Frankreich ist Europameister der Steuerzahler, denn sie zahlen die höchsten Lohnsteuern im europäischen Raum. Sie haben damit Belgien, das lange Zeit die rote Laterne inne hatte, abgelöst.

Die Brüsseler Regierung hat die von der Europäischen Union (EU) eingeforderten schmerzhaften Reformen in den letzten Jahren durchgeführt und konsequent umgesetzt. Dadurch konnte substantiell der Druck von den steuerlichen und sozialen Abgaben genommen sowie reduziert werden. Die Gewerkschaften haben mit den Arbeitgebern und der Regierung den Arbeitsmarkt reformiert und können jetzt die Ernte einfahren.

Endlich für die eigene Kasse arbeiten

Ein Arbeitnehmer arbeitet in Frankreich bis zum 29. Juli für den Staat, in Belgien sind es der 27. Juli und in Deutschland der 10. Juli. Deutschland ist in dieser Hinsicht, mit dem dritten Platz, auch kein Musterschüler, obwohl sie immer wieder gerne den Lehrmeister und den Tonangeber in Europa sein wollen. Berlin muss auch deshalb seine Hausaufgaben erledigen und die Arbeitnehmer entlasten.

Ausreisser ist Irland, das vor zwei Jahren aus der Schuldenkrise wie ein Phönix aus der Asche gekommen ist und jetzt wie Zypern zu den Niedrig-Lohnsteuer-Ländern in der EU gehört.

Diese Berechnungen gehen auch auf den amerikanischen Nobelpreisträger Milton Friedmann zurück, der diesen Daten als Tag der persönlichen Befreiung der Steuerzahler nannte. Ab diesem Datum arbeiten die Lohnempfänger in die eigene Tasche, denn in den vorausgegangenen Monaten floss das verdiente Geld nur in die Steuerkasse des jeweiligen Staates.

Streik als Protestmittel

Frankreich versucht seit nunmehr zwei Jahren die Steuern zu reformieren, aber bisher mit wenig Erfolg. Die sozialistische Regierung hat es trotz aller Bemühungen nicht geschafft mit den Gewerkschaften einen Pakt zu verhandeln zur Gesundung der geschundenen Wirtschaft. Erneut versuchen sie mit einem Streik den Luftverkehr lahm zu legen. Gerade in der Urlaubszeit ist dies ein Schlag gegen die eigene Bevölkerung, aber auch störend für alle Touristen, die nach Frankreich kommen.

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Die Sozialabgaben sind im Vergleich zum Bruttosozialprodukt in den vergangenen Jahren auseinandergedriftet. So werden von den Steuern zunehmend auch die Bildung nicht nur im Schulbereich sondern auch verstärkt in den weiterbildenden Hochschulen und Universitäten übernommen. Auch die Ausgaben für die Gesundheitsreform sind drastisch in die Höhe gegangen und belasten zunehmend die seit Jahren ansteigenden Sozialabgaben.

Kurzwoche verstärkt Druck

Die Arbeitszeiten pro Woche sind in manchen Branchen, wie etwa im Tourismus, also eine nicht zu vernachlässigende Einnahmequelle des Staates, auf eine 35-Stunden-Woche reduziert worden. Solche Massnahmen verstärken einerseits den Druck auf die Arbeitgeber noch mehr zu rationalisieren und andererseits müssen sie die Preise erhöhen. Diese sind gegenüber anderen Ferienländern in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen.

Am Ende müssen Unternehmer entweder Mitarbeiter kündigen oder den Betrieb mangels Erfolglosigkeit schliessen. Frankreich benötigt dringend eine Reform des Arbeitsmarktes, Mitarbeiter sollten nicht mit 58 Jahren in die Rente gehen, sondern auch bis zum 65 Lebensjahr und darüber hinaus arbeiten können. Ausserdem sollte die Arbeitszeit flexibler gehandelt werden. Mit den derzeitigen Arbeitszeiten kann Frankreich den Anschluss weder an die übrigen Wirtschaftsstaaten Europas, noch an die in der globalisierten Welt finden.

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