Die Welt nach Corona Titel BILANZ

Wirtschaft, Politik, Arbeit: Wie die Pandemie alles verändern wird

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Von Marc Kowalsky
am 06.05.2020
Quelle: Keystone, Shutterstock, Getty Images, Ivo Scholz/swiss-image.ch, Stefan Albrecht/PR

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Wenn die Welt aus dem Corona-Koma erwacht, wird sie eine andere sein: Neue Realitäten entstehen, bestehende Trends beschleunigen sich massiv.

Während der Rest der Schweiz mehr oder weniger stillsteht, herrscht Hochbetrieb in den beiden Logistikzentren von IVF Hartmann in Goldach SG und Neuhausen am Rheinfall. 30 Prozent mehr Waren als normal werden derzeit von hier aus in die ganze Schweiz geliefert.

Nur mit Überstunden und zusätzlichen Mitarbeitern, die sonst eigentlich in der IT oder im Vertrieb arbeiten, ist die Nachfrage zu bewältigen. Denn IVF Hartmann bewirtschaftet hier Lager für Gesichtsmasken, Schutzkleidung, Handschuhe, OP-Material und Desinfektionsmittel – Produkte, die gerade extrem gefragt sind.

«Wir wollen die letzte Meile zu unseren Kunden beherrschen», sagt Firmenchef Claus Martini, «deswegen sind unsere Vertriebslager bewusst in der Schweiz.»

Foto: Getty Images

Auch das neue, noch grössere Logistikzentrum, das im Laufe des Jahres seinen Betrieb aufnehmen soll, wird daher diesseits des Rheinufers gebaut – obwohl das Unternehmen einen deutschen Hauptaktionär hat.

Möglichst tiefe Produktionskosten

IVF Hartmann hat bereits vorweggenommen, was bald in allen Zweigen der Wirtschaft passieren wird: «Die Corona-Krise wird die Deglobalisierung rasant beschleunigen», sagt Dalia Marin, Professorin für Internationale Wirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München: «Was wir erleben werden, sind tektonische Veränderungen der Weltwirtschaft.»

Jahrzehntelang optimierten Industriefirmen quer durch alle Branchen ihre Lieferketten mit nur einem Ziel: die Produktionskosten möglichst tief zu halten.

Apple-Chef Tim Cook verurteilte Lager einst als «fundamental böse», Just-in-time-Lieferung war das universelle Credo, und die Supply Chains gingen um die ganze Welt, häufig vom Billigstandort China aus.

Erst als nach dem Reaktorunglück in Fukushima wichtige Komponenten für die Computer- und die Autoindustrie monatelang nicht verfügbar waren, merkte man, wie risikoanfällig diese globalen Lieferketten sind.