Die Zukunft des Transportes ist selbstgesteuert. Das schwedische Software-Startup Einride und der Logistikkonzern DB Schenker sind seit letzter Woche mit ihrem führerlosen Lastwagen T-Pod auf Schwedens Strassen unterwegs. Vorerst verkehrt der elektrisch betriebene 26-Tonner noch im Schneckentempo von fünf Stundenkilometern in einem Industriegebiet von Jönköping. Mehr erlaubt die Bewilligung nicht. Dennoch sei die Zulassung ein grosser Meilenstein, sagt Chef Robert Falck laut der Nachrichtenagentur Reuters.

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Bis 2020 will Einride 200 Fahrzeuge in verschiedenen Ländern betreiben. Neben Schenker sind bisher der deutsche Detailhändler Lidl, die Lieferfirma Svenska Retursystem und fünf Fortune-500-Detailhändler an Bord. Kein Wunder, stehen doch Frachtunternehmen weltweit unter dem Druck, ihre Lieferzeiten zu verkürzen, den Treibgasausstoss zu verringern und eine Lösung für den zunehmenden Fahrermangel zu finden.

Fernsteuerung statt Führerkabine

Der T-Pod ist weit mehr als nur ein Experiment. Mit einer elektronisch auf 85 Stundenkilometer limitierten Höchstgeschwindigkeit und einer Batteriereichweite von 200 Kilometern soll es der Lastwagen mit der bemannten Konkurrenz aufnehmen. Die Navigation erfolgt mittels Radar, Infrarot-Laser und Kameras. Eine Führerkabine fehlt, im Notfall kann ein Mensch per Fernsteuerung eingreifen. Dieser kann bis zu zehn Fahrzeuge gleichzeitig überwachen und steuern.

Voraussetzung für das autonome Fahren ist die 5G-Infrastruktur. Für den Einsatz in Jönköping mussten Ericsson und Telia zwei neue Antennen aufstellen. Während der Ausbau dieser Technologie noch ein wenig lahmt, hat das Engagement der Auto- und Transportindustrie zuletzt Fahrt aufgenommen. Das zeigt auch Einride: Chef Robert Falck war früher im Management von Volvo, zu den Investoren gehört der ehemalige Asienchef von Daimlers Lastwagensparte.

USA und China machen vorwärts

Für Falck geht der Blick in die USA. Das Land sei der «Ground Zero» für autonome Fahrzeuge und soll für die Branche der erste grosse Markt werden. Das liegt auch an der Unterstützung durch grosse Konzerne. So hat der US-Hersteller Rivian in diesem Jahr 500 Millionen Dollar von Ford und 700 Millionen Dollar von Amazon zugesagt bekommen. Rivian entwickelt ebenfalls selbstfahrende Trucks.

In China beansprucht das Startup Neolix die Pionierrolle bei autonomen Auslieferungen. In dieser Woche verkündete die Firma den Start der Massenproduktion und will innert Jahresfrist schon Tausende Fahrzeuge ausliefern. Zu den Kunden gehören die Online-Handelsplattform JD.com und Huawei. Laut Neolix-Chef Yu Enyuan wurden bisher 120 der kleinen Fahrzeuge in geschützten Bereichen getestet.

Neolix setzt auf den E-Commerce-Boom in China, der inzwischen 400 Milliarden Dollar wert ist. Allerdings gibt es bei den Auslieferungen per Robo-Vehikel noch ein Problem: Bisher muss ein Mensch das Paket entgegennehmen. Eine mögliche Lösung kommt von Ford: Der US-Konzern hat einen kleinen Roboter vorgeschlagen, der die Lieferung vom Fahrzeug zur Türschwelle auf zwei Beinen zurücklegt.

Neolix plant Expansion in die Schweiz

Bisher hat die Fabrik von Neolix eine Produktionskapazität von 30'000 Fahrzeugen. Man sei jedoch in Gesprächen mit potenziellen Partnern in Japan, den USA und auch der Schweiz, so Chef Yu laut der Wirtschaftsagentur «Bloomberg». In fünf Jahren sollen bereits 100'000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen.

Auf Anfrage der «Handelszeitung» bestätigt Neolix-Europa-Repräsentantin Hu Wanqiu die Schweiz-Pläne. Noch im Jahr 2019 soll ein Testprojekt stattfinden, Ort, Dauer und Umfang seien bereits festgelegt, so Hu. Welche Firma in der Schweiz beteiligt ist, kann Neolix indes noch nicht bekanntgeben.

In der Schweiz testen Postauto, SBB und die Post schon seit einiger Zeit autonome Fahrzeuge und Robo-Pöstler. Allerdings dürfen diese hierzulande bisher nur mit einem menschlichen Aufpasser an Bord durch die Gegend fahren.

Damit sich Neolix, Einride und Co. dereinst in der Schweiz durchsetzen könnten, bräuchte es eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.