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Trauerfeier
Über 1500 Menschen sagen Sternekoch Violier Adieu

Trauergottesdienst für Benoît Violier: Über 1500 Menschen nahmen Abschied. Keystone

Hunderte nahmen in Lausanne Abschied vom verstorbenen Sternekoch Benoît Violier. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Küchenchefs und auch Grössen aus Sport, Politik oder Wirtschaft.

Veröffentlicht am 05.02.2016

Über 1500 Menschen haben am Freitag in der Kathedrale von Lausanne Abschied von Sternekoch Benoît Violier genommen. Sein Restaurant «L'Hôtel de Ville» in Crissier VD war letzten Dezember zum besten der Welt gekrönt worden.

Familie, Freunde und zahlreiche Persönlichkeiten aus der Welt der Gastronomie, des Sports und der Politik haben am Freitag der Trauerfeier für Benoît Violier beigewohnt, der sich am letzten Sonntag im Alter von 44 Jahren überraschend das Leben genommen hatte. Die Fassungslosigkeit und Bestürzung über den unerwarteten Suizid des Sternekochs stand vielen der mindestens 1500 Trauergäste ins Gesicht geschrieben.

Ein letztes Adieu

Unter den Trauergästen befanden sich zahlreiche berühmte Küchenchefs wie Frédy Girardet, Anton Mosimann, Anne-Sophie Pic, Marc Veyrat und Joël Robuchon, aber auch Sportgrössen wie der ehemalige Skistar Didier Cuche und der Tennisspieler Jakob Hlasek. Die Waadtländer Regierung war mit Pierre-Yves Maillard, Pascal Broulis, Anne-Catherine Lyon, Nuria Goritte und Jacqueline de Quattro vertreten.

«Wir sind hier zusammengekommen, weil wir den Wunsch nach einer Abschiedsgeste, einem letzten Adieu für Benoît hatten,» sagte Pfarrer Emmanuel Rudacogora und fügte hinzu: «Sie sind mit Fragen gekommen und werden vielleicht ohne Antwort wieder gehen.» Violier sei ein unerreichbarer Künstler gewesen, ein Mensch, der Freude daran gehabt habe, «die Herzen zu füllen – noch vor den Mägen». «Angesichts des Kummers, der Einsamkeit, des Leids und der unbeantworteten Fragen des Lebens» sprach Pfarrer André Joly der Trauergemeinde Mut zu, «die Kraft zu finden, um den Weg fortzusetzen». «Jetzt, wo du an einem Ort der Ruhe und Heiterkeit bist, ruhe in Frieden,» wünschte sich Violiers Frau Brigitte.

Immer das Beste gegeben

An der Trauerfeier anwesend waren auch die rund 50 Mitarbeitenden des Restaurants «L'Hôtel de Ville» sowie Violiers Freund und Teilhaber André Kudelski: «Ich wusste, dass dir sehr viel an den Sternen lag, dass du sie aber so schnell bekommen würdest, hätte ich nicht gedacht», sagte Kudelski und stellte die Frage in den Raum: «Durch dein ständiges Bemühen, immer dein Bestes für die anderen zu geben, hast du vielleicht vergessen, für dich selber zu träumen.»

Franck Giovannini, der seit dem Tod Violiers die Leitung der Küchenbrigade des Gourmettempels in Crissier übernommen hat, dankte seinem ehemaligen Patron «für seine unglaubliche Energie und Grosszügigkeit» und verabschiedete sich mit den Worten: «Adieu Patron, ich werde deine Arbeit fortführen.»

Lange Zeit in Crissier

Violier hatte 2012 mit seiner Frau Brigitte das Restaurant «L'Hôtel de Ville» in Crissier von Philippe Rochat übernommen, der vor sieben Monaten 61-jährig beim Velofahren einem Herzinfarkt erlegen war. An der Trauerfeier für Rochat hatte letztes Jahr auch Violier teilgenommen.

Der gebürtige Franzose war 1992 mit knapp 20 Jahren von Girardet nach Crissier geholt worden. Der talentierte Violier hatte in Frankreich eine doppelte Lehre als Koch und Konditor-Confiseur-Chocolatier absolviert und Erfahrungen bei grossen französischen Köchen wie Robuchon gesammelt hatte.

Beisetzung neben Grab des Vaters

Violier wurde vom Restaurantführer GaultMillau bereits im ersten Jahr nach der Übernahme von Rochat mit 19 von 20 Sternen ausgezeichnet und zum «Koch des Jahres 2013» gekrönt. Michelin verlieh dem «L'Hôtel de Ville» drei Sterne. Erst im Dezember war das «L'Hôtel de Ville» zum besten Restaurant der Welt gekürt worden.

Der erst vor kurzem in der Waadt eingebürgerte Benoît Violier stammte ursprünglich aus dem französischen Saintes en Charente-Maritime. Am Samstag soll er in Frankreich neben dem Grab seines Vaters beigesetzt werden, der vergangenes Jahr gestorben ist.

(sda/ise/mbü)

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