Die Coronavirus-Krise trifft viele Unternehmen in der Schweiz hart. Es ist von zahlreichen Konkursen die Rede, gar ein Sechstel aller SPI-Firmen sei bedroht. Der Bund versucht den Firmen mit Kurzarbeit und Bürgschaften unter die Arme zu greifen.

Doch nicht alle Unternehmen sind von der Misere betroffen. Einige profitieren davon: So bestellen die Menschen vermehrt Essen nach Hause, Personalvermittler müssen unter Hochdruck Arbeitskräfte für die Logistik finden, und mit der Zunahme des Individualverkehrs steigt der Bedarf nach rasch verfügbaren Fahrzeugen

Doppelt so viele Bestellungen

Dominic Millioud vom Food-Lieferdienst Eat.ch sagt: «Aktuell verzeichnen wir 30 Prozent mehr Besuche auf unserer Website und App, von den Restaurants gibt es 50 Prozent mehr Bestellungen.»

Er rechne damit, dass die Anfragen noch weiter steigen werden. Eat.ch agiert als Vermittler zwischen Restaurants und Kunden. Entweder liefert das Restaurant selber mit eigenen Kurieren aus oder die Lieferungen erfolgen über Kurierfirmen, mit denen die Plattform zusammenarbeitet. 

Zum Thema Home-Delivery gibt Millioud klare Tipps an Leute, die ihr Essen nach Hause liefern lassen: «Wir empfehlen, bargeldlos zu zahlen. Der Kurier stellt das Essen dann vor der Haustüre ab, um Kontakt zu vermeiden.»

LeShop in den nächsten Wochen ausgebucht

Wie sich die Krise bei Detailhandelsriesen wie Coop oder Migros im Umsatz niederschlägt, lässt sich zurzeit nur schwer abschätzen.

Im Online-Bereich sei die Nachfrage «sehr gross», bestätigt Migros-Sprecher Marcel Schlatter. «Viele Kunden, die bis anhin in den Filialen eingekauft haben, steigen nun auf LeShop um. Zurzeit sind die Lieferfenster für die nächsten zwei Wochen ausgebucht.» Man wolle aber mehr Lieferfenster hinzufügen – und arbeite «mit Hochdruck daran», die Lieferkapazitäten zu erhöhen.

Genügend Nahrungsmittel vorhanden, aber Personal fehlt

Die Ursache für den Engpass seien aber nicht fehlende Nahrungsmittel, sondern der stark erhöhte Warenfluss, sagt Schlatter. «Wir haben mehr Personal eingestellt, setzen unsere Büromitarbeiter in den LeShop-Verteilzentren ein und planen Zusatzschichten.»

Anzeige
Placeholder

Home-Delivery: LeShop von Migros ist überlastet.

Quelle: Keystone

Auch beim grössten Schweizer Online-Händler Digitec läuft es zurzeit rund: «Die Nachfrage ist momentan so hoch wie sonst kurz vor Weihnachten», sagt Mediensprecher Alex Hämmerli.

Der Bedarf hat Folgen für die Kunden: «Es dauert aktuell zwei bis drei Tage länger, bis Bestellungen bei unseren Kunden ankommen», sagt Hämmerli. Wegen des Ansturms will Digitec bis zu 200 neue Mitarbeitende für das Logistikzentrum in Wohlen einstellen.

Mehr Erotikspielzeug bestellt

In den Digitec-Bestellungen ist deutlich zu erkennen, wie sich das Verhalten der Menschen seit dem Ausbruch der Coronavirus-Krise verändert hat. «Wir verzeichnen einen starken Anstieg in der Nachfrage nach Sex-Toys wie Erotikwäsche oder Gleitmitteln», sagt Hämmerli. Zurzeit würde man doppelt so viele Erotikartikel wie zur selben Zeit im vergangenen Jahr verkaufen. 

