Die regionalen Strommarkt-Monopole haben Kleinkunden seit 2009 mehr als vier Milliarden Franken gekostet. Zu dem Schluss kommt eine Analyse des Beratungsunternehmens Enerprice im Auftrag der «Handelszeitung». Dieses hat berechnet, wie viel mehr die Kleinkunden im Vergleich zu einer Beschaffung am freien Markt bezahlen mussten.

Alleine für 2008 kommt Enerprice zu einem Aufpreis von rund 900 Millionen Franken. Seit der Marktöffnung für Grosskunden im Jahr 2009 haben sich demnach 4,3 Milliarden Franken aufsummiert, die Kleinkunden mehr bezahlten, weil sie ihre Stromlieferanten nicht frei wählen konnten (siehe Grafik).

Enerprice hat ausgrechnet, wie viel Schweizer Kleinkunden im Durchschnitt für den Strom ihrer regionalen Versorger bezahlen mussten und hat diese Preise einer über mehrere Jahre gestaffelten Beschaffung zu Marktkonditionen gegenübergestellt. Eine solche könnte man künftig auch für Kleinkunden anwenden, sagt Enerprice-Partner Werner Geiger.

Strompreise haben deutlich angezogen

Zwar hat der Bundesrat vor kurzem angekündigt, den Strommarkt demnächst auch für Kleinkunden öffnen zu wollen. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass diese Öffnung zu spät kommen wird. Denn die Strompreise am Markt haben bereits deutlich angezogen und nähern sich den Schweizer Monopol-Preisen an.

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An der Börse kostete Bandstrom im Oktober im Tageshandel durchschnittlich 8,3 Rappen pro Kilowattstunde. Das ist so viel wie seit 2009 nicht mehr – und sogar mehr als der regulierte Preis, der Kleinkunden 2018 im Durchschnitt verrechnet wird.

Der Oktober war kein Ausreisser: Bereits seit Juni liegen die Strompreise über dem Durchschnitt der vorangegangenen zehn Jahre. Für Stromproduzenten wie Alpiq und Axpo wird sich das rechnen. Zu heutigen Preisen verkauft, machen sie mit Schweizer Strom wieder Gewinn.

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