Die deutsche Wirtschaft dürfte nur geringfügig unter dem Volkswagen-Abgasskandal leiden. Selbst wenn die Auslandsnachfrage nach deutschen Autos um zehn Prozent zurückgehen sollte, wären die Auswirkungen handhabbar und vorübergehend.

Autos dominieren nicht die Wirtschaft

Die deutsche Automobilindustrie ist zwar gross, aber sie dominiert nicht die Wirtschaft des Landes. Insgesamt könnte ihr Anteil bei rund 5,7 Prozent liegen. 2013 machte die Herstellung von Motorfahrzeugen, Anhängern und Sattelanhängern rund vier Prozent der Bruttowertschöpfung aus. Die Wertschöpfung in der Branche liegt bei etwa 26 Prozent vom Umsatz.

Wenn man dasselbe Verhältnis auf den Umsatz der deutschen Autozulieferer anwendet, ergibt sich, dass diese für 0,7 Prozent der Produktion der Gesamtwirtschaft stehen. Der Gesamtanteil beträgt dann 4,7 Prozent der Bruttowertschöpfung, wenn man nur die Herstellung und die Lieferkette berücksichtigt. Inhouse-Ausgaben und externe Forschung und Entwicklung standen 2013 für ein Prozent der Bruttowertschöpfung. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden wahrscheinlich unverändert bleiben nach einer Krise, die starke technologische Veränderungen erfordert. 

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5,7 Prozent der deutschen Bruttowertschöpfung

Der Volkswagen-Skandal dürfte eher die Auslandsnachfrage beeinträchtigen als die aus dem Inland. Ausländer könnten zu anderen Herstellern wechseln, wenn sie das Vertrauen in die Zuverlässigkeit deutscher Autobauer verloren haben. Dagegen dürften heimische Käufer wahrscheinlich weiter deutsche Autos kaufen. Wenn sie keine Dieselfahrzeuge mehr wollen, können sie zu Benzinern wechseln. 

Die meisten deutschen Autos werden im Ausland verkauft. 2014 exportierte Deutschland 76 Prozent aller im Land produzierten Autos. Zusammen mit dem Anteil der Autoherstellung an der Gesamtproduktion in Deutschland ergibt sich daraus, dass rund 3,6 Prozent der Wirtschaft des Landes von der ausländischen Nachfrage nach deutschen Autos abhängt. 

Deutschland exportiert die meisten Autos, die es herstellt

Es gibt kaum Grund zu der Annahme, dass sich die Nachfrage nach deutschen Autos im Ausland völlig in Luft auflösen wird. Und selbst wenn, würden Ressourcen auf andere Aktivitäten verlagert, wenn die betroffenen Unternehmen ihre Produktion zurückfahren. Die Auswirkung auf die Wirtschaftsleistung wäre nicht eins zu eins. 

In einem Szenario, das einen Rückgang der Auslandsnachfrage nach deutschen Autos um zehn Prozent annimmt, würde sich ein Nachfrageschock von etwa 0,4 Prozent für die deutsche Wirtschaft ergeben. Wie stark das tatsächlich in der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage spürbar wird, hängt davon ab, wie die Autohersteller reagieren. Preisnachlässe um Marktanteile zu gewinnen, vielleicht in Ländern, die sich weniger um Emissionen kümmern, könnten die Gewinne drücken, aber damit könnte das Produktionsvolumen aufrechterhalten werden. Sollte stattdessen die Produktion stark zurückgefahren werden, würde das die Wirtschaft kurzfristig beeinträchtigen, aber nicht langfristig. Die betroffenen Mitarbeiter würden einfach in anderen Bereichen eingesetzt.

Nicht katastrophal

Aus Basis dieser Annahmen, und der Annahme, dass die Autobauer auf schwächere Auslandsnachfrage nicht vollständig mit Produktionssenkungen reagieren, ergibt sich die Erwartung, dass die Wirtschaftsleistung über etwa ein Jahr hinweg 0,1 bis 0,2 Prozent niedriger ausfallen könnte und sich danach erholen wird. Das ist zwar nicht unerheblich für eine Volkswirtschaft, für die der Internationale Währungsfonds ein Wachstum von nur 1,6 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr prognostiziert, aber es ist auch nicht katastrophal.

(bloomberg/ccr)