrzeugen. Dies zeigt eine Studie des Paul-Scherrer-Instituts. In der Schweiz allerdings, wo der Strom für die Fahrzeuge aus erneuerbaren Quellen stammt, macht der Einsatz der Brennstoffzellentechnik durchaus Sinn.