Aber auch der vermehrte Gebrauch des Heim-Büros sowie das Social Distancing zeichne sich in den Bestellungen ab: «Wir sehen durchs Band einen Boom bei PC-Monitoren, Webcams, Mäusen, Tastaturen oder Headsets.»

Placeholder

Bei den Schweizern sind Erotikspielzeuge zurzeit sehr beliebt. 

Quelle: Corbis via Getty Images

Extrem hohe Nachfrage bei Temporärjob-Vermittlern

Die steigenden Online-Bestellungen und der grosse Bedarf an Arbeitskräften in diesem Bereich bekommt auch der Temporärarbeitsvermittler Coople zu spüren: «Bei Supermärkten, im Online-Handel, in Call-Centern und Lagerhäusern ist die Nachfrage enorm. Wir verzeichnen wöchentliche Wachstumsraten zwischen 40 und 200 Prozent», sagt Annette Burgard von Coople.

Das Schweizer Startup ist führend bei der Vermittlung von On-Demand-Jobs, also schnell einsetzbaren und meist temporären Arbeitskräften.

Besonders gesucht: Gabelstaplerfahrer

Anfragen erhalte Coople vor allem von Firmen, die trotz Lockdown weiterarbeiten können. «Dabei geht es vor allem um Lebensmittel und den Online-Handel», bestätigt Burgard. Dafür würden Kassierer, Fahrer oder Logistiker gesucht, aber auch kaufmännische Angestellte zur Bewältigung der Online-Bestellungen.

Anzeige

Sehr gefragt seien dabei insbesondere Gabelstaplerfahrer. Man sei ferner mit Spitälern in Kontakt, um dort den erhöhten Bedarf an Reinigungskräften sicherzustellen. Burgard sagt, wer Interesse an Temporärjobs habe, könne sich via App bei Coople melden. 

Placeholder

Dringend gesucht: Gabelstapelfahrer. 

Quelle: Keystone

Finanzen: Es wird heftig getradet

In diesen hektischen Börsenzeiten wittern Anleger auch Chancen zum Einstieg – und davon profitiert zum Beispiel die grösste Online-Trading-Plattform der Schweiz, Swissquote. Chef Marc Bürki sagt: «Die Zahl der Kontoeröffnungen ist in den letzten Tagen auf rund 5000 pro Woche angestiegen.» Normal seien rund 1000 pro Woche.

Auch die Anzahl der Transaktionen habe massiv zugenommen: «Wir haben bis Mitte März schon eine Million Transaktionen abgewickelt», sagt Bürki. 2019 hat Swissquote über das ganze Jahr hinweg 2,8 Millionen Transaktionen verzeichnet. «Die Märkte spielen verrückt», sagt Bürki.

Anzeige
Placeholder

Mark Bürki, Chef von Swissquote. 

Quelle: Keystone

Weniger Zug, mehr Mietautos

In den letzten Tagen ist die Benutzung des öffentlichen Verkehrs um die Hälfte zurückgegangen, heisst es von SBB und Co.

Wegen der Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus sind weniger Menschen in Zügen, Bussen oder Trams unterwegs. SBB-Chef Andreas Meyer fordert die Leute auf, den ÖV zu meiden. 

Anzeige

Dadurch steigt der Individualverkehr an. Das spüren Autovermieter wie Enterprise Schweiz. Wegen der steigenden Nachfrage gibt Enterprise seinen Kunden einen Rabatt von 40 Prozent auf alle Mietfahrzeuge, wie das Unternehmen mitteilt. Dabei spricht der Autovermieter vor allem Kunden an, die vorher den öffentlichen Verkehr benutzt haben. 

Bei der Schweizer Carsharing-Plattform Mobility verzeichnet man zwar noch keine erhöhte Nachfrage, sei aber für einen Anstieg gerüstet, sagt Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann. «Sollte die Nachfrage steigen, könnten wir diese mit unserem bestehenden Fahrzeugangebot von rund 3000 Fahrzeugen abfangen.»

Mehr Autos könne Mobility aber kaum stellen, denn dafür bräuchte es auch mehr Parkplätze.