Und Thiam geht doch. Rohner hatte im «Bloomberg»-Artikel von letzten Freitag eine Thiam-Absetzung dementiert und das sogar diese Woche nochmals über seinen Sprecher explizit wiederholen lassen. Jetzt beugte er sich doch dem Druck, obwohl es keine neuen Fakten gibt – und schickt auch ein klares Signal an den selbst ernannten Schattenpräsidenten David Herro vom 5,2-Prozent-Aktionär Harris Associates, der sich gegen den Abgang Thiams stellte. Die Botschaft: Der Verwaltungsrat ist unabhängig.
 
Warum die Kehrtwende? Offenbar hielt vor allem die heimische Fraktion im Verwaltungsrat um den um seinen Ruf sehr bedachten Lead Director und Roche-Chef Severin Schwan dem Dauerbeschuss nicht mehr stand und fürchtete um ihre Reputation.

Trotzdem bringt die Affäre nur Verlierer hervor: Rohner muss sich fragen lassen, warum er nicht schon im Oktober handelte und Thiam noch bis zur Sitzung von gestern verteidigte. Thiams Reputation hat massiv gelitten, und jetzt darf er nur noch einmal das goldene Bank-CEO-Spiel spielen: One more year – eine Zahlung von 10 Millionen. Und ob der neue CEO Thomas Gottstein eine Dauerlösung ist, bleibt ungewiss. Lange wollte er nicht einmal Schweiz-Chef werden. Jetzt führt er plötzlich den gesamten Bankkonzern.

Bleibt Rohner länger?

Vielleicht wäre das ja eine Rechtfertigung für den Präsidenten, noch etwas zu bleiben. Am Montag nominierte die CS einen gewissen Richard Meddings als neuem Verwaltungsrat. Man könnte auch sagen: Rohner hat es geschickt vermieden, einen Nachfolgekandidaten zu installieren. Und unter den bisherigen Verwaltungsräten ist kein valabler Anwärter auszumachen.

Gewiss, der Präsident hat seinen Abschied signalisiert, aber die Statuten lassen natürlich Ausnahmen zu, immerhin hat sie der findige Jurist ja selbst abgesegnet. Vielleicht bringt der Abgang Thiams für Rohner da ja eine neue Chance, immerhin muss  Gottstein ja eingeführt werden ins neue grosse Amt. Two more years?