Die Zeiten, in der die Arbeit dem reinen Broterwerb diente, sind lange vorbei. Und dass Geld allein nicht glücklich macht, besagt ein Sprichwort. Für die meisten Arbeitnehmer hat heute die Zufriedenheit im Job höchste Priorität. Doch was macht zufrieden?

Nicht nur ein hoher Lohn und gute Arbeitsbedingungen: Auch andere Aspekte haben einen Einfluss darauf, wie zufrieden jemand mit seinem Job ist. Am wichtigsten: Interessante Aufgaben, gute Kommunikation im Unternehmen und das Verhalten der Chefs. Einer neuen Studie zufolge bestimmt der Lohn kaum, wie zufrieden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihrem Job sind. 

So trifft auch die gängige Vorstellung nicht zu, dass Arbeitnehmer für schlechte Arbeitsbedingungen in der Form eines höheren Lohnes kompensiert werden. 

Wissenschaftler der Konjunkturforschungsstelle der ETH-Zürich (Kof) haben dazu ehemalige ETH-Studierende befragt. Wichtig sind den meisten zudem Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten sowie die Atmosphäre am Arbeitsplatz.

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Frauen weniger zufrieden im Job

Heraus kam auch, dass Frauen im Allgemeinen weniger zufrieden mit ihrer Arbeit sind. Sie haben geringere Löhne als ihre männlichen Kollegen: Laut der Umfrage verdienen ETH-Absolventinnen 16 Prozent weniger. Zudem kommen Frauen seltener in den Genuss von Lohnnebenleistungen wie Firmenwagen, Handy oder Arbeitnehmerbeteiligungen.

Bei den meisten Faktoren, die zur Jobzufriedenheit beitragen, unterscheiden sich die Geschlechter allerdings kaum. Nur die wahrgenommene Gleichstellung am Arbeitsplatz ist Frauen wichtiger als Männern und trägt dazu bei, wie zufrieden sie im Job sind. 

Die Schlussfolgerung der Studienautoren: Die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen lässt sich nicht dadurch erklären, dass «Frauen andere, nicht-monetäre Jobaspekte wichtiger sind als Männern und dass sie dafür auf einen höheren Lohn verzichten.» 

Eine Diskriminierung zwischen den Geschlechtern wird damit zwar nicht direkt belegt. Doch die Studie widerlegt die weit verbreitete These, dass Frauen ein gutes Arbeitsumfeld wichtiger sei als der Lohn und sie sich deswegen auf ein niedrigeres Gehalt einlassen. «Arbeitgeber, die gut zahlen, sind auch in allen anderen Dimensionen gute Arbeitgeber», sagt Michael Siegenthaler, Co-Autor der Studie.

Unzufrieden mit Kommunikation und Lohn

Am unzufriedensten sind die Befragten mit der Kommunikation am Arbeitsplatz, den Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten und ihrem Gehalt – obwohl sie im Schnitt mit 10'000 Franken deutlich mehr verdienen als der Schweizer Medianlohn von rund 6500 Franken.

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Die Studienautoren sind sich bewusst, dass die Studie nur bedingt repräsentativ für den gesamten Schweizer Arbeitsmarkt ist. Denn in Niedriglohn-Berufen dürfte das Gehalt eine sehr viel grössere Rolle spielen, als interessante Aufgaben oder gute Kommunikation wie bei Akademikern. Die Kof hat rund 2500 Alumni befragt, die innerhalb der vergangenen 20 Jahre an der ETH ihren Abschluss gemacht haben; die meisten arbeiten in der Schweiz.

Den grössten Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit hat demnach, ob jemand mit interessanten Aufgaben betraut ist. Aber auch die Kommunikation im Unternehmen, das Verhalten der Chefs, die Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten, das Arbeitsklima und das Arbeiten im Team bestimmen, wie zufrieden ein Arbeitnehmer ist. 

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