Fünf Tage Wochenende und nur zwei Tage arbeiten – ein Traum, der für die meisten Menschen utopisch scheint: Versicherungen, Kredite und Leasingraten müssen bezahlt, die Familie muss versorgt und auch noch ein Sicherheitspolster für schlechte Zeiten und den Jahresurlaub zurückgelegt werden. Ein 2020 erschienenes Buch macht aber bereits im Titel Hoffnung, dass eine bessere Work-Life-Balance gelingen kann: «Das 5-Tage-Wochenende: Wie Sie lernen, selbstbestimmt und frei zu leben».

Geschrieben haben den Ratgeber die beiden US-Amerikaner Nik Halik und Garrett B. Gunderson. Hauptautor Halik lebt tatsächlich das Fünf-Tage-Wochenende und hat als Abenteurer schon mehr als 155 Länder bereist. Zu finanzieller Freiheit gelang er durch Investitionen am Immobilienmarkt, an Finanzmärkten und in zahlreiche Startups. Gunderson ergänzt das Geschriebene durch zusätzliches Finanz-Know-how, denn er hat bereits erfolgreich Finanzunternehmen aufgebaut und mehrere «New York Times»-Bestseller rund um Finanzthemen veröffentlicht.

Die optimistische Botschaft zu Beginn des Buches: «Auch Sie können ein sinnvolles Leben ohne Geldsorgen führen und grösstmögliche persönliche Freiheit geniessen» – auf die richtige Einstellung, Durchhaltevermögen und eine gezielte Strategie komme es an. Und genau diese Strategie will das Sachbuch vermitteln – für fortgeschrittene Investoren und absolute Anfänger gleichermassen.

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Für alle, die Sicherheit überschätzen, Wert auf einen todsicheren Job, hohe Sozialleistungen und zahlreiche sonstige Vergünstigen legen, sei das Buch nichts. «Wenn dagegen persönliche und berufliche Freiheit für Sie sehr wichtig sind, haben Sie das richtige Buch ausgewählt.»

Durch Änderung des Denkens zur Work-Life-Balance

Wie kann also der Weg zum 5-Tage-Wochenendler gelingen? Von dem Gedanken, vierzig Jahre lang jede Woche vierzig Stunden zu arbeiten, sollten wir uns laut Halik verabschieden. Stattdessen sollte man es vorziehen, fünf bis zehn Jahre lang richtig hart zu arbeiten und zu verzichten, um dann das restliche Leben mit «Abenteuern, Sinn und Lebensfreude» füllen zu können.

Das Ziel, das diesen Lebenstraum wahr werden lassen kann: «Passives Einkommen in ausreichender Höhe zu generieren, das ohne viel Zutun aufs Konto fliesst.» Es gehe darum, cleverer zu arbeiten anstatt härter – und: Cashflow und Rendite zu generieren, anstatt mühsam zu sparen und auf die langersehnte Rente zu warten. «Wir Fünf-Tage-Wochenendler ändern die Art und Weise, wie sich Geld verdienen lässt», schreibt Halik und meint damit den Wechsel vom täglich präsenten und aktiv arbeitenden Angestellten zum Unternehmer, der regelmässige, passive Einnahmen aus verschiedenen schlauen Investitionen generiert.

«Finanzielles Wissen ist sozusagen der Dünger für unseren Verstand und ist gefragt, wenn wir die Ernte einbringen wollen», schreiben die Autoren. Deshalb tauchen sie in ihrem 368 Seiten dicken Werk tief in die Grundsätze von aktivem und passivem Kapital ein, geben Tipps für einen finanziellen Überblick, der auch Sparpotenziale aufdeckt, und widmen sich zudem verschiedenen Investitionsarten – von Immobilien über trendorientierten bis hin zu wachstums- oder jahreszeitlich orientierten Anlagemöglichkeiten.

Buch strotzt vor Wiederholungen

Rund fünf bis zehn Jahre dauere es, bis der Grossteil der Einnahmen nicht mehr aus aktiven, sondern aus passiven Einnahmequellen wie Wertpapieren, Provisionen, Unternehmensanteilen oder Umsatzbeteiligungen sprudelt.

Eine Strategie aus fünf Schritten soll den Erfolg bringen: mehr Geld behalten als ausgeben, indem Sie Ordnung schaffen (1); mehr Geld verdienen, indem Sie mindestens ein zweites, selbstständiges Standbein aufbauen (2); mehr aus Geld machen, indem Sie die zusätzlichen aktiven Einnahmen investieren und so stetig durch passive Einnahmen ergänzen und schliesslich ersetzen (3); Investitionen in sich selbst, etwa durch Kontaktaufnahme zu Mentoren oder Weiterbildungen (4); das Leben frei und nach eigenen Wünschen leben (5). Zentral wichtig dabei: «Die richtige Reihenfolge einhalten und keine Abkürzungen gehen.»

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«Für Menschen, die viel riskieren wollen, lohnen sich die Empfehlungen.»

Autorin Sira Huwiler-Flamm

Die Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten Wandel und die Work-Life-Balance bekommt für viele einen immer höheren Stellenwert. Laut Statista (2018) legen rund 82 Prozent der 35- bis 44-jährigen Schweizerinnen und Schweizer mehr Wert darauf als auf eine hohe berufliche Stellung oder Karriere. Das Buch scheint also den Nerv der Zeit zu treffen.

Die vermeintliche Sicherheit, für die wir in der Tretmühle des Nine-to-Five-Arbeitsalltags unsere Freiheit opfern, existiere nicht, ist Halik überzeugt: Arbeitnehmende seien den Marktkräften und Entscheidungen des Arbeitgebers «hilflos ausgeliefert», üppige Renten gehörten der Vergangenheit an und Wirtschaftskrisen würden unser angespartes Kapital bedrohen – viele polarisierende Thesen, die zum Nachdenken anregen sollen.

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«Das 5-Tage-Wochenende»

Nik Halik und Garrett B. Gunderson: «Das 5-Tage-Wochenende: Wie Sie lernen, selbstbestimmt und frei zu leben». Finanz Buch Verlag 2020, 368 Seiten, 26.90 Franken.

Der Ratgeber strotzt zwar vor Wiederholungen und polarisierender Aussagen, ist aber auch ein Mutmach-Buch, das auf Augenhöhe des Lesers, der Leserin geschrieben wurde und dem Durchschnittsbürger mit gezieltem Wissen und praxistauglichen Tipps die Angst vor Investitionen nehmen will – auch wenn manche Forderungen für sicherheitsbewusste Schweizerinnen und Schweizer wohl arg überzeichnet und auch unrealistisch klingen mögen.

Die Autoren raten allen, die auch nach der Lektüre noch Zweifel am Fünf-Tage-Wochenende-Prinzip haben: «Tun Sie es jetzt! Schreiben Sie die Geschichte Ihres Lebens selbst und wagen Sie einen Neuanfang, indem Sie Ihre Wohlfühlzone verlassen. Seien Sie optimistisch.» Arbeitsblätter, die auf der Website zum Buch zum Download bereitstehen, sollen bei der Planung und Umsetzung helfen.

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