«Bis Ende Jahr», so die offizielle Sprachregelung, will die Swisscom einen Nachfolger für den verstorbenen Konzernchef Carsten Schloter gefunden haben. Dazu hat der Verwaltungsrat einen systematischen Search ausgeschrieben. Inzwischen, so heisst es aus dem innersten Führungszirkel der Swisscom, sei der Kandidatenkreis auf zwei Namen zusammengeschrumpft: Urs Schaeppi und Hans-Peter Legler.

Eigentlich wäre Schaeppi als neuer CEO gesetzt: Schliesslich hat er als Chef des Schweiz-Geschäfts bereits 80 Prozent des Konzernumsatzes und 86 Prozent des Gewinns unter sich und führt den Konzern ad interim. Das Problem: Schaeppi will nicht. Zumindest nicht mit der gegenwärtigen Firmenstruktur.

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Schloter hatte 2007 eine gesonderte Führungsorganisation für die Schweiz aufgebaut, aber Konzern und Schweiz-Geschäft weiterhin in Personalunion geführt. VR-Präsident Hansueli Loosli sah das als Klumpenrisiko und sorgte dafür, dass Schloter das Inlandgeschäft letztes Jahr abgeben musste – an Schaeppi.

Auch der zukünftige Konzernchef soll sich vom operativen Geschäft fernhalten. «Dazu ist Schaeppi aber nicht bereit», sagt einer, der in die Besetzung des Chefpostens involviert ist. «Mir gefällt die Aufgabe, die ich bisher hatte», sagt Schaeppi selber dazu (siehe BILANZ 17/2013). «Das ist einer der spannendsten Jobs der Schweiz.» Auf dem CEO-Posten würden ihm dagegen hauptsächlich repräsentative Aufgaben, das Management des Portfolios und die strategische Entwicklung bleiben – Letzteres allerdings mit einem starken VR-Präsidenten im Nacken. Um Schaeppi den Posten doch noch schmackhaft zu machen, müsste die Strukturreform von 2007 wieder rückgängig gemacht werden. Der CEO hätte dann auch wieder direkten Durchgriff auf das Schweiz-Geschäft. Ein derartiger Rückbau wird in der Swisscom-Chefetage bereits intensiv diskutiert. Er wäre allerdings eine Niederlage für VR-Präsident Loosli, der explizit ein Gegengewicht zum Konzernchef möchte.

Nicht ausgeschlossen, dass daher Hans-Peter Legler zum Zug kommt. Er führt seit drei Jahren mit Erfolg die Swisscom-Tochter Cablex und könnte, so heisst es, auch mit der gegenwärtigen Konzernstruktur leben. Schaeppi bliebe dann in seinem Traumjob.

Eine externe Lösung für den Chefposten ist zwar denkbar, käme dem Konzern aber nicht gelegen: Nach dem Suizid Schloters, der die Swisscom in einen Schockzustand versetzte, will Loosli Kontinuität in der operativen Führung. Schliesslich stehen bereits im VR gewichtige Veränderungen an: Kommenden Frühling wird Vizepräsident Richard Roy das Gremium verlassen, ein Jahr später läuft die Amtszeit von Präsident Loosli ab. Nach den Geschehnissen will er, so hört man, sein Mandat nicht verlängern.