Die Sommerbrise, die den Aktienmarkt im Juli und teils im August belebte, hat vor allem die vernachlässigten Papiere nach oben gebracht. Gegenüber dem Tiefst im Juli gewannen Stiefkinder wie Holcim 17 Prozent, Partners Group reüssierten um 22 Prozent, Logitech legten 16 Prozent zu. SoftwareOne und Idorsia schossen sogar um 24 respektive 37 Prozent in die Höhe. Dagegen hat der SMI gerade mal vier Prozent wettgemacht.

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All diese Valoren stehen auf meiner Favoritenliste, denn sie bieten noch viel Potenzial, auch wenn sie nach dem Zwischenrally wieder etwas verloren haben. Ihre Kurse werden jedoch stark von der Zins- und Inflationssituation wie auch vom Konjunkturverlauf beeinflusst. Wer sich engagiert, muss sich dieser Risiken bewusst sein. Ein Kauf soll deshalb nur auf mittel- bis langfristige Sicht erfolgen.

Hohes Tempo

Am besten gefällt mir Holcim. Das Führungsduo, CEO Jan Jenisch (55) und Präsident Beat Hess (73), baut den Zementkonzern in atemberaubendem Tempo und mit Milliardeneinsatz um. Bis 2025 sollen drei von zehn Umsatzfranken aus dem Bereich Solutions & Products stammen, in meinen Augen eine gar vorsichtige Prognose.

Der neue Sektor Baumaterialien ist attraktiv: Er bietet viel Wachstum und bessere Margen als Zement, benötigt aber weniger Kapital. Nicht weniger erfreulich präsentiert sich der Geschäftsgang. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 17 und der Gewinn um 38 Prozent. Ungeachtet der sich abkühlenden Wirtschaft sieht Jenisch weiterhin keine Verlangsamung.

Über den Autor

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch

Der Konzernumbau ist erst zu einem geringen Teil in den Aktienkursen eskomptiert. Auch die rosigen Aussichten sprechen für die Titel. Zumal sie im historischen Vergleich tief bewertet sind; das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) stellt sich auf 10 für dieses und auf 9 für kommendes Jahr. Vontobel setzt das Kursziel auf 65 Franken, was gegenüber dem aktuellen Preis einem Plus von 40 Prozent entspräche. Als höchst erfreuliche Zugabe bieten die Aktien eine Dividendenrendite von 4,8 Prozent – notabene ist die Ausschüttung steuerfrei.

Verspielt

Anfang Jahr habe ich die Aktien von Logitech empfohlen. Nur ist die Kursbilanz desaströs; seither haben die Valoren gegen 30 Prozent eingebüsst. Der einstige Börsenstar musste heftig Federn lassen. Brachte Corona dem Hersteller von Peripheriegeräten für Computer, Smartphones und E-Sports noch einen veritablen Boom und Rekordresultate, ist inzwischen Ernüchterung eingekehrt. Im ersten Quartal 2022/23 ging der Umsatz um zwölf Prozent zurück, der Gewinn brach sogar um zwei Fünftel ein.

Nun ist die Vergleichsbasis sehr hoch, im selben Vorjahresquartal schossen die Verkäufe um 66 Prozent in die Höhe. Dennoch ist eine Abschwächung des Geschäfts unverkennbar. Vor allem die Gamingsparte, bislang die Wachstumslokomotive, schwächelt. Für das Gesamtjahr erwartet CEO Bracken Darrell (59) einen Rückgang beim Umsatz wie auch beim Betriebsgewinn. Mittelfristig jedoch hält er an den Zielen fest – und die sind positiv.

Die Logitech-Aktien sind klar unterbewertet. Obwohl die Gewinnschätzungen für dieses und das folgende Geschäftsjahr deutlich beschnitten wurden, stellt sich das KGV auf 16 respektive 15. Das ist für einen erstklassigen Technologiewert nicht viel. Der Gewinn pro Aktie wird noch verdichtet über ein Rückkaufsprogramm im Umfang von 1,5 Milliarden Dollar. Kurzfristig sind die Kursavancen wohl begrenzt, langfristig jedoch zählen Logitech für mich zu den heissesten Papieren.

Feine Nase

Eine aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte im heimischen Finanzgeschäft geschrieben hat Partners Group, wie BILANZ in ihrer letzten Ausgabe beschrieben hat. Doch die Gewinnmaschine des auf Private Equity spezialisierten Vermögensverwalters ist ins Stottern geraten. Zwar stiegen im ersten Semester die von Kunden zugesagten Gelder auf 13 Milliarden Dollar, womit sich die verwalteten Vermögen zur Jahresmitte auf 131 Milliarden beliefen.

An Finanzen mangelt es also nicht – vorderhand. Doch die Baarer Firma spürt die steigenden Zinsen, denn gerade Institutionelle als Hauptkunden lenken in solchen Zeiten ihr Kapital vermehrt in Obligationen. Ein grösseres Problem sind die Börsenturbulenzen; weil die Märkte unter Druck stehen, verzögert sich der Exit aus Beteiligungen, oder der Erlös ist deutlich geringer. Das drückt auf die Performance Fee.

 

Partners Group – an der Börse abgestürzt, doch der Krisenmodus bleibt aus
Partners Group / Illustration Bilanz
Quelle: kornel.ch für BILANZ

Mäzen, Bauherr, Hotelier – die Partners-Group-Chefs haben neue Tummelplätze entdeckt. Derweil ist die Aktie abgestürzt. Greifen sie nochmals an? Weiterlesen. Abo. 

Dies hat Spuren im Aktienkurs hinterlassen. So steil es einst nach oben ging, so steil geht es runter: Innert knapp eines Jahres verloren die Valoren 40 Prozent an Wert. Damit wurden die Titel allerdings zu stark abgestraft. Denn wenn sich die Zins- und Börsensituation wieder beruhigt, ziehen auch die Erträge deutlich an. Die UBS schätzt, dass bis 2026 der Gewinn um über 70 Prozent steigen wird. Zudem hat das Management eine feine Nase für lukrative Investments bewiesen, was neues Anlagekapital anlockt.

Die Aktien sind heute weitaus realistischer bewertet. Ungeachtet einer deutlichen Reduktion der Gewinnschätzung weisen die Papiere für 2022 und 2023 ein KGV von 23 respektive 20 auf. Einst waren die Anleger bereit, ein doppelt so hohes KGV zu bezahlen. Nicht zu verachten ist im weiteren eine Dividendenrendite von 3,3 Prozent.