Für diese Prognose muss man kein Hellseher sein: 2020 wird für die Schweizer Industrie zu einem Annus Horribilis. Die Leitmessen «Watches & Wonders» in Genf – bis 2019 als SIHH bekannt – und die «Baselworld» sind abgesagt respektive verschoben. Wegen fehlender Touristen aus Asien führt der weltgrösste Uhrenhändler Bucherer in Luzern und Interlaken Kurzarbeit ein. An den Flughäfen und in den Duty-Free-Shops herrscht gähnende Leere, Airlines lassen immer Flugzeuge am Boden. Kurz: In allen wichtigen Märkten fehlen den Schweizer Uhrenfirmen wegen der Corona-Krise zunehmend die Kunden.

Wie dramatisch der Nachfrageeinbruch werden könnte, zeigt bereits schon der Blick zurück auf das Jahr 2019. Verglichen mit 2018 haben die Uhrengeschäfte in Hongkong im letzten Jahr, das vom Virus noch weitgehend unberührt war, bereits einen Einbruch von über 22 Prozent hinnehmen müssen. Das zeigt der Sell-Out-Index der Schweizer Beratungsfirma The Mercury Project. Auch in Singapur und Macau verkauften die Uhrenretailer weniger Zeitmesser an Endkunden (siehe Grafik unten)

Das aufziehende Gross-Problem für die Uhrenbranche zeigt sich in jenen Märkten respektive Retail-Segmenten, welche 2019 noch gut funktioniert haben. Vor allem der letztjährige Wachstumstreiber – die Uhrenverkäufe in Duty-Free-Geschäften –, dürfte sich 2020 zu einem grossen Bremsklotz entwickeln. Und das fällt ins Gewicht: Weltweit wurden Uhren für mehr als 6 Milliarden Dollar an Flughäfen und auf Kreuzfahrtschiffen verkauft. Dieser Umsatz könnte ohne Weiteres um 2 oder gar mehr Milliarden Dollar abnehmen. 

Hinzu kommt: Auch die 2019 gut gewachsenen europäischen Märkte werden mit stark fallender Nachfrage zu kämpfen haben – wegen der schlechten Konsumstimmung im Zusammenhang mit dem Coronavirus, vor allem aber wegen ausbleibender Touristen aus Asien.

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Wir bleiben dran.

Immerhin gibt es einen kleinen Trost für die hiesige Branche: Die durch den Coronavirus verursachte Disruption in den globalen Lieferketten sorgt auch bei Apple für Probleme. Teils waren Fabriken in China geschlossen, für gewisse Komponenten gab es Lieferunterbrüche. Dadurch dürfte auch der Siegeszug der Apple Watch vorerst ausgebremst werden.

Hören Sie eine ausführliche Analyse zur aktuellen Lage in der Uhrenindustrie in unserem Podcast «HZ Insights»: