Sind Frauen die besseren Führungskräfte? Ja. Den Beweis liefert eine neue Studie, publiziert im «Harvard Business Review»: Sie zeigt schwarz auf weiss, dass Frauen die besseren Leadership Skills haben. Insbesondere in puncto Eigeninitiative, Belastbarkeit und Ergebnisorientierung schneiden sie besser ab als Männer.

Zudem fördern und motivieren Chefinnen ihre Mitarbeitenden besser als Chefs, denn sie sind emphatischer – eine Fähigkeit, die gerade in der Corona-Krise von Führungskräften besonders gefragt ist. 

Frauen bekommen gar nicht erst die Chance

Klar, kann man sagen: Wieder mal so eine typische «Frauen-Studie». Fakt ist aber, dass der Anteil an Frauen in Führungspositionen, vor allem in den Spitzenjobs, immer noch gering ist. Gerade in der Schweiz. Das mag daran liegen, dass Frauen selbstkritischer und weniger selbstbewusst sind, während Männer sich häufig selbst überschätzen.

Frauen sind die besseren Chefs – das zeigt diese umfassende Studie, publiziert in «Harvard Business Review».

Und natürlich spielt auch der «unconscious bias» eine Rolle, jene unbewusste Voreingenommenheit gegenüber Frauen, die bei Rekrutierungen, aber vor allem bei Beförderungen ein Problem ist. So bewerben sich Frauen auf eine Stelle erst, wenn sie sich 100-prozentig qualifiziert fühlen, während es Männern schon reicht, wenn sie nur die Hälfte der Anforderungen erfüllen.

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Genau so ist es bei Führungspositionen: Frauen zögern, während Männer sich eher zutrauen, den Schritt in eine höhere Position zu gehen und Wissenslücken oder fehlende Kompetenzen «on the job» zu lernen. Pech gehabt, wenn ihr Frauen euch das nicht zutraut, werden manche Männer denken. Doch alles nur mit mangelndem Selbstvertrauen zu erklären, ist zu einfach.

Podcast zum Thema

Die Unternehmerin und Personalberaterin Esther-Mirjam de Boer über männliche Führungsstrukturen und warum es Frauen selten ins Top-Management schaffen: 

Mehr Folgen von «Schöne neue Arbeitswelt».

Die Realität ist, dass Frauen vielfach gar nicht erst die Chance bekommen, Verantwortung zu übernehmen, weil es ihnen von ihren männlichen Chefs nicht zugetraut wird oder sie ihre Kompetenz erst beweisen müssen, und zwar mit der doppelten Leistung wie Männer.

Schuld sind männliche Führungsstrukturen, die sich über Jahrzehnte in Unternehmen etabliert haben und die unsere westlichen Gesellschaften seit Jahrhunderten prägen. Nach dem Motto: Gleich und gleich gesellt sich gern. Die Teppichetagen hierzulande beweisen das.

Die Frauenquote kann ein Anfang sein

Solange Männer an den Schaltstellen von Unternehmen in der Mehrzahl sind, ändert sich an diesen Führungsstrukturen nichts. Da helfen auch sogenannte Frauenförderprogramme, wenn überhaupt, nur sehr schleichend etwas.

Wollen wir das? Kann sich die Schweiz eine Blamage wie die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1971 leisten – nachdem die ersten Frauen in anderen Ländern bereits fast hundert Jahre zuvor erstmals wählten?

Nur wenn diese männlich geprägten Strukturen aufgebrochen werden, erst wenn genügend Frauen in Spitzenjobs sind, ändert sich etwas. Erst dann wird es zur Normalität, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen im Beruf bekommen, in gleichem Masse in Führungspositionen aufsteigen werden und den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten.

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Deshalb bin ich für die Frauenquote.

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