Bao Fan ist Milliardär und Mehrheitseigner der Investmentbank China Renaissance Holding. Sein plötzliches Verschwinden in dieser Woche – das mit einer Untersuchung der chinesischen Regierung in Verbindung gebracht wird – lässt die Wirtschaftselite des Landes erschaudern. Der Vorfall nährt Vermutungen, wonach das harte Durchgreifen von Staatspräsident Xi Jinping gegen den privaten Sektor nun seinen Lauf genommen hat.

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Obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass der Vorsitzende der China Renaissance Holdings ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten ist, teilte die Investmentbank am späten Donnerstag mit, sie habe den Kontakt zu Bao verloren. Seiner Familie wurde mitgeteilt, dass er an einer Untersuchung mitwirke.

Der Aktienkurs von China Renaissance brach am Freitag nach der Bekanntgabe in Hongkong um 28 Prozent ein. «Dies könnte die Aktie langfristig belasten, da Bao die Schlüsselfigur des Unternehmens ist», sagte Willer Chen, Senior Analyst bei Forsyth Barr Asia Ltd.

War bei der Credit Suisse tätig

Als ehemaliger Banker bei Morgan Stanley und der Credit Suisse Group gründete Bao 2005 China Renaissance und machte sich einen Namen, indem er schwierige Fusionen vermittelte, die zur Gründung des Ride-Hailing-Dienstes Didi Global und des Essenslieferanten Meituan führten. 

Laut dem jüngsten Zwischenbericht verwaltete China Renaissance Ende Juni 2022 rund 48,6 Milliarden Yuan (6,6 Milliarden Franken). Im September war schon der Renaissance-Präsident Cong Lin in Gewahrsam genommen worden. Gegen ihn laufen Ermittlungen im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit für den Finanzleasing-Arm der staatlichen Industrial and Commercial Bank (ICBC), berichtete das chinesische Wirtschaftsmagazin «Caixin». Die beiden hätten sich nahe gestanden.

Keine Stellungnahme der chinesischen Behörden

Da sich die chinesischen Behörden nicht offiziell zu Baos Verbleib geäussert haben, beherrschen Spekulationen über sein Schicksal die Gespräche zwischen Finanziers und Führungskräften aus der Technologiebranche in Hongkong und dem chinesischen Festland. Bao hat weitreichende Verbindungen und ist in Informationen über die grössten Unternehmer des Landes eingeweiht und berät Giganten wie Alibaba und Tencent Holdings.

Die Behörden haben über Baos Verschwinden Stillschweigen bewahrt. China Renaissance lehnte eine Stellungnahme ab, die über die in einem Börsenbericht enthaltenen Angaben hinausging. 

China Renaissance bittet Mitarbeitende «Ruhe zu bewahren»

In einem Memo an die Mitarbeiter forderte der Vorstand des Unternehmens am Freitag seine Angestellten auf, zusammenzuhalten und Gerüchten keinen Glauben zu schenken oder sie zu verbreiten. «Bitte vertrauen Sie der Gruppe und dem Vorstand, lassen Sie sich nicht beunruhigen. Es ist in Ordnung, wenn wir kurzfristig in Schwierigkeiten geraten», so der Vorstand.  

Es ist unklar, ob Baos Verschwinden die Eskalation weiterer Inspektionen in Chinas Finanzindustrie markiert. 

(bloomberg/rul)