Im Vergleich zu China ist die Schweiz ein Entwicklungsland. Zumindest, wenn es um mobiles Bezahlen geht. Während Konsumenten in Fernost primär mit dem Smartphone einkaufen, greifen Schweizer noch immer zu Bargeld oder zu Debit- und Kreditkarten.

Gewiss, auch hierzulande gäbe es die nötige Technik für Mobile Payment. Die Bezahlapp Twint der Schweizer Banken eignet sich bestens, um sich unter Bekannten Geld zuzuschicken. Oder um in einem Online-Shop zu bezahlen. Aber! Und das ist der Grund, weshalb sich die App in der Masse nicht durchsetzt: An der Kasse ist Twint unbrauchbar. Ausnahme: Man ist mit der inneren Ruhe eines Zen-Mönchs ausgestattet oder es ist einem schlicht egal, zur Rush Hour sämtliche Personen in der Schlange zu verärgern.

Wer nämlich mit Twint bezahlt, braucht viel länger, als jene, die zu Bargeld greifen oder die Kreditkarte zücken. Handy hervornehmen, App öffnen, Code eingeben, Bezahlfeld öffnen, aufs Signal warten, Zahlung bestätigen. Hat man das Pech, wird der Bezahlvorgang gar abgebrochen. Die Übung beginnt von vorn.

Deshalb wehren sich die Banken gegen Apple

Einfacher ginge es mit den Bezahlsystemen von Apple und Samsung. Sie funktionieren wie das kontaktlose Bezahlen mit der Kreditkarten via NFC-Technologie. Das Problem: In der Schweiz lassen sich Apple und Samsung Pay kaum nutzen. Jedenfalls nicht als Normal-Kunde einer grösseren Schweizer Bank. Deshalb ermittelt nun sogar die Wettbewerbskommission.

Die Banken versperren sich aus zwei Gründe: Erstens fürchten sich die traditionellen Geldhäuser, dass die Techkonzerne zu stark werden mit Finanzdienstleistungen. Zweitens wehren sie sich vor allem gegen Apple, weil der Konzern die NFC-Technologie auf seinen Smartphones nicht für andere Anbieter verfügbar macht. Aus diesem Grund musste Twint eine eigene Technologie austüfteln und deshalb braucht es in den Läden neben den klassischen Bezahlterminals spezielle Twint-Beacons, damit das Bezahlsystem überhaupt funktioniert.

Es ist verständlich, dass sich die Banken gegen die ausländischen Techgiganten wehren. Aber es ist zu kurz gedacht. Auf lange Sicht ist das ein nutzloser Kampf. Denn die Zukunft gehört weder Twint noch Apple Pay – und diese Zukunft ist bereits da. In Seattle eröffnete Amazon 2016 einen kassenlosen Laden. Das Konzept heisst Amazon Go und soll weltweit ausgerollt werden. Kunden benötigen bloss ein Amazon-Konto. Betritt man den Amazon-Laden, scannt man sich mittels Handy kurz ein, nimmt seine Lebensmittel und verlässt das Geschäft. Kameras und Sensoren registrieren, welche Produkte der Kunde genommen hat, der Betrag wird dem Amazon-Konto verrechnet. Einkaufen geht so schneller und ist billiger, als in einem klassischen Laden. Zwei für den Konsumenten entscheidende Kriterien.

Während sich also die Banken mit Apple und Samsung in ein Grabenkampf versteigen, rückt ein Gegner heran, der beide überrollen wird. Oder etwas weniger martialisch ausgedrückt: Die Schweiz hält sich mit Diskussionen über ein einfaches Cupspiel auf, während andernorts gerade der WM-Final stattfindet.

